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Augenzeugin: Deutsche berichtet von ihrer Flucht aus dem Kugelhagel von Las Vegas

Beim Attentat in Las Vegas starben mindestens 59 Menschen, Hunderte wurden verletzt. Von den rund 20.000 Besuchern konnten sich aber auch viele retten. Eine deutsche Augenzeugin berichtet der "Bild"-Zeitung, wie aus einem friedlichen Musikfest ein Albtraum wurde.

Der Ort, an dem die Kugeln niederregneten: das Route 91 Harvest Festival in Las Vegas

Der Ort, an dem die Kugeln niederregneten: das Route 91 Harvest Festival in Las Vegas

Der Horror von Las Vegas ist auch Tage danach noch schwer zu begreifen. Stephen Paddock, ein 64-jähriger pensionierter Buchhalter, hat in der Nacht zum Montag aus seinem Hotelzimmer im 32. Stock des Mandalay Bay wahllos das Feuer auf ein friedlich feierndes Musik-Festival eröffnet. Mindestens 58 Menschen sterben im Kugelhagel, rund 500 werden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Für die rund 20.000 Besucher des Festivals wird eine friedliche Feier binnen Sekunden zum Albtraum. So auch für eine Gruppe von sieben Touristen aus Nordbayern, wie die "Bild" berichtet.

Die 42-jährige Birgit beschreibt dem Blatt, wie sie die Momente der ersten Schüsse erlebte: "Dann ging das Geknalle los. Am Anfang dachten wir noch, das sind Knallfrösche, es sei ein Teil der Show. Ich habe dann die zwei Jungs angeschaut, mit denen ich dort war. Und dann sah ich schon die ersten Mädchen rennen. Ich habe dann gesagt: 'Ich gehe da jetzt hinterher. Irgend etwas stimmt da nicht.'"

Birgit berichtet, wie sie sich unter einem Container nahe der VIP-Bühne vor den Schüssen versteckt habe. "Plötzlich denke ich: Warum tropft hier denn Blut, wo kommt das denn her? Da steht neben mir ein Mädel, die wurde angeschossen! Die sagte aber nur: 'Nein, nein, ist schon okay, das ist nur ein Streifschuss.'" Zunächst habe sich die 42-Jährige nicht aus ihrem Versteck getraut, da zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar war, von wo die Schüsse kamen. "Ich wusste nicht, ob auf dem Festival-Gelände jetzt bewaffnete Attentäter sind, die wahllos rumballern."

"Alles, was von rechts nach links gegangen ist, musste über Leichen gehen"

Sie berichtet von einem Besucher des Festivals, der den anderen Anweisungen gab. Birgit vermutet, dass der Mann bei der Army war. Dieser habe ihr zugerufen, sie sollten sich bewegen, wenn es ruhig ist und bei Schüssen auf den Boden legen. "So haben wir es gemacht: rauf, runter, rauf, runter. Die ganze Zeit. Das war schon ziemlich seltsam."

Die Augenzeugin berichtet, dass sie großes Glück gehabt habe, weil sie links von der Bühne gestanden habe. "Der Idiot war ja rechts oben in dem Mandalay Bay. Und ich glaube, der hat von oben mehr in die Mitte geballert. Alles, was von rechts nach links gegangen ist, musste über Leichen gehen oder über angeschossene Leute. Für mich war es einigermaßen okay. Ich habe Leichen gesehen, aber nicht so viele."

Der 42-Jährigen zufolge hat der Schütze etwa für 15 Minuten in die Menge gefeuert. "Wir lagen unten und wussten nicht, was abgeht. Du hörst x-mal Maschinengewehrfeuer, mehrmals nacheinander. Dann denkst du, es müssen mehrere Personen sein. Der Hall war extrem, du wusstest nicht, steht jemand auf dem Gelände? Oder kommt das von oben? Vielleicht von einem Helikopter? Es gab die wildesten Gerüchte, es herrschte Panik."

Motiv von Stephen Paddock weiter völlig unklar

Birgit und ihre 54-jährige Freundin Susanne, die ebenfalls auf dem Festival war, wollen sich von der Wahnsinnstat nicht unterkriegen lassen. "An diesem Tag begann unser zweites Leben. Von jetzt an werden wir am 1. Oktober unseren zweiten Geburtstag feiern", sagten sie der "Bild".

Drei Tage nach der Tat ist immer noch unklar, warum Paddock so viele Menschen tötete. Zwar reklamierte der sogenannte Islamische Staat (IS) das Attentat für sich, Ermittler schätzen das jedoch als sehr unwahrscheinlich ein. Die bisherigen Ermittlungen haben keine Verbindung zu irgendwelchen radikalen Gruppen ergeben. Paddock soll ein wohlhabender Mann gewesen sein, der gerne in Kasinos verkehrte und auf Reisen ging. Sein Bruder zeigt sich US-Medien gegenüber völlig schockiert von der Tat und kann sich nicht erklären, was den 64-Jährigen dazu getrieben haben könnte.

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