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Krebspatienten abgezockt?: Star-Chirurg auf der Anklagebank

Krebs-OP nur gegen üppige "Geld-Spende": Seit Montag steht Prof. Dr. Christoph Broelsch, Ex-Chefarzt der Essener Uni-Klinik, in einem der größten Medizin-Skandale der vergangenen Jahre vor Gericht. Gleich zu Prozessauftakt ging der 65-jährige Star-Chirurg zum Angriff über.

Jahrelang galt er als Aushängeschild für den Medizinstandort Deutschland: Prof. Dr. Christoph Broelsch erfreute sich weltweit höchsten Ansehens. Er behandelte als Chefarzt am Essener Universitätsklinikum den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ebenso wie mehr als 5000 weitere Patienten. Seit 2007 jedoch fühlt sich der renommierte Transplantationschirurg als Betrüger abgestempelt, diskreditiert und in seiner Ehre verletzt. Zum Auftakt des Prozesses gegen ihn wegen Betruges, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zeigte sich der 65-Jährige am Montag vor dem Essener Landgericht aber keineswegs resigniert, sondern trotzig und selbstbewusst.

Kaum hatten die Vertreter der Staatsanwaltschaft in mehr als 90 Minuten die beiden Anklageschriften verlesen, holte Broelsch zum Gegenschlag aus: "Die Vorwürfe bewegen sich auf dem Niveau von Karl-May-Geschichten: Sie sind gut erzählt, aber nicht wahr." Die Anklage sei diskreditierend und rufschädigend.

Nein, er habe niemals todkranke Kassenpatienten dazu gedrängt, der Klinik insgesamt rund 200.000 Euro zu spenden, um frühzeitiger und vor allem durch den Chefarzt selbst behandelt zu werden, sagte Broelsch. Nein, er habe nicht bewusst falsche Steuererklärungen abgegeben und so 300.000 Euro Steuern hinterzogen. Und wieder nein, er habe auch keine privaten Krankenversicherungen um 108.000 Euro geprellt, indem er bei 22 Patienten seine persönlichen - hohen - Honorarsätze abrechnete, die entsprechenden Operationen aber gar nicht selbst durchgeführt hatte.

Lauter Beifall im Gerichtssaal

Als der Angeklagte seine Ausführungen beendet hatte, ließen sich einige Zuschauer im großen Gerichtssaal 101 des Essener Landgerichts sogar zu lautem Beifall hinreißen. Richter Wolfgang Schmidt, Vorsitzender der XXI. Strafkammer, unterband dies jedoch sofort. "Das ist ein Gericht und kein Theater", sagte er. Der Hintergrund: Die Zuschauerbänke waren mit mehreren ehemaligen Patienten des renommierten Chirurgen besetzt. Einige äußerten ihr Unverständnis über die Anklagevorwürfe. So beteuerte einer von ihnen: "Ich habe den Professor als guten Menschen kennengelernt. Einmal hat er sogar seinen Urlaub unterbrochen, um selbst operieren zu können."

Andere Prozess-Zuschauer bezeichneten den 65-Jährigen dagegen als "Betrüger". Eine Frau behauptete, der Chirurg habe ihrer Versicherung 5000 Euro für eine Operation abgenommen, die er selbst nicht durchgeführt habe. "Ich hoffe auf eine Verurteilung", sagte die 60-Jährige. Das Gericht hat zunächst 22 Verhandlungstage für den Prozess angesetzt, 82 Zeugen sind geladen, darunter zahlreiche Patienten wie auch Mitarbeiter des Klinikpersonals. Nach den derzeitigen Planungen soll das Urteil unmittelbar vor Weihnachten, am 23. Dezember, gesprochen werden. Broelsch muss bei einer Verurteilung im Höchstfall mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

DPA/AP / AP / DPA