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Kündigung unwirksam: Bäcker gewinnt "Brötchen-Prozess"

Benjamin Lassak hat es auch in zweiter Instanz bestätigt bekommen: Seine fristlose Kündigung wegen angeblichen Diebstahls eines Brotaufstrichs war unverhältnismäßig. Sein Arbeitgeber muss ihn weiterbeschäftigen.

Das Brötchen hatte der Bäcker gekauft, den Aufstrich im Wert von vermutlich unter 10 Cent aber angeblich gestohlen: Die fristlose Kündigung des Mannes im westfälischen Bergkamen wegen dieses Vorfalls ist am Freitag auch in zweiter Instanz aufgehoben worden. Selbst wenn der 26-Jährige sein Brötchen nur aus Hunger mit dem Belag bestrichen hätte, wäre eine fristlose Kündigung unverhältnismäßig, entschied das Landesarbeitsgericht Hamm. Bei dem Belag habe es sich um eine "äußerst geringwertige Sache" gehandelt. Ob es tatsächlich einen Diebstahl gab, konnte auch die zweite Instanz nicht aufklären.

Der Bäcker hatte vor genau einem Jahr am 18. September an seinem Arbeitsplatz ein gekauftes Brötchen mit einem sogenannten Hirtenfladen-Belag gegessen - um ihn "abzuschmecken", wie er sagt. Sein Arbeitgeber, eine Bäckerei-Kette mit knapp 350 Beschäftigten, warf ihm daraufhin Diebstahl vor und entließ ihn fristlos. Zu Unrecht, befand nun auch die zweite Instanz. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

"Ich arbeite da gerne"

Der Vorsitzende Richter Franz Müller sagte, bei der Kündigung sei es zunächst um den Diebstahl des Brötchens gegangen - ehe sich herausstellte, dass dieses ordnungsgemäß bezahlt worden war. Erst danach sei der Aufstrich angeführt worden. Selbst beobachtet habe aber niemand, wie der 26-Jährige das Brötchen damit bestrich und es verzehrte. "Wenn man sich anguckt, was in der Substanz übrig bleibt, ist das sehr wenig", sagte Müller.

Bereits im März war die Bäckerei-Kette aus formalen Gründen vor dem Arbeitsgericht Dortmund unterlegen und musste den Bäcker und Betriebsrat weiterbeschäftigen. Der Prozess um den Mini-Diebstahl am Arbeitsplatz hatte seinerzeit bundesweit Aufsehen erregt.

Der 26-jährige Benjamin Lassak arbeitete nach dem ersten Urteil weiter im Betrieb. "Ich arbeite da gerne", sagte er in der Verhandlung. Der Arbeitgeber-Anwalt hatte zuvor erklärt, dass das Vertrauensverhältnis zerstört sei und man eine Trennung wünsche. Nach dem jüngsten Urteil äußerte sich Lassak erleichtert und bekräftigte sein Vorhaben, weiter bei der Bäckerei-Kette zu arbeiten.

DPA/AP / AP / DPA
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