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Nachhaltigkeit und Drogenkonsum: Bio-Essen kaufen, aber Kokain nehmen? Polizeichefin kritisiert scheinheilige Mittelschichtler

In Großbritannien hat Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick den vermeintlich heuchlerischen Lebensstil einiger Mittelständler kritisiert. Nachhaltigkeit und Kokainkonsum sein nicht miteinander zu vereinen.

Kokain

Ein junger Mann konsumiert Kokain auf einer Straßenparade (Symbolbild). 

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Passt das zusammen? Auf der einen Seite Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil mit Fairtrade, Bio-Essen, Klimabewusstsein legen, aber hin und wieder mal ein Näschen Kokain schnupfen? Auf einer Party etwa - nach dem Motto: Ein Laster hat jeder? 

Wenn es nach Cressida Dick geht, lautet die Antwort: Auf keinen Fall: Die 57-Jährige ist als Chefin der Metropolitan Police, im Volksmund auch Scotland Yard genannt, eine der ranghöchsten Polizeibeamten Großbritanniens. Dick hat sich angesichts des steigenden Kokain-Verbrauchs die drogenkonsumierende Mittelschicht vorgenommen. 

"Das Elend zieht sich durch die gesamte Versorgungskette"

"Es gibt da dieses Problem", zitiert der "Guardian" die Polizistin, "dass es eine ganze Gruppe von Leuten in der Mittelschicht – oder wie auch immer man sie nennen mag – gibt, die zusammensitzen und gern über globale Erwärmung, fairen Handel, Umweltschutz und Bio-Essen sinnieren, aber denken, es ist nicht schlimm ein bisschen Kokain zu nehmen. Aber das ist es: Das Elend zieht sich durch die gesamte Versorgungskette".

Mit ihren Äußerungen stößt Cressida Dick ins selbe Horn wie Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Der hatte vergangene Woche ebenfalls mit Blick auf die Mittelschicht kritisch angemerkt, dass manche Menschen Kokainkonsum fälschlicherweise für ein Verbrechen ohne Opfer halten würden. Weitere Politiker äußerten sich ähnlich. 

In London gab es 2018 bereits 87 Drogenmorde

In England und Wales wurde seit Anfang 2017 von 875.000 Menschen Kokain genommen, wie eine Erhebung ergab. Das ist der höchste Stand seit 10 Jahren. Jahr für Jahr steigt der Verbrauch dem Bericht nach um 15 Prozent an. 

Allein in London wurden im vergangenen Jahr 117 Morde verübt, die im Zusammenhang mit Drogen gebracht werden. 2018 sind es Stand jetzt bereits 87. Oft seien Jugendliche involviert, auch Kinder seien der Drogenkriminallität ausgesetzt, etwa wenn in ihren Wohnhäusern gedealt oder konsumiert werde. 

Englische Studie: So kommen auch Nichtkonsumenten täglich mit harten Drogen in Kontakt
rös