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Landgericht München: Sektenguru Shanti gesteht Kindesmissbrauch

Der wegen hundertfachen Kindesmissbrauchs angeklagte Sektenguru Oliver Shanti hat überraschend ein Teilgeständnis abgelegt. Er gab Übergriffe auf vier Jungen zu. Den Missbrauch zweier Mädchen stritt er hingegen ab - er habe sich noch nie für Mädchen interessiert.

Sektenguru Oliver Shanti hat den sexuellen Missbrauch von Kindern gestanden. Der Esoterik-Musiker räumte am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht ein, zwei Jungen, die 2002 Anzeige gegen ihn erstattet hatten, sexuell missbraucht zu haben. Den Missbrauch zweier weiterer Jungen gestand er zum Teil, den zweier Mädchen bestritt er. Er betonte erneut, er sei homosexuell und interessiere sich nicht für Mädchen oder Frauen.

"Das glaube ich ihm nicht", erwiderte Oberstaatsanwältin Christine Schäfer. Gegen den 60-Jährigen wird seit zwei Monaten wegen Missbrauchs von sechs Kindern in insgesamt 314 Fällen verhandelt.

Im Vorfeld des Teilgeständnisses hatte es Absprachen gegeben, wonach die Strafe im Falle eines vollständigen Geständnisses nicht über sieben Jahre hinausgehen soll. Dies sei aber hinfällig, da Shanti nur einen Teil der Vorwürfe eingeräumt habe, sagte der Richter.

Plädoyers sollen im Dezember folgen

Das Teilgeständnis des Angeklagten verkürzt jedoch die Beweisaufnahme. Die Strafkammer will nur noch zwei Zeugen und Sachverständige hören. Am 4. Dezember soll plädiert werden, das Gericht schließt ein Urteil noch am selben Tag nicht aus.

Vor dieser Ankündigung hatte die Anwältin eines mittlerweile gestorbenen Missbrauchsopfers dessen Aussage wiedergegeben. Der damals 19-Jährige hatte 2002 mit einem Leidensgenossen das Verfahren gegen Shanti in Gang gebracht.

Ihrem "introvertierten" Mandanten seien sexuelle Begriffe kaum über die Lippen gekommen, schilderte die Anwältin. Die Vernehmungssituation sei "schwierig" gewesen, der Vernehmungsbeamte sei "aufgetreten wie Schimanski". Er habe Fragen gestellt wie: "Und bist du jetzt schwul?" Das treffe "genau die Ängste missbrauchter junger Leute", sagte die Anwältin. Der Mandant habe deswegen nicht so ausführlich gesprochen, wie er es vorhatte. Sein Motiv für die Aussage sei nicht die Bestrafung des Angeklagten gewesen. "Er fühlte sich in der Verantwortung, dass dem Mann Einhalt geboten wird."

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Shanti vergangene Woche einen Selbstmordversuch im Gefängnis unternommen hatte. Er hatte Tabletten geschluckt und war in einem lebensgefährlichen Zustand ins Krankenhaus gebracht worden.

DPA/AP / DPA / AP