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Kriminalität in Deutschland: Raffinierte Ladendiebe beunruhigen Einzelhandel

Sie tricksen die Sicherungssysteme aus, lassen besonders teure Waren aus den Läden verschwinden und sind schwer zu fassen. Profi-Ladendiebe richten im Einzelhandel immer mehr Schäden an.

Die mit Aluminiumfolie ausgekleidete und mit doppeltem Boden präparierte Einkaufstasche ist ein starkes Indiz: Dieser Ladendieb ist nicht zum ersten Mal am Werk und auch keiner spontanen Verlockung erlegen. Während der Gelegenheitsdieb von immer raffinierteren Sicherungssystemen offenbar erfolgreich abgeschreckt wird, leidet der Einzelhandel zunehmend unter professionellen Ladendieben. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichen Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI hervor.

Die Forscher lassen dabei an der vor wenigen Tagen vorgestellten offiziellen Kriminalstatistik für 2012 der Polizei kein gutes Haar: Diese "zeichnet mit einem Rückgang der angezeigten Ladendiebstähle von über sechs Prozent ein falsches Bild", kritisiert EHI-Forscher Frank Horst. "Der Schein geringer Kriminalität trügt, Entwarnung ist nicht angebracht."

Denn was die Kriminalstatistik ausweist, sind die weniger als zwei Prozent der Fälle, in denen der Ladendieb erwischt und angezeigt wird. Die erfolgreichen Diebstähle - immerhin laut Studie 98 Prozent - tauchen meist erst als Differenz bei der Inventur auf und in aller Regel nicht in der Kriminalstatistik. Ein Rückgang der Polizeizahlen kann daher auch bedeuten: Die Diebe sind besser geworden und lassen sich seltener erwischen.

Schwere Ladendiebstähle haben sich verdoppelt

Und genau davon gehen die Forscher aus: Während die angezeigten einfachen Ladendiebstähle kontinuierlich zurückgehen, haben sich die angezeigten schweren Ladendiebstähle in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

"Da wird das Personal von Komplizen abgelenkt und dann eine ganze Reihe von Flakons aus den Regalen abgeräumt", berichtet Horst. Oder die Mitarbeiter werden in eine entlegene Ecke gelockt und sind machtlos, wenn am Ausgang der Alarm anschlägt.

30 Millionen Diebstähle blieben demzufolge 2012 unentdeckt und ohne Strafanzeige. Der durchschnittliche Wert der Beute liege bei 70 Euro. Statistisch betrachtet, landen in jedem deutschen Haushalt jährlich gestohlene Waren im Wert von rund 50 Euro.

Hohe Ausgaben für Sicherheit

Für die Händler summieren sich die Inventurverluste auf 3,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr - nach 3,7 Milliarden im Vorjahr. Diebstähle durch unehrliche Kunden werden dabei mit 1,9 Milliarden Euro veranschlagt. Den schwarzen Schafen unter den eigenen Mitarbeitern wird ein Schaden von immerhin 800 Millionen Euro angelastet. Der Rest entfällt auf Lieferanten, Servicekräfte und organisatorische Fehler.

Aber der Schaden für den Handel ist noch höher, denn er sieht sich gezwungen, jährlich rund 1,2 Milliarden Euro für die Sicherheit aufzuwenden: Vom Ladendetektiv und Überwachungskameras bis zum Sicherheitsetikett. Die Gesamtkosten lägen demnach bei jährlich fünf Milliarden Euro, die der Einzelhandel in seine Verkaufspreise einkalkulieren muss: Mit über einem Prozent Preisaufschlag auf alle Waren.

Klein, teuer und gut weiterzuverkaufen

Auch dem Einzelhandelsverband HDE bereiten die organisierten und spezialisierten Profi-Diebesbanden große Sorgen. In Sachen Sicherheitstechnik sieht man sich einem Wettrüsten mit den Banden ausgesetzt, hatte der Verband erklärt.

Die Hitliste besonders häufig geklauter Artikel vereint seit Jahren drei Attribute: Klein, teuer und gut weiterzuverkaufen. Auch dieses Beuteschema spricht gegen den Gelegenheitsdieb, der für den Eigenbedarf stiehlt.

So stehen Parfüm, Kosmetik, Rasierklingen, Spirituosen und Tabakwaren bei den Dieben hoch im Kurs. In den Modeabteilungen und -geschäften werden vor allem hochwertige Marken und Accessoires gestohlen. Im Elektronikhandel "verschwinden" besonders häufig Speichermedien, Konsolenspiele, Smartphones und LED-Lampen.

juho/Frank Christiansen/DPA / DPA
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