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Konsequenzen im Erzbistum München: Pädophiler Pfarrer wird supendiert - Prälat tritt zurück

Vor dem Hintergrund immer neuer Missbrauchsvorwürfe gegen Pfarrer kommt Bewegung in den Streit über die Aufarbeitung. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch treffen sich am 15. April in Berlin, wie der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, dem DAPD sagte.

Vor dem Hintergrund immer neuer Missbrauchsvorwürfe gegen Pfarrer kommt Bewegung in den Streit über die Aufarbeitung. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch treffen sich am 15. April in Berlin, wie der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, dem DAPD sagte.

Im Erzbistum München gab es derweil erste personelle Konsequenzen. Ein als pädophil bekannter Priester, wegen dessen Fall auch Papst Benedikt XVI. in die Kritik geraten war, wurde suspendiert, der Leiter des Seelsorgereferats trat zurück. Der Missbrauchsskandal um einen inzwischen pensionierten und geständigen evangelischen Pfarrer aus dem Taunus weitete sich unterdessen aus. Zwei weitere mutmaßliche Opfer meldeten sich, wie der Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Stephan Krebs, dem DAPD sagte. Zugleich wurde bekannt, dass die ersten Vorwürfe bereits vor vier Jahren gemacht, damals aber nicht ernstgenommen worden waren.

Bei dem Treffen von Zollitsch und Leutheusser-Schnarrenberger soll es laut Justizministerium auch darum gehen, in welcher Form die bisherige Praxis der Kirche aufgearbeitet und künftigen Missbrauchsfällen möglichst vorgebeugt werden solle. Zwischen dem Erzbischof Zollitsch und der FDP-Politikerin gab es Verstimmungen, nachdem die Ministerin der Kirche mangelnde Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlungsbehörden vorgeworfen hatte.

Nach Angaben des Erzbistums München übernimmt der zurückgetretene Leiter des Seelsorgereferats, Prälat Josef Obermaier, "die Verantwortung für gravierende Fehler in der Wahrnehmung seiner Dienstaufsicht". Die Suspendierung des Priesters H. begründete das Ordinariat damit, dass er sich nicht an die ihm von der Kirche gemachte Auflage gehalten habe, nicht in der Kinder- und Jugendarbeit tätig zu werden. Das Ordinariat betonte zudem, dass es seit der Verurteilung des Mannes keine Hinweise auf neuerliche Missbrauchsfälle gebe. H. war 1986 wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden, wurde aber danach aber wieder in Gemeinden eingesetzt.

1980 hatte der heutige Papst Benedikt, damals als Joseph Ratzinger noch Erzbischof von München und Freising, dem Umzug des bereits als pädophil aufgefallenen Priesters von Essen nach München und dessen Unterbringung in einem Pfarrhaus zugestimmt. Der Mann sollte zur Therapie nach München kommen, wurde aber wieder in der Seelsorge eingesetzt. Davon soll Ratzinger laut Ordinariat aber nichts gewusst haben.

Kanzlerin Angela Merkel lobte am Montag ausdrücklich die Rückendeckung des Papstes für die Bemühungen der Kirche um Aufklärung der Fälle. Die Bundeskanzlerin sehe es als "gutes Zeichen, dass die Bemühungen der Kirche um Aufklärung ausdrücklich die Rückendeckung des Vatikans haben", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans. Merkel gehe es aber nicht nur um den Bereich der katholischen Kirche, sondern um "eine gesamtgesellschaftliche Debatte". Um sie produktiv zu führen, sei es wichtig, "dass die Initiativen gut und kollegial vorangehen".

Papst Benedikt XVI. wird sich nach Aussage eines Vertrauten bald "klar und entschieden" zu Missbrauchsfällen äußern. Dabei gehe es um die Vorfälle in Irland, wie Erzbischof Rino Fisichella italienischen Medienberichten zufolge sagte. Bereits in Kürze werde dazu ein Brief des Kirchenoberhaupts veröffentlicht. Die "Null-Toleranz-Politik", die der Papst einführen wolle, sei eine moralische Verpflichtung. Ob sich das Kirchenoberhaupt wie mehrfach gefordert auch zu den Missbrauchsfällen in seinem Heimatland Deutschland äußern wird, sagte Fisichella nicht.

APN / APN