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Koran-Äußerung: Familienrichterin mit Kritik überschüttet

Darf eine Ehe zweier Moslems in Deutschland nicht geschieden werden, weil eine Richterin rmeint, der Koran rechtfertige eheliche Gewalt? Offenbar geht das nicht. Die Richterin ist nun abgesetzt worden. Es hagelte Kritik - aus der Politik, aber vor allem auch von Moslems.

Einige Entrüstung allenthalben. Der Verweis einer Frankfurter Familienrichterin auf ein angebliches Gewaltrecht im Koran ist bundesweit auf Kritik gestoßen. "Solche Richter lassen jeden normalen Menschen verzweifeln", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der "Bild"-Zeitung. Urteile ergingen im Namen des Volkes, nicht im Namen des Korans. "Wenn der Koran über das deutsche Grundgesetz gestellt wird, dann kann ich nur sagen: Gute Nacht, Deutschland", sagte Pofalla.

Die Richterin hatte in einem Scheidungsverfahren auf ein angebliches Gewaltrecht im Koran verwiesen und damit eheliche Gewalt gebilligt. Daraufhin wurde sie wegen Befangenheit von dem Fall abgezogen. Damit hatte der Antrag einer deutsch-marokkanischen Frau aus Frankfurt am Main Erfolg, die sich noch vor Ablauf des Trennungsjahres von ihrem Mann scheiden lassen will. Nach der Darstellung der Frau misshandelte sie der Gatte.

Ströbele sieht Härtefall gegeben

Kritik kam auch von den Grünen. "Die schwere Misshandlung und Bedrohung eines anderen Menschen ist hier zu Recht als Körperverletzung unter Strafe gestellt", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Ströbele der "Neuen Presse" aus Hannover. In derartigen Fällen muss nach seinen Worten die Härtefallregelung angewendet werden. Dies bestritt die Richterin in einem Schreiben. Mann und Frau stammten beide aus dem marokkanischen Kulturkreis, für den es nicht unüblich sei, dass der Mann gegenüber der Frau ein Gewaltrecht habe, argumentierte sie.

Kritik auch vom Zentralrat der Muslime

Der Zentralrat der Muslime mahnte, die Juristin hätte nach der deutschen Verfassung urteilen müssen statt den Koran auszulegen. "Gewalt und Misshandlung von Menschen - egal ob gegen Frau oder Mann - sind auch im Islam Gründe, die eine Scheidung rechtfertigen würden", zitierte die "Neue Presse" eine Sprecherin des Gremiums. Die Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates warf der Richterin sogar Menschenverachtung vor. "Sie gibt damit zum Ausdruck, dass in bestimmten Kulturen der Welt Gewalt erlaubt ist und dass dies die Mehrheitsgesellschaft zu akzeptieren hat", sagte sie der "Berliner Zeitung". Die Position der Richterin sei weder mit Liberalität zu rechtfertigen noch mit dem deutschen Recht erklärbar.

AP / AP