Leipzig Verdächtiger gesteht Mord an Michelle


Der mutmaßliche Mörder der achtjährigen Michelle aus Leipzig ist gefasst. Gegen einen 18-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen. Er war bereits am Sonntag unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden und hat inzwischen ein Geständnis abgelegt.

Die Polizei hat den mutmaßlichen Mörder der kleinen Michelle aus Leipzig gefasst. Beamte nahmen bereits am Sonntag einen 18-Jährigen aus der Nachbarschaft des Kindes vorläufig fest, hieß es bei einer Pressekonferenz in Leipzig.

Gegen den 18 Jahre alten Tatverdächtigen wurde Haftbefehl erlassen. Das teilte Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz mit. Nach Aussagen von Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) hat er inzwischen ein Geständnis abgelegt.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich laut Polizei um einen Auszubildenden zum Sozialassistenten, der allein mit seiner Mutter gelebt und wenig Kontakt zu Gleichaltrigen gehabt habe. Michelle und der Täter hätten sich aus dessen Arbeit gekannt. Er sei nicht vorbestraft und bisher "in keiner Weise auffällig geworden", sagte der Leipziger Kriminaldirektor Uwe Matthias.

Ursprünglich sei geplant gewesen, ihn am Nachmittag in der Wohnung seiner Familie routinemäßig zu befragen und eine DNA-Probe zu nehmen. Stattdessen sei der 18-Jährige mit seiner Mutter auf einer Polizeidienststelle erschienen und habe ausgesagt, in das Verbrechen verwickelt zu sein, teilte Matthias mit.

Dabei habe er erklärt, ein Unbekannter habe ihm am Tattag einen Sack mit der Leiche Michelles überlassen und ihn aufgefordert, die Leiche wegzuschaffen, was er auch getan habe. Nach stundenlangen Vernehmungen habe der 18-Jährige diese Darstellung aber aufgegeben und den Mord eingeräumt.

"Seine Angaben passten zu vielen Spuren, die wir gesammelt habe", sagte Matthias. Schließlich habe der mutmaßliche Mörder die Ermittler auch zu Michelles Tasche geführt, nach der seit dem Verschwinden des Mädchens am 18. August gesucht worden sei. Am späten Sonntagabend habe man die Vernehmung dann unterbrochen; sie solle zu gegebenem Zeitpunkt fortgesetzt werden.

Michelle war am 18. August vergangenen Jahres auf dem Heimweg nach der Ferienbetreuung in ihrer Schule verschwunden - nur wenige Gehminuten von ihrem Zuhause im Ostteil Leipzigs entfernt. Die Polizei hatte mit einem Großaufgebot an Beamten, Hunden, Pferdestaffeln und einem Hubschrauber nach ihr gesucht, bis drei Tage später ein Spaziergänger die Leiche in einem Ententeich entdeckte.

Michelle wurde am Abend ihres Verschwindens getötet

Das Kind sei noch am Abend seines Verschwindens getötet worden, sagte Innenminister Buttolo. "Die sächsische Polizei hatte null Chance, das Mädchen noch lebend zu finden." Vor der Tötung des Mädchens habe der Tatverdächtige versucht, die Achtjährige sexuell zu missbrauchen, teilte der Leipziger Oberstaatsanwalt Hans Strobl mit.

Monatelang hatte die Polizei bei der Suche nach Michelles Mörder im Dunkeln getappt. Tausende Hinweise wurden ausgewertet und mehr als 1000 Zeugen befragt - erfolglos. Auch DNA-Proben von Anwohnern und die Fahndung nach einem "wichtigen Zeugen" mit einem Phantombild hatten nichts ergeben.

Der Albtraum für Leipzig ist vorbei

"Ich bin froh, dass dieser Albtraum von Leipzig weggenommen ist, und dass Leipzig wieder ein Stück sicherer geworden ist", sagte Polizeipräsident Horst Wawrzynski.

Der Vater Michelles habe die Nachricht von der Festnahme des 18-Jährigen ruhig und gefasst aufgenommen, sagte Ina Alexandra Tust, Rechtsanwältin der Familie. Die Familie, die aus Leipzig weggezogen war, sei an ihrem neuen Ort jetzt etwas zur Ruhe gekommen. "Ich bitte darum, dass es so bleibt."

DPA/AP AP DPA

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