HOME

Kritik nach filmreifem Bankraub: Dümmer als die Polizei erlaubt

Mit einem genialen Coup haben Bankräuber Schwedens Polizei bis auf die Knochen blamiert. In den Medien des Landes wird das Verhalten der Beamten als "peinlich" kritisiert, sie seien ausgetrickst worden "wie im Kinder-Krimi".

Nach dem spektakulären Raubüberfall per Hubschrauber steht Schwedens Polizei massiv in der Kritik, weil sie mit simplen Tricks schachmatt gesetzt wurde. Schwedens größte Zeitung "Aftonbladet" schrieb: "Es ist einfach nur peinlich, wenn Kriminelle die Polizei mit einem Trick wie aus Kinder-Krimis austricksen können." Man sei mit eigenen Hubschraubern viel zu spät zur Stelle gewesen, räumte am Donnerstag ein Sprecher der Polizei in Stockholm ein. Die Zeitung "Svenska Dagbladet" stellte die grundsätzliche Fähigkeit der Polizei in Frage, Gesellschaft und Bürger zu schützen.

Die Räuber hatten sich am Mittwoch vor Morgengrauen von einem Hubschrauber auf das Dach eines Gelddepots in Stockholm abgeseilt. Sie brachen durch Fenster in das Gebäude ein und konnten mit Säcken voller Geld davonfliegen.

Polizei tappt im Dunkeln

Den einzigen Helikopter der Stockholmer Polizei zur Verfolgung legten die Diebe lahm, indem sie vor dem für jedermann frei zugänglichen Startplatz eine Attrappe mit der Aufschrift "Bombe" platzierten. Auch konnte die Polizei zunächst nicht mit Fahrzeugen zu dem Geldlager vordringen, weil in der Umgebung spitze Gegenstände verstreut worden waren.

Dennoch: "Svenska Dagbladet" monierte, dass die ersten Polizisten eine halbe Stunde nach Auslösung des Alarms am Tatort eintrafen. Dabei betrage der Fußweg von der Geldzentrale zur nächsten Polizeistation gerade mal fünf Minuten. Darüber hinaus räumte ein Polizeisprecher ein, dass die zuerst am Tatort eingetroffenen Polizisten nicht für einen Einsatz gegen schwer bewaffnete Kriminelle ausgestattet gewesen seien. "Als die geeigneten Kräfte eintrafen, startete der Hubschrauber wieder."

Offiziell haben die Beamten noch keinerlei Hinweise auf die Täter. Zwei zunächst festgenommene Personen würden nach ihrer Vernehmung nicht länger verdächtigt, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler gehen davon aus, dass mindestens zehn Verbrecher an der Tat beteiligt waren. Die Behörden versetzten alle Polizisten in erhöhte Bereitschaft und verschärften die Grenzkontrollen.

Raubüberfälle in Serie

In den Medien des Landes wird spekuliert, dass im Balkan-Krieg aktive Ex-Militärs den Coup durchgeführt haben könnten. Verletzt wurde bei dem kühnen Raub niemand, obwohl sich in dem Gelddepot Sicherheitsleute aufhielten. Die Höhe der Beute wird von den Behörden weiterhin nicht bekannt gegeben.

Die filmreife Aktion ist die jüngste in einer ganzen Serie spektakulärer Raubüberfälle in Schweden. Im vergangenen Jahr brachen Räuber in ein Postverteilzentrum in Göteborg ein. Sie legten die Stadt teilweise lahm, indem sie in mehreren Gegenden Autos anzündeten und mit Sprengfallen drohten. 2006 drangen Maskierte in den Göteborger Flughafen ein und raubten Fremdwährung im Wert von 740.000 Euro.

AP/DPA / AP / DPA
Themen in diesem Artikel