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Komasaufen-Prozess in Berlin: Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft

Der Berliner Gastwirt, der sich im Februar 2007 mit einem 16-jährigen Schüler ein tödliches Wetttrinken geliefert hat, soll nach Forderung der Staatsanwaltschaft für vier Jahre ins Gefängnis. Der Wirt habe sich unter anderem der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht.

Im Prozess um eine Tequila-Trinkwette in Berlin, die für einen 16-Jährigen tödlich endete, hat die Staatsanwaltschaft eine vierjährige Haftstrafe für den angeklagten Kneipenwirt gefordert. Vor dem Berliner Landgericht sagte Staatsanwalt Reinhard Albers in seinem Plädoyer am Mittwoch, Aytac G. habe sich unter anderem der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht. Die Verteidigung forderte eine mildere Strafe, aber keinen Freispruch. Das Urteil wird am 3. Juli verkündet.

Der Wirt hatte zum Prozessauftakt Mitte Februar die Verantwortung für den Alkoholtod des 16-jährigen Lukas W. übernommen. Der Anklage zufolge hat er dem Gymnasiasten Ende Februar 2007 mehr als 45 Gläser Tequila serviert, selbst aber überwiegend Wasser statt Schnaps getrunken. Der Schüler war mit 4,4 Promille im Blut ins Koma gefallen und fünf Wochen später im Krankenhaus gestorben.

Der Wirt soll zudem zwischen 2005 und 2007 in 173 Fällen gesetzeswidrig Alkohol an Kinder und Jugendliche verkauft haben. Staatsanwalt Albers warf dem 28-jährigen Wirt vor, aus Gewinnsucht wiederholt harten Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt zu haben. Günstige Preise seien dabei sein Erfolgsmodell gewesen. Zudem hielt er ihm vor, er habe nach dem Todesfall versucht, die Tat durch Absprachen mit anderen Zeugen zu vertuschen.

Das Wetttrinken war nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Körperverletzung, weil der Angeklagte die möglichen Gesundheitsschäden und auch die potenzielle Lebensgefahr gekannt und den Ablauf kontrolliert habe. Der Angeklagte sei zehn Jahre älter gewesen und habe auch deshalb die Gefahr der Trinkwette besser einschätzen können als Lukas W.. Dass der Schüler dem Wettsaufen zugestimmt habe, sei hingegen unerheblich, denn dieser sei getäuscht worden und zudem betrunken gewesen, sagte Albers. Der Verteidiger Johannes Eisenberg gab hingegen zu bedenken, dass Lukas die Wette nüchtern verabredet hatte, trinkerfahren war und um die möglichen Folgen für seine Gesundheit wusste. Den tödlichen Ausgang habe aber keiner der Beteiligten einkalkuliert. Keiner habe gewusst, dass schnelles Trinken großer Mengen Schnaps zu Lähmungen und Herzstillstand führen könne, sagte er. Und dass Aytac G. seine Tat anschließend vertuschen wollte, sei völlig normal. Eisenberg wies zudem Vorwürfe zurück, der Wirt habe sich in seinem Geständnis bei den Angehörigen nicht ausreichend entschuldigt.

Die Vertreterin der Nebenklage und Anwältin der Mutter des Todesopfers, Adelaide Stronk, warf dem Angeklagten vor, den völlig betrunkenen Jugendlichen in der Gaststätte zurückgelassen zu haben, ohne sich um ihn zu kümmern. Zudem habe er in der Öffentlichkeit den falschen Eindruck erweckt, Lukas W. sei alkoholabhängig und quasi verwahrlost gewesen. "Lukas' Mutter hat seinen Tod bis heute nicht verarbeitet, und es ist fraglich, ob ihr das jemals gelingt," sagte die Anwältin. Es sei ihr dringender Wunsch, dass die Tat in der Gesellschaft und auch bei den staatlichen Behörden Problembewusstsein wecke. "Die Chance sollte man nutzen. Dann war Lukas' Tod nicht völlig sinnlos", sagte sie.

DPA/AP / AP / DPA