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Kunstraub in Rotterdam: Millionen-Gemälde ohne Schutz

Sieben Meisterwerke wurden in Rotterdam gestohlen. Trotz des Millionenwerts wurden sie nicht bewacht. Als die Polizei das Museum erreichte, waren Diebe und Kunstwerke bereits verschwunden.

Von Gernot Kramper

Ein spektakulärer Kunstraub schockt die Niederlande. Sieben Meisterwerke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Claude Monet, Paul Gauguin, Meyer de Haan und Lucian Freud wurden in der Nacht aus der "Kunsthal Rotterdam" gestohlen. Der Wert der Gemälde wird auf etwa zehn Millionen Euro taxiert.

Der Einbruch sei gut vorbereitet gewesen und habe sich zwischen 3 und 4 Uhr in der Nacht ereignet, sagte ein Polizeisprecher in Rotterdam. Auch wenn die Ermittler keine Details bekanntgaben, scheint schon jetzt klar: Die Diebe brauchten keinen ausgeklügelten Plan à la Hollywood, um den Coup durchzuziehen. Sie machten sich offenbar nicht einmal die Mühe, die Sicherheitstechnik zu überlisten. Die Polizei erhielt in der Nacht durchaus eine Alarmmeldung aus der Kunsthalle. Doch als die Beamten am Tatort eintrafen, war die Bande samt Diebesgut bereits über alle Berge. Eine Nachtwache vor Ort? Fehlanzeige.

Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen

Kunst-Sicherheitsexperte Ton Cremers kritisiert deshalb auch in holländischen Medien, dass es den Dieben sehr einfach gemacht worden sei, an die Gemälde zu kommen. "Für eine so wertvolle Ausstellung, hätte die 'Kunsthal' eine andere Präsentation wählen sollen", sagte der ehemalige Leiter des Sicherheitsdienstes im weltberühmten Rijksmuseum. Architekten liebten Ausstellungsräume mit einer offenen Struktur, so Cremers, aber als Wachmann müsse er das ablehnen. Die Bilder hingen dann so, dass nur die Fenster zwischen den Bildern und der Außenwelt stehen. Für die Sicherheit wäre eine Präsentation geschützt im Kern des Gebäudes wünschenswert. Dann müssten die Diebe mehrere Wände und Türen überwinden.

Kunst-Kidnapping

Unklar ist, was die Diebe mit den wertvollen Gemälden vorhaben. Die bekannten Werke sind unverkäuflich. Jop Ubbens, Geschäftsführer von Christie-Auktion in London, sagte, es wäre sehr dumm zu glauben, man könne die Gemälde auf dem Markt verkaufen: "Mit so etwas will niemand in Berührung kommen.'' Er glaubt an eine Lösegelderpressung. "Am Wahrscheinlichsten ist es, dass Geld gefordert wird. Etwa dass eine Million Euro für die Rückgabe eines Matisses verlangt wird.''

Die "Kunsthal" ist ein von dem Architekten Rem Koolhaas entworfenes Museum ohne eigene Sammlung. Pro Jahr bietet sie rund 25 Ausstellungen an. Seit dem 7. Oktober zeigt sie anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens mehr als 150 Werke der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Sie stammen aus der Sammlung der Triton.

mit Agenturen