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Kommentare zum Brunner-Prozess "Das Landgericht hat wahrlich Recht gesprochen"


Die Münchner Richter haben ein deutliches Urteil im Brunner-Prozess gesprochen: Trotz Jugendstrafe lange Gefängnisaufenthalte für die Markus S. und Sebastian L. - eine Verurteilung wegen Mordes.

Die deutsche Presse ist sich einig wie selten: Das deutliche Urteil im Brunner-Prozess stößt auf fast einhellige Zustimmung. Manchen gehen die langen Haftstrafen für Brunner allerdings nicht weit genug, andere warnen indes davor, ein juristisches Urteil auch als politisches Signal zu werten.

Schwarzwälder Bote

Der "Schwarzwälder Bote" aus Oberndorf geht voll und ganz mit dem Urteilsspruch der Münchner Richter d'accord:

"Das Münchener Urteil zeigt, dass Menschen, die andere aus einer Laune heraus zu Tode prügeln, hart bestraft werden. Und dass Mutige, die Zivilcourage beweisen, das Recht tatsächlich auf ihrer Seite haben. Brunner mag als Erster zugeschlagen haben, für die Richter spielte das keine Rolle. Wenn ein friedlicher Mensch sich nur noch mit Gewalt zu helfen weiß, zeigt das das Ausmaß der Gefahr. Und die Abscheulichkeit der Tat. Wer auf einen Mann am Boden brutal einschlägt, ist ein Mörder. Das Landgericht hat wahrlich Recht gesprochen."

Rhein-Neckar-Zeitung

Die "Rhein-Neckar-Zeitung" aus Heidelberg bewertet das Urteil ebenfalls als der Tat angemessen:

"Ein hartes Urteil, ein notwendiges Urteil. Richter Baier hat die Mordanklage gegen den Haupttäter im Fall Brunner nicht umbiegen lassen in einen absurden Tatbeteiligungsvorwurf gegen das Opfer, das seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlte. Grausamkeiten gegen die Unversehrtheit anderer sind Teil der Jugendkriminalität. Dagegen setzt dieses Urteil Zeichen. Denn inzwischen ist ein Stück des gesellschaftlichen Konsenses zerbrochen: Zwar hat der Schutz des Lebens absoluten Rang. Das ist bei vielen Jugendlichen auf dem Weg über Erziehung und Schule jedoch nicht angekommen."

Märkische Allgemeine

Noch deutlicher formuliert es die "Märkische Allgemeine" aus Potsdam:

"Der hanebüchene Hinweis der Verteidigung, der Herzfehler des Opfers sei strafmildernd auszulegen, gleicht einer Verhöhnung Brunners. So als habe, wie die Staatsanwältin sagte, der Schläger Anspruch auf ein gesundes Opfer, das die Schläge und Tritte vielleicht etwas besser verkraftet. Das Urteil ist vor allem wichtig, weil es zeigt, dass es keine Nachsicht geben darf gegenüber Gewalttätern, zumal in diesem Fall, in dem ein Mann für seine Zivilcourage den denkbar höchsten Preis zahlte."

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" war das Urteil nicht hart genug:

"War das alles? Weniger als zehn Jahre Haft für die beiden jungen Männer, die Dominik Brunner gewaltsam ums Leben brachten. Die Täter werden bald wieder unter uns sein. Als bessere Menschen? Die Strafe ist nur eine späte Reaktion. Der sofortige Ruf nach schärferen Sanktionen ist ein beliebtes Mittel, um sich mit Ursachen und Folgen einer Tat gar nicht auseinanderzusetzen. Ähnlich ist es mit dem Lob der Zivilcourage. Der umgebrachte Helfer wird als Vorbild gepriesen. Auf ziemlich missverständliche Weise heißt es, Brunner habe alles richtig gemacht. Das Urteil sei, so der bayerische Innenminister, ein "klares Signal, dass wir brutale Gewalt nicht dulden oder uns gar damit abfinden". Wirklich?"

Westdeutsche Zeitung

Die "Westdeutsche Zeitung" aus Düsseldorf sieht mit dem Urteil eine Trndwende in der Rechtsprechung bei Gewalttaten durch Jugendliche:

"Man könnte das Urteil als "hart, aber gerecht" bezeichnen - und zur Tagesordnung übergehen. Doch dies würde dem Münchner Richterspruch nicht gerecht. Denn das Landgericht hat mit dem Urteil mutmaßlich eine Trendwende in der bisherigen Rechtsprechung bei Gewalttaten Jugendlicher eingeleitet. Kernpunkt: Tritte gegen Kopf und Bauch eines am Boden liegenden Opfers beinhalten eine bedingte Tötungsabsicht. Vor diesem Hintergrund ist das Münchener Urteil ein klares Signal, dass die Justiz konsequent und mit aller gebotenen Härte gegen jugendliche Gewalttäter vorgeht."

Ostsee-Zeitung

Die "Ostsee-Zeitung" warnt hingegen davor, ein juristisches Urteil als Signal an die Gesellschaft zu verstehen:

"Wer das harte Urteil als Signal versteht, liegt falsch. Die Aufgabe des Gerichts war, zu klären, was geschah, es zu bewerten und ein Urteil zu fällen. Nicht weniger, nicht mehr. Es hat Markus S. aus nachvollziehbaren Gründen wegen Mordes verurteilt. Es hat auch den Mittäter Sebastian L. nicht geschont. Die beiden wussten, was sie taten. Wir aber brauchen kein Signal vom Gericht. Für Lehren, die wir aus dem Fall ziehen könnten, war die Verhandlung wichtiger als das Urteil: Hinter dem Denkmal der Zivilcourage kam der Mensch Dominik Brunner zum Vorschein - und Menschen sind bessere Vorbilder als Denkmäler."

jwi/DPA/AFP DPA

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