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Kölner Beschneidungsurteil: Im Dienst der Aufklärung

Da ist es also wieder – das H-Wort. Ein jüdischer Rabbi vergleicht das Beschneidungsurteil mit dem Holocaust. Absurd. Das Gericht hat einen Beitrag zur Aufklärung geliefert.

Ein offener Brief des Atheisten Niels Kruse

Lieber Rabbi Goldschmidt,
um den polemischen Teil meines Briefes gleich zu Beginn zu erledigen: Ein deutsches Gericht urteilt, dass kein jüdisches Blut fließen soll, und Sie vergleichen den Richterspruch indirekt mit dem Holocaust. Mit Verlaub, aber das ist absurd. Der Beschluss des Kölner Landgerichts soll die körperliche Unversehrtheit schützen und nicht religiöse Minderheiten zum Töten freigeben.

Die Entscheidung gegen die Beschneidung, die sich auch gegen die muslimische Sitte richtet, hat mich zunächst verwundert und dann begeistert. In meinem Schul- und Sportleben habe ich unter unzähligen Duschen gestanden und dabei noch unzähligere Penisse gesehen. Einige waren beschnitten, andere nicht, aber es war nie ein Thema. Auch sonst ist mir nie eine Klage über die Unmenschlichkeit der (männlichen) Beschneidung oder deren Folgen zu Ohren gekommen. Und ein Großteil der Mediziner preist sogar die Vorteile der Vorhautentfernung. So gesehen ist das Urteil sinnlos wie überflüssig, weil es einen Eingriff unter Strafe stellt, den niemand bedauert.

Religion ist eine höchstpersönliche Anlegenheit

Und doch glaube ich, dass das Urteil im Kern richtig ist. Denn es rüttelt an den Selbstverständnissen von Glaubensgemeinschaften. Ich selbst bin weder gläubig, noch gehöre ich irgendeiner Religion an. So sehr ich es respektiere, dass Juden am Sabbath keinen Lichtschalter betätigen wollen, Katholiken dem Papst Gehorsam schenken und Muslime keinen Alkohol trinken, so wenig verstehe ich es. Es ist mir ein Rätsel, wie sich jemand unter Berufung einer "höheren" Macht das Recht herausnimmt, seine Mitmenschen zu maßregeln. Ihnen Vorschriften macht über das Leben als solches, über Moral, Ehe, Essen, was auch immer. Der Gläubige mag sie gottgefällig hinnehmen, doch es ist und bleibt seine höchstpersönliche Angelegenheit.

So gesehen leistet das Urteil aus Köln einen großen Beitrag zur Aufklärung. Sicher ist es nicht die Aufgabe der Kölner Richter, in die Fußstapfen von Moses Mendelssohn zu treten, dem Vater der jüdischen Aufklärung. Aber dennoch setzen sie am wichtigsten Punkt an: Was kann, was darf Religion mit Menschen machen? Sind Riten, nur weil tausende von Jahren alt, (und manchmal folgenlos wie die Beschneidung) noch zeitgemäß? Und entscheidender: Sind sie deswegen gut? Sind sie richtig und zumutbar? Hendrik M. Broder hat auf diese Fragen bereits die Antworten gegeben. Sie lauten nein. Man kann auch zu anderen Schlüssen kommen. Das Ausschlaggebende dabei ist jedoch, dass diese Fragen gestellt werden, gestellt werden dürfen und müssen. Vor allem in einem säkulären Land wie Deutschland.

Traditionen sollten aus Prinzip angezweifelt werden

Lieber Herr Goldschmidt, Sie mögen einwenden, dass ich als Ungläubiger keine Ahnung habe. Und vielleicht auch, dass ich die spirituelle Kraft von Riten unterschätze. Mag sein. Aber ehrlich gesagt ist es mir lieber, jede einzelne religiöse Tradition (gesetzlich) in Frage zu stellen (siehe etwa Kruzifix-Urteil), als mit dem Deckmantel des Glaubens Verstöße gegen Gesetze in Kauf zu nehmen. Oder würde jemand etwa wollen, dass demnächst Scientology, immerhin in vielen Ländern als Religion anerkannt, ein Recht auf Gehirnwäsche einklagt? Oder die Katholiken die Methoden der spanischen Inquisition wieder als gottgewollt verkaufen? Oder Salafisten Frauen im Namen des Herren knechten und ausbeuten? Vermutlich nicht.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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