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Sie wollten einkaufen und verschwanden: Die Suche nach den vermissten Frauen von Leipzig: Wo sind Maja H. und Yolanda Klug?

Zwei Vermisstenfälle sorgen in Leipzig für Beunruhigung. Neben der seit September vermissten 23-jährigen Yolanda Klug ist seit vergangenem Montag auch die 19-jährige Maja H. spurlos verschwunden. Die Polizei bittet um Mithilfe.

Die von der Leipziger Polizei gesuchten verschwundenen Frauen Maja H. und Yolanda Klug

Die Leipziger Polizei bittet um Mithilfe nach den beiden vermissten Frauen Maja H. (seit dem 11. November 2019 vermisst, l.) und Yolanda Klug (seit dem 25. September 2019 vermisst)

Hinweis der Redaktion: Maja H. ist eine Woche nach ihrem Verschwinden wieder aufgetaucht.

Große Sorge in Leipzig: In der Messestadt sind binnen acht Wochen zwei junge Frauen verschwunden – die Polizei hat keine Spur von den Vermissten und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Am vergangenen Montag (11. November) machte sich die 19-jährige Maja H. gegen 16.30 Uhr aus der Wohnung ihrer Eltern im Stadtteil Wiederitzsch in Richtung der Leipziger Innenstadt auf, so der bisherige Ermittlungsstand. Dort wollte sie zunächst einkaufen und sich später mit ihren Eltern für den Rückweg nach Hause treffen. "Eine Kontaktaufnahme der Mutter scheiterte jedoch bereits ab 17.30 Uhr", teilte die Polizei mit. "Seitdem ist Maja nicht erreichbar und keiner weiß, wo sie sich aufhält." (Der stern berichtete.)

Polizei hat Leipziger Krankenhäuser überprüft

Den Weg von ihrem Wohnort in die City wollte sie mit der Bahn zurücklegen. Für die rund fünf Kilometer lange Strecke benötigt beispielsweise die S-Bahn je nach Verbindung sechs bis zehn Minuten. Die Züge sind laut Deutsche Bahn mit Videoüberwachung ausgestattet. Mit der Straßenbahn dauert die Fahrt von Wiederitzsch in die Innenstadt rund 20 Minuten. Die Fahrzeuge der Leipziger Verkehrsbetriebe sind nach Angaben der Stadtverwaltung ebenfalls mit Kameras ausgerüstet. Ob und mit welchem Ergebnis Aufnahmen ausgewertet wurden, war am Wochenende zunächst nicht in Erfahrung zu bringen. Auch ob die junge Frau überhaupt am Bahnhof angekommen ist, ist derzeit nicht bekannt.

"Nachdem wir eingeschaltet wurden, haben wir eine Vielzahl von möglichen Anlaufstellen der 19-Jährigen aufgesucht", sagte ein Sprecher der Leipziger Polizei dem stern. Diese und weitere Suchmaßnahmen hätten jedoch bislang nicht zum Erfolg geführt.

Die junge Frau hatte im Oktober ihre Ausbildung bei der Bundeswehr begonnen. Ein Fahndungsbild der Polizei zeigt sie in ihrer Feldbluse. Derzeit ist die Ausbildung wegen einer Verletzung unterbrochen. In der Vergangenheit hatte Maja H. zudem weitere gesundheitliche Probleme: Im Oktober musste sie im Krankenhaus behandelt werden, nachdem sie wegen einer Dehydrierung zusammengebrochen war. Sie neige dazu, "über den Tag verteilt  (...) zu wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen", so die Polizei. Daher seien auch alle Krankenhäuser in Leipzig und Umgebung Leipzig überprüft worden – ebenfalls ohne Erfolg.

Ein Unglück kann als Ursache für das Verschwinden dennoch nicht ausgeschlossen werden, ebenso wenig wie ein Verbrechen oder auch ein freiwilliges Untertauchen.

Die Eltern der Vermissten sind in Sorge. Das Verschwinden ihrer Tochter sei ihnen "unerklärlich", hieß es von der Polizei. Die junge Frau gelte als zuverlässig, das Familienleben sei harmonisch.

Freunde und Familie vermissen Maja H.

In den sozialen Netzwerken verbreiteten Freunde Suchaufrufe nach der 19-Jährigen. "Ich hoffe sehr, dass wir Maja finden können und dass es ihr gut geht", schreibt eine von ihnen.

Die Polizei wird auch am Wochenende auf der Suche nach der 19-Jährigen jeder Spur nachgehen und hofft auf die Mithilfe der Öffentlichkeit. Sie fragt die Bevölkerung: 

  • Wer hat Maja H. seit dem 11. November 2019 gesehen?
  • Wer weiß, wo sie sich aufhalten könnte?
  • Hat sie zu jemandem Kontakt aufgenommen und sich anvertraut?
  • Wohin könnte Maja gegangen oder gefahren sein?

Nicht weniger mysteriös und besorgniserregend ist das spurlose Verschwinden der 23-jährigen Yolanda Klug aus Leipzig, auch wenn die Polizei nach stern-Informationen trotz gewisser Parallelen nicht von einem Zusammenhang der beiden Fälle ausgeht.

Die Architektur-Studentin wird seit dem 25. September vermisst. An jenem Mittwochnachmittag wollte die Studentin zu Ikea in Günthersdorf vor den Toren Leipzigs fahren. Gegen 15 Uhr brach sie aus ihrer Wohngemeinschaft in der Körnerstraße in der Leipziger Südvorstadt auf, um sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den rund 15 Kilometer langen Weg zu machen – danach wurde sie nicht mehr gesehen. Eine Freundin, mit der die 23-Jährige am Abend nach Halle zu einer Veranstaltung der Uni fahren wollte, wartete vergeblich auf sie.

Mehrere Suchaktionen nach Yolanda Klug

Zunächst gingen die Ermittler von einem Unglück aus, denn die 23-Jährige wurde laut ihrem Vater und der Polizei immer wieder von "wiederkehrenden, unvorhersehbaren Ohnmachtsanfällen" heimgesucht. "Diese treten unregelmäßig auf und kündigen sich meist nur kurz vorher an." 

Doch inzwischen gilt ein Verbrechen als ebenso wahrscheinlich. Die Staatsanwaltschaft ist wegen der Möglichkeit einer zugrunde liegenden Straftat in den Fall eingeschaltet. Mehrere Suchaktionen, unter anderem mit Tauchern und Hunden, sind bisher ohne Erfolg geblieben. (Lesen Sie hier im stern mehr zu dem Fall.)

Die Polizei bittet daher auch im Vermisstenfall Yolanda Klug die Öffentlichkeit um Mithilfe und hat folgende Fragen:

  • Ist Yolanda Klug jemandem in einem Bus der Leipziger Linie 131 am Mittwoch, 25. September 2019, nach 15 Uhr, aufgefallen?
  • Hat jemand beobachtet, dass es ihr nicht gut ging? An welcher Haltestelle ist sie ausgestiegen?  
  • Wer hat sie ansonsten seit dem Tag ihres Verschwindens gesehen oder hatte Kontakt zu ihr?

Für die Angehörigen und Freunde der verschwundenen jungen Frauen aus Leipzig wird es kein Trost sein, aber die überwiegende Anzahl von Vermissten taucht laut Bundeskriminalamt wieder auf: Zum Stichtag 1. April 2019 waren den Angaben zufolge rund 10.000 Menschen vermisst. Etwa die Hälfte aller Vermissten taucht nach spätestens einer Woche wieder auf, rund 80 Prozent sind nach einem Monat wieder da. Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr verschwunden sind, liegt bei rund drei Prozent. Vermisstenfahndungen werden bis zu 30 Jahre lang aufrecht erhalten.

Quellen: Polizei Sachsen (1), Polizei Sachsen (2), Bundeskriminalamt