Lauenburg Banker soll eigene Bank ausgeplündert haben


Bankenkrimi in der Provinz: Der Chef einer kleinen Bank in Schleswig-Holstein hat laut Anklage sein eigenes Geldinstitut ausgeplündert und an den Rand des Ruins getrieben. Von dem Millionenbetrug hat angeblich auch ein zwielichtiger Clan aus Hamburg profitiert.
Von Kerstin Schneider

Die malerische Kleinstadt Lauenburg an der Elbe ist Schauplatz eines Bankenkrimis, der in der deutschen Kriminalgeschichte Seltenheitswert haben dürfte. Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat jetzt Anklage erhoben gegen den ehemaligen Filialleiter der Volksbank Lauenburg Carsten Heitmann. Gemeinsam mit drei mutmaßlichen Komplizen soll der Bankdirektor das kleine Geldinstitut laut Anklage regelrecht ausgeplündert haben. Angeblich vergab der Bankchef faule Millionenkredite, die die Volksbank an den Rand des Ruins trieben. Am Ende musste der so genannte "Feuerwehrfond", also die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) fast 60 Millionen Euro in die Volksbank Lauenburg pumpen, um sie vor der Pleite zu retten.

Von den Millionen aus Lauenburg sollen nach dem Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unter anderem zwei Brüder aus Hamburg profitiert haben: Bashkim und Burim Osmani. Sie stammen aus einer Familie, die der Bundesnachrichtendienst in die Nähe der organisierten Kriminalität gerückt hat. Der Anwalt der Familie wies den Bericht stets als "erwiesenermaßen falsch" zurück. Auch die Familie bestreitet diese Vorwürfe vehement.

Enger Kontakt zwischen Banker und Clan

Wie eng der Draht zwischen dem Provinzbanker und Bashkim Osmani war, verrät ein Vorwurf aus der Anklage. Im Februar 2006 rettete Heitmann nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seine Pensionsrückstellung von 2,7 Millionen Euro aus der Volksbank Lauenburg mit einer Überweisung auf ein Geschäftskonto einer Firma, an der Bashkim Osmani beteiligt war. Einer direkten Auszahlung auf Heitmanns Konto hätte die DZ-Bank in Frankfurt mit Blick auf die Schadenersatzforderung wegen der faulen Kredite wohl kaum zugestimmt.

Kurz darauf erstattete die Bankenaufsicht Anzeige gegen Heitmann. Der Banker fuhr, offenbar unbeeindruckt von dem Ermittlungsverfahren, nach Andalusien zum Golfspielen. In Novo Sancti Petri versuchte er zwischen Pinienhainen, sein Anfänger-Handycap von -54 zu verbessern. Heitmann, der früher selbst geschmierte Stullen mit ins Büro nahm, residierte in einem noblen 4,5 Sterne-Hotel. Dass er ins Gefängnis musste, glaubte er nicht. "Das ist die Bankenmafia, die hinter mir her ist", raunte er einem Mitspieler zu. Gegenüber stern.de wollte Heitmann keine Stellungnahme abgeben.

Seit knapp drei Wochen sitzt Heitmann nun in Lübeck in Untersuchungshaft. Der Banker hat inzwischen Haftprüfung beantragt. Am 19. April soll der Richter entscheiden, ob Heitmann weiter in Untersuchungshaft bleiben muss. Dazu muss der Richter unter anderem prüfen, ob Fluchtgefahr besteht. Dafür spricht, dass Heitmann, sollten die Vorwürfe gegen ihn bewiesen werden, mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen muss. Gegen Fluchtgefahr spricht, dass er auch im Dezember aus Spanien zurückgekehrt ist und hier Familie hat.


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