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Krimi um Bahlsen-Wahrzeichen: Echtes Krümelmonster dementiert Keks-Klau

Selbst US-Medien berichten inzwischen über diesen skurrilen Keks-Krimi: Das Bahlsen-Wahrzeichen wurde geklaut, die Firma erpresst. Angeblich vom Krümelmonster. Doch das war wohl eine falsche Fährte.

Ein verschwunderer Keks aus Bronze mit Goldüberzug wäre mit Sicherheit keine Weltsensation. Aber seit ein Erpresserschreiben aufgetaucht ist, in dem das - oder besser - ein Krümelmonster behauptet, das vergoldete Wahrzeichen der Firma Bahlsen gestohlen zu haben, macht die Nachricht die Runde rund um den Erdball. Selbst bei der Polizei in Hannover gibt es Nachfragen aus dem Ausland, was da genau laufe. Die altehrwürdige Nachrichtenagentur Associated Press (AP) meldete: "Deutschlands ein Jahrhundert alter Keks wird offenbar vom Krümelmonster gegen Lösegeld festgehalten." Die "Huffingpost" vermutet, dass der Dieb des 20 Kilogramm schweren Teils aus Deutschland kommt. "Krümelmonsters Erpresserbrief: Deutscher Dieb, der riesigen goldenen Bahlsen-Keks klaute, stellt Forderungen." Während "The Examiner" rätselt "Ist das Krümelmonster in Deutschland?", fragt "NBC Worldnews": "Ist das Krümelmonster böse geworden?"

Inzwischen meldete sich das originale "Cookie Monster" - so heißt die Stoffpuppe in Amerika, dem Ursprungsland der "Sesamstraße" - zu Wort. Über den offiziellen Twitter-Kanal der Sendung schickte das Krümelmonster an die mehr als 777.000 Follower eine Botschaft, die hochoffiziell bestätigt, was die Polizei hierzulande längst ahnte: "Ich habe den goldenen Keks nicht gestohlen. Aber ich werde helfen, den echten Keks-Dieb zu finden!" Das echte Krümelmonster findet den Erpressungsversuch seines Doppelgängers auch ganz und gar nicht lustig. Der NDR zitierte es mit den Worten: "Das geht mir mächtig auf den Keks." Die Originalfigur aus den USA ist momentan in Hamburg zu Gast, weil Dreharbeiten für eine deutsche Folge der "Sesamstraße" mit Udo Jürgens als Gast anstehen.

Polizei ermittelt wegen versuchter Erpressung

Der wahre Dieb des goldenen Kekses ging bislang nicht auf das Angebot der Firma Bahlsen ein, 52.000 Packungen Leibniz-Kekse an 52 soziale Einrichtungen zu spenden, sollte das von der Fassade des Stammhauses gestohlene Wahrzeichen wieder auftauchen. Die für den Fall zuständige Polizei in Hannover gab bekannt, dass sich der Erpresser nicht gemeldet habe. "Es gibt nichts Neues", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Ob der Verfasser des Krümelmonster-Erpresserbriefes tatsächlich der Dieb ist, sei Bestandteil der Untersuchungen. In jedem Falle ermittle die Polizei wegen versuchter Erpressung.

Der Chef der Firma, Werner M. Bahlsen, hatte an den Kriminellen appelliert, seine Beute wieder herauszugeben. "Dieser Keks ist für unser Haus ein Symbol", sagte der Unternehmer. Ein Jahrhundert lang hing das Goldstück in fünf Meter Höhe am Stammhaus, es ist Teil der Fassadenverzierung des Jugendstil-Bildhauers Georg Herting. Am Dienstag war ein Schreiben bei der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" eingegangen mit der Forderung, ein Kinderkrankenhaus mit Keksen zu versorgen, um das Firmenwahrzeichen zurückzubekommen. Beigefügt war das Foto von einer Person im Krümelmonster-Kostüm, die einen vergoldeten Keks hält. Nach Meinung des Firmenchefs könnte es sich tatsächlich um das Original handeln. Spezialisten der Polizei prüfen, ob es sich um eine Fotomontage handelt. "Das wird einige Tage dauern", sagte ein Sprecher.

"Wir lassen uns nicht erpressen", betonte Bahlsen. "Es ist eine Straftat. Wir wollen, dass die Sache aufgeklärt wird." Allerdings werde das Unternehmen die soziale Keks-Aktion starten, wenn das Kunstwerk zurückgegeben werde. Eine Sprecherin von Bahlsen ergänzte, der Kekshersteller stelle generell Waren aus seiner Produktion für Kinder in der Region kostenlos zur Verfügung. In dem aus Zeitungsschlagzeilen zusammengeschnipselten Drohbrief verlangt das Krümelmonster, das auch ein wenig nach Frosch Kermit aussieht, allen Kindern im hannoverschen Kinderkrankenhaus Kekse zu schenken ("Aber die mit Vollmilch"). Die 1000 Euro Belohnung, die Bahlsen für die Klärung des Falles ausgesetzt hat, sollen an ein Tierheim gespendet werden.

tso