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Kölner Bombenanschlag: Organisierte Kriminalität im Visier

Nach dem Bombenanschlag in Köln schließt die Polizei nun einen terroristischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund aus. Vielmehr gerät das organisierte Verbrechen ins Ermittler-Visier.

Die Bombenleger von Köln sollen blond gewesen sein, rund 1,80 Meter groß und wie Europäer ausgesehen haben. So wird eine Augenzeugin im Nachrichtensender N-tv zitiert. Weiter will die Frau beobachtet haben, wie zwei Männer ein Fahrrad in der Keupstraße abstellten. Nach ihrer Meinung steckte die Bombe in einer Satteltasche.

Die Polizei kann oder will diese Aussage bisher nicht bestätigen. "Die Ermittlungen gehen nach wie vor in Richtung Organisierte Kriminalität", sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Verfassungsschutz am Donnerstag, einen Tag nach dem Nagelbombenanschlag in Köln-Mülheim, bei dem 22 Menschen verletzt wurden. Die Opfer, meist Bürger türkischer Herkunft, wurden auch von umherfliegenden Glassplittern getroffen. Bei den vier Schwerverletzten handelt es sich den Angaben zufolge um Männer. "Unter den 18 Leichtverletzten sind drei Frauen. Kinder wurden nicht getroffen", sagte ein Polizeisprecher.

Bei den laufenden Ermittlungen werde zudem abgeklärt, ob es sich um einen Streit unter rivalisierenden Türken handeln könnte. Derzeit gebe es aber keinen Schwerpunkt. Da der Hintergrund der Straftat völlig unklar sei, haben sich Annahmen, der Generalbundesanwalt könnte die Ermittlungen übernehmen, bislang nicht bestätigt, teilte ein Justizsprecher auf Anfrage in Düsseldorf mit.

Gudrun Kaustetter, von der Kölner Polizei, sagte allerdings, dass die Beamten weiter in alle Richtungen ermittelten. "Es gibt keine Hinweise, wie der Hintergrund der Tat zu werten ist." Der Spurensuche am Tatort sei die ganze Nacht gelaufen, und wurde sehr akribisch betrieben", so Kaustetter. Dabei seien tausende von Spuren seien gesammelt worden. Diese müssten nun ausgewertet werden. Spezialisten des Landeskriminalamtes unterstützen die Kölner Polizei.

Der Sprengsatz war am Mittwochnachmittag in der Keupstraße, einer beliebten Einkaufsstraße, detoniert. In dem Stadtteil leben viele Türken. Ein 55 Jahre alter Cafébetreiber berichtete: "Ich hörte einen Knall und rannte aus meinem Cafe. Ich sah jemanden auf der Straße liegen und musste mich wegdrehen. Es war grausam."

Die Bombe sei mit zehn Zentimeter langen Zimmermannsnägeln bestückt und vermutlich auf einem Fahrrad deponiert gewesen. Weder einen Terroranschlag noch einen kriminellen oder einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat wollen die Behörden ausschließen.

Die Bombe könne sowohl in dem Gemischtwarenladen, in dem angrenzenden Friseursalon oder auf der Straße gezündet worden sein, so Polizeisprecherin Kaustetter. Denkbar sei auch, dass jemand die Bombe von außen in eines der Geschäfte geworfen habe. Die Fensterscheiben im Erdgeschoss des Hauses seien "samt Fensterrahmen herausgedrückt", berichtete die Feuerwehr. Durch die Explosion wurde laut Feuerwehr ein drei Stockwerk hohes Wohn- und Geschäftshaus verwüstet. Auch elf der Nachbarhäuser wurden beschädigt.

DPA