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Krise im Vatikan: Papst wirft Medien Übertreibung vor

Erstmals meldet sich der Papst selbst im seit Wochen schwelenden "Vatileaks"-Skandal zu Wort: Die Medien zeichneten ein falsches Bild vom Heiligen Stuhl, sagte Benedikt. Die Ereignisse machten ihn traurig.

Im Enthüllungsskandal des Vatikans hat sich Papst Benedikt XVI. am Mittwoch erstmals selbst geäußert und Medienberichte über die Affäre um seinen Kammerdiener zurückgewiesen. Sie zeichneten "ein Bild vom Heiligen Stuhl, das nicht der Wirklichkeit entspricht", sagte Benedikt vor Tausenden Pilgern bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Die jüngsten Ereignisse hätten ihn sehr traurig gemacht.

Es gebe immer mehr Gerüchte, die von einigen Medien verbreitet würden, die völlig grundlos seien und die weit über die Tatsachen hinausgingen, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. "Unser Leben und unser christlicher Weg sind häufig gekennzeichnet durch Schwierigkeiten, Unverständnis und Leid." Alle Menschen müssten sich Konflikten in den zwischenmenschlichen Beziehungen stellen, oft auch innerhalb der eigenen Familie.

Kammerdiener unter Verdacht

Der Kammerdiener des Papstes war festgenommen und angeklagt worden, weil er unerlaubt im Besitz vertraulicher Vatikan-Dokumente gewesen sein soll. Der 46-Jährige wird beschuldigt, seit Jahresbeginn brisante Dokumente, in denen es unter anderem um Vorwürfe der Korruption und des Missmanagements ging, an Medien weitergegeben zu haben. In Anlehnung an das Enthüllungsportal Wikileaks ist von "Vatileaks" die Rede.

Benedikts Kammerdiener arbeitete in der Wohnung des Papstes im Apostolischen Palast. In dieser Vertrauensstellung hatte er Zugang zu den streng abgeriegelten Privatgemächern des Kirchenoberhauptes und kannte die Vorgänge dort bestens. Der Kammerdiener bediente den Papst bei Tisch und begleitete ihn im Papamobil.

Kammerdiener nur ein Sündenbock?

Zuletzt hatten italienische Medien berichtet, der Kammerdiener müsse als Sündenbock herhalten, um ranghöhere Vertreter des Vatikans wie Kardinäle zu schützen. Ein Vatikansprecher hatte aber dementiert, dass auch gegen einen Kardinal ermittelt werde.

fw/Reuters / Reuters