HOME

Letzte Worte von Dominik Brunner: "I nimm oan mit"

"Einen erwischt's gleich! Ich nehm einen mit!" Das waren Dominik Brunners letzte Worte, bevor er zu Tode geprügelt wurde. Dokumentiert sind sie auf einem Tonband, das nun vor Gericht abgespielt wurde.

Es ist ein schockierendes Dokument des Todes - das Tonband von der Schlägerei auf dem S-Bahnhof Solln und dem Stöhnen des sterbenden Dominik Brunner. Die Anwesenden bei der Sitzung vor dem Landgericht München werden nicht so schnell vergessen, was ihnen am Dienstag vorgespielt wurde.

Auf dem Band ist der Beginn der Auseinandersetzung vom 12. September 2009 aufgezeichnet. Es war um 16.10 Uhr, als Brunner den beiden Angeklagten Markus S. und Sebastian L. mit bayerischer Mundart zurief: "Oan erwischt's gleich! I nimm oan mit!" ("Einen erwischt's gleich! Ich nehm einen mit!") Die Jungen schrien zurück: "Du Sau! Du Bastard! Du Arschloch!" Danach sind Schmerzensschreie von Brunner zu hören. Männer und Frauen riefen immer wieder: "Aufhören! Hört auf, Ihr Idioten!" Um 16.12 Uhr lag Brunner leblos auf dem Boden, und bei der Polizei waren schon mehrere Notrufe eingegangen.

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Die Angeklagten hörten sich das Tonband ohne sichtbare Regung an. Die Anklage fühlt sich bestätigt: Der Mitschnitt unterstreiche den Mordvorwurf, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Wir bleiben bei der ursprünglichen Bewertung." Immer wieder ist der Mitschnitt unterbrochen von einem "Hallo" der Beamtin aus der Einsatzzentrale - sie hörte die ganze Zeit mit.

Phonetikerin entschlüsselt das Gespräch

Erst Rafaela Lauf, eine Sachverständige für Phonetik des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), konnte das Stimmengewirr entschlüsseln. Brunners Handy war während der Schlägerei mit der Polizei verbunden. Ob Brunner nach einem ersten Anruf bei den Beamten die Notruf-Nummer absichtlich nochmals oder versehentlich die Wiederwahltaste drückte, ist unklar. Eindeutig ist dagegen: Mit ruhiger Stimme hatte Brunner um etwa 16.05 Uhr aus der S-Bahn die Polizei alarmiert. Ihm gegenüber saßen Markus S. und Sebastian L. "Sie wollen zwei andere junge Männer ausrauben", sagt Brunner dem Beamten. "Und woher wissen Sie das, dass sie sie ausrauben wollen?", fragt der Beamte zurück. Weil er direkt gegenüber gesessen habe, wiederholt Brunner: "Ich steig jetzt mit denen aus, ich nehm' die jungen Leute mit."

Der getötete Manager galt zunächst als ein tragisches Musterbeispiel für Zivilcourage. Mehrere Zeugen sagten in dem Prozess allerdings bereits aus, er habe zuerst geschlagen, wodurch der Eindruck entstand, dass Brunner die tragische Tat erst provoziert habe. Ein Zeuge will Brunner gar in Boxerstellung auf dem Bahnsteig stehen gesehen haben - bereit anzugreifen. Auch stellte sich während des Verfahrens vor dem Landgericht heraus, dass Brunner an Herzversagen starb, nicht direkt an den 22 Verletzungten durch Tritte und Schläge. "Er hatte keine gesundheitlichen Probleme", sagte dagegen am Dienstag vor Gericht seine Lebensgefährtin, eine 51-jährige Ärztin. Brunner habe niemals über Herzbeschwerden geklagt. "Das hätte er mir erzählt." Sie habe ihn zudem nie aggressiv erlebt - "aufgeregt vielleicht, aber nie aggressiv".

Was die Gesundheit Brunners angeht, wurde die Einschätzung seiner Lebensgefährtin vor Gericht durch dessen langjährigen Internisten bestätigt. "Vom Herzen her war alles in Ordnung bei ihm", sagte der Arzt Josef Bauer während der Verhandlung am Dienstag. EKG-Tests in den Jahren 1997, 2002, 2007 und zuletzt im Mai 2009 hätten eine gute körperliche Belastbarkeit und keine Auffälligkeiten gezeigt. Das Herz sei zwar "grenzwertig groß", aber für einen Sportler normal gewesen. Herzklappen und Pumpleistung seien in Ordnung gewesen, sagte der Internist. "Wir haben niemals Medikamente verordnet."

ben/APN/DPA / DPA