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Landgericht Köln: Quelle-Erbin Schickedanz fordert Milliarden

Auch im Prozess stehen die Aktien der Madeleine Schickedanz nicht gut. Die Quelle-Erbin klagt gegen ihre ehemaligen Anlageberater - sie will ihr Milliardenvermögen zurück. Das Gericht hat Zweifel.

Die Milliardenklage der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim hat offenbar wenig Chancen auf Erfolg. Das Landgericht Köln hält ihre Argumentation für nicht einleuchtend, wie es bereits zum Auftakt des mit Spannung erwarteten Zivilprozesses am Dienstag deutlich machte. Schickedanz wirft der früheren Führungsriege der einst größten europäischen Privatbank Sal. Oppenheim vor, ihr Milliardenvermögen gegen ihren Willen riskant angelegt und dadurch verschleudert zu haben. Sie verlangt von der Bank, den inzwischen abgetretenen Ex-Bankenchefs und von ihrem Vermögensberater Josef Esch 1,9 Milliarden Euro. Ihre Schadensersatzklage richtet sich insgesamt gegen 14 Beklagte.

Der Vorsitzende Richter Stefan Singbartl sagte jedoch, es sei "schwerlich plausibel", dass Schickedanz einerseits immer gegen die Anlage-Entscheidungen ihrer Berater gewesen sei, dies aber andererseits nie deutlich gemacht habe. Schickedanz - die nicht selbst vor Gericht erschien - hatte sich im großen Stil am Handelskonzern Arcandor, ehemals KarstadtQuelle, beteiligt. 2009 war der Konzern zusammengebrochen - die heute 69-Jährige verlor praktisch ihr gesamtes Vermögen.

"Frau Schickedanz hat das gemacht, was man ihr vorgelegt hat", sagte ihr Anwalt Stefan Homann vor Gericht. Sal. Oppenheim habe es versäumt, ihr die Risiken der gewählten Anlageformen deutlich zu machen. Richter Singbartl reagierte darauf mit Verwunderung. Die Grundsätze des Aktienkaufs - auch des riskanten Aktienkaufs auf Kredit - dürften einer Großanlegerin wie Frau Schickedanz doch wohl deutlich gewesen sein, betonte er. Die Klägerin müsse sich darüber im Klaren sein, dass die Beweislast bei ihr liege. Sie wolle ihr Geld zurück, und deshalb müsse sie auch beweisen, dass sie von Sal. Oppenheim und Esch hintergangen worden sei.

Urteil in weiter Ferne

Die Anwälte der Beklagten nahmen nach den deutlichen Ausführungen des Gerichts nur kurz Stellung. Sie bestritten, dass Sal. Oppenheim seine Klientin getäuscht oder unter Druck gesetzt habe. Beide Seiten bestätigten, dass sie weiterhin miteinander im Gespräch sind, um die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung auszuloten. Es ist denkbar, dass diese Gespräche nun intensiviert werden, weil in der Sitzung deutlich geworden ist, wie das Gericht über den Fall denkt.

Trotz der klaren Worte des Vorsitzenden Richters steht ein Urteil in dem Verfahren noch lange nicht an. Schickedanz' Anwälte haben nun erst einmal bis zum 31. März 2013 Zeit, auf Widerklagen der Gegenseite zu antworten. Einige der 14 Beklagten haben Schickedanz umgekehrt auf insgesamt nahezu eine halbe Milliarde Euro verklagt. Danach entscheidet das Gericht am 4. Juni, ob es in dem Fall Zeugen hören wird oder ein Beweisverfahren für nicht nötig erachtet. Die Auftaktsitzung dauerte nur eine dreiviertel Stunde (Az: 21 O164/12).

Sal. Oppenheim war durch das desaströse Arcandor-Geschäft selbst in eine Existenzkrise geraten und 2010 von der Deutschen Bank übernommen worden. Die Führung der ehemals größten europäischen Privatbank wurde komplett ausgewechselt. Die alte Chefriege muss sich Anfang nächsten Jahres in einem Strafprozess wegen besonders schwerer Untreue verantworten. Dieses Verfahren läuft ebenfalls vor dem Landgericht Köln, ist aber unabhängig von der Zivilklage von Madeleine Schickedanz.

DPA / DPA