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Landgericht München: Todesschütze von Dachau muss lebenslang hinter Gitter

Schwere Schuld: Rudolf U., der im Januar einen Staatsanwalt erschoss, ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Eine frühzeitige Entlassung ist ausgeschlossen.

Der Todesschütze aus dem Dachauer Amtsgericht ist wegen Mordes an einem jungen Staatsanwalt zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Münchner Landgericht sprach den 55-Jährigen am Donnerstag auch wegen dreifachen Mordversuchs schuldig und sah zudem eine besondere Schwere der Schuld. Damit kann Rudolf U. auch bei guter Führung nicht nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden. Das Gericht folgte mit dem Urteil der Forderung der Anklage; die Verteidiger hatten keine besondere Schwere der Schuld gesehen.

Der insolvente Transportunternehmer hatte im Januar den 31 Jahre alten Staatsanwalt im Gerichtssaal erschossen und auch mehrere Schüsse auf die Richterbank abgefeuert. Kurz zuvor war er wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Ein notorischer Querulant

Vor dem Landgericht hatte der Angeklagte zugegeben, dass er auch den Richter töten wollte, der zusammen mit dem Protokollführer und der damaligen Anwältin des Mannes hinter der Richterbank Schutz gesucht hatte. Darin sah das Gericht Mordversuche. Eine Tötungsabsicht für seine Verteidigerin und den Protokollführer bestritt der Mann allerdings. Wenn er die Möglichkeit dazu bekäme, sei ein weiterer "Rachefeldzug gegen die Justiz" nicht auszuschließen.

Ein Gerichtspsychiater beschrieb U. als notorischen Querulanten, der häufig Ärger mit der Justiz hatte. Der Fall löste auch eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen in Gerichtsgebäuden aus. Die als Nebenkläger auftretenden Eltern des Staatsanwalts kritisierten, dass ein Metalldetektor am Eingang des Gerichts ihrem Sohn das Leben gerettet hätte.

mlr/DPA/AFP / DPA