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Lebenslänglich für Mircos Mörder Olaf H.: "Anhaltspunkte für sadistische Tat"

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre endet mit der Höchststrafe für den Täter. Der hochintelligente Manager Olaf H. hat nach Überzeugung der Richter den zehnjährigen Mirco ermordet. Beim Urteil zeigt er keine Regung.

Applaus brandet auf im Gerichtssaal 167, als der Vorsitzende Richter Herbert Luczak am Donnerstag das Urteil gegen Olaf H. verkündet. Verärgert verbittet sich der Jurist den Beifall, bevor er das Urteil begründet. Der 45-jährige Mörder des zehnjährigen Mirco wird zu lebenslanger Haft wegen Mordes, Kindesentführung und sexuellen Missbrauchs verurteilt. Das Gericht stellt zudem die besondere Schwere seiner Schuld fest. "Was das Kind während der letzten Stunde seines Lebens durchlitten hat, ist von derartigem Gewicht, dass es sich beim Strafmaß auswirken muss", sagt Luczak.

Das Motiv für die Tat sei auch in der Hauptverhandlung letztlich nicht feststellbar gewesen, aber: "Es gibt Anhaltspunkte, dass die Tat sadistisch motiviert war - beweisbar ist das nicht." Das Gericht habe aber keinen Zweifel daran, dass die Tat geplant gewesen sei und Olaf H. am 3. September 2010 schon mit dem Vorsatz in seinem Dienstwagen umhergefahren sei, ein Kind zu fangen und zu töten. Die Richter schließen den vom psychiatrischen Gutachter vermuteten sadistischen Exzess nicht aus: "Das Maximum dessen, was der Angeklagte eingeräumt hat, ist das Minimum dessen, was geschehen ist."

So hält das Gericht die brutalste und weitgehendste Variante unter den zahlreichen Versionen des Olaf H. für diejenige, die der Wahrheit am nächsten kommt. Auch wenn der Manager sie später widerrufen hat. Der 45-Jährige entführte den Jungen, fuhr mit ihm in einen einsamen Wald und zwang ihn, nackt nach hinten in den Wagen zu steigen. Zuvor hatte sich der Junge vor Angst eingenässt. "Mirco musste erdulden, dass sich ein nackter Mann auf ihn legte und sein Glied an ihm rieb." Nach dem Missbrauch habe er den Schüler mit einer Plastikschnur erdrosselt und ihm dann noch mit voller Wucht ein Messer in den Hals gerammt. Die Klinge habe er am Polohemd des Jungen abgewischt.

Zu Intelligent für berufliche Überforderung

Dass Stress im Beruf die Tat verursacht haben soll, wie es Olaf H. behauptet hatte, verwirft das Gericht als unwahr. Der 45-Jährige habe nach seinem Urlaub erst wenige Tage gearbeitet und am Tattag freigehabt. Die Behauptung, er sei von seinem Chef am Telefon "zusammengefaltet" worden, sei widerlegt. Das Telefonat habe es nicht gegeben. Auch sei nicht anzunehmen, dass der Manager bei einem Intelligenzquotienten von 138 im Beruf überfordert gewesen sei. Allerdings sei er von Ängsten besessen und wenig stressresistent. Die Konflikte mit seinem Chef hätten möglicherweise sein Selbstwertgefühl destabilisiert.

Als Richter Luczak um 13.04 Uhr das Strafmaß verkündet, huscht über das Gesicht von Mircos Mutter ein erleichtertes Lächeln. "Die besondere Schwere der Schuld war ein Meilenstein auf dem Weg der Trauerarbeit für die Eltern", sagt ihre Anwältin Gabriele Reinartz. Sie dürfte zudem die Haftdauer von Olaf H. um mehrere Jahre verlängern. "Dass er zum Motiv geschwiegen hat, wird die Familie aber ein Leben lang begleiten."

Gegenüber auf der Anklagebank zeigt Olaf H. keine Regung. "Das Verfahren war menschlich ein Drama für alle Beteiligten", sagt sein Verteidiger Gerd Meister und kündigt an, das Urteil vor dem Bundesgerichtshof anzufechten, räumt aber sogleich ein, dass dies schwer werde. Das Gericht habe die besondere Schwere der Schuld "sehr gut begründet".

Als einer der letzten verlässt der Chefermittler der Polizei, Ingo Thiel, den Gerichtssaal. Er hat die fünfmonatige spektakuläre Suche nach Mirco und seinem Mörder geleitet. Beim Hinausgehen sagt er: "Ich bin froh, dass es nun vorbei ist."

Frank Christiansen/DPA / DPA