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Levke-Prozess: Hoffmann deutet Mord an alter Frau an

Die Polizei hat bislang keine Hinweise, dass Marc Hoffmann außer Levke und Felix noch mehr Menschen umgebracht hat. Bei seiner Vernehmung wurden die Beamten allerdings hellhörig.

Der mutmaßliche Mörder der Kinder Levke und Felix hat vor kurzem bei der Polizei Andeutungen gemacht, wonach er möglicherweise auch eine alte Frau erdrosselt hat. Ein Kriminalbeamter sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Stade, man habe den Angeklagten Marc Hoffmann am 28. April mit dem Fall der 86-jährigen Rentnerin konfrontiert, die 1994 in Hoffmanns Heimatort Attendorn spurlos verschwand.

Der 31-Jährige sagte nach Angaben des Beamten, Hoffmann sei bei einer der Vernehmungen fast zusammengebrochen. In einem Gespräch mit den Ermittlern über das Thema Tod habe er gesagt: "Nicht der Tod an sich ist schlimm, aber die Umstände, die dazu führen." So sei der gewaltsame Tod eines Kindes schlimmer als der einer 86-Jährigen. Und bei einem Kind dauere es lange, bis es tot sei. Bei einer älteren Frau sei es anders; "die hat ihr Leben gelebt".

Keine Verstrickung in weitere Verbrechen

Die Polizei hatte im März Suchaktionen unternommen, nachdem ein Mithäftling erzählt hatte, Hoffmann habe ihm im Stader Gefängnis sechs weitere Morde gestanden. Dabei soll es sich nach Medienberichten um zwei Kinder in Ostdeutschland, zwei Anhalterinnen und zwei älteren Frauen handeln. Der Vernehmungsbeamte sagte, Hoffmann habe bestätigt, dass er einen Fall aus der Zeit 1993/94 dem Mithäftling erzählt, aber erfunden habe. Einen weiteren Fall von 1999/2000 habe sich der Häftling selbst ausgedacht, um sich interessant zu machen, so Hoffmann zur Polizei. Die Behörden haben bisher aber keine Hinweise auf eine Verstrickung des mutmaßlichen zweifachen Kindermörders Marc Hoffmann in weitere Verbrechen.

Ein zweiter Beamter sagte vor der Schwurgerichtskammer aus, dass die Polizei nach Levkes Verschwinden in der Region Cuxhaven tausende Daten gesammelt habe. Darunter waren auch die Kennzeichen der Autos, die den Parkplatz anfuhren, auf dem Levkes Schultasche und Jacke gefunden worden waren. Auf den Bändern war auch drei Mal das Auto zu sehen, mit dem Hoffmann unterwegs war, das aber auf den Namen seiner Mutter zugelassen war. Die Informationen wurden erst später ausgewertet. "Die Hoffnung, damit den Täter zu finden, hatten wir nie", sagte der Beamte. Insgesamt habe die Polizei 1400 Fahrzeugbewegungen registriert.

Wegen der großen Datenmengen musste sich nach den Worten des Soko-Ermittlungsleiters auf die viel versprechendsten Spuren konzentrieren. Als wichtigster Hinweis galt demnach damals ein dunkler BMW mit Siegburger Kennzeichen, der in der Nähe des Schulhofs in Cuxhaven gesehen worden war. Die Polizei konzentrierte sich außerdem auf verdächtige Sexualstraftäter, deren Opfer Mädchen waren. Dabei seien allein in Niedersachsen 300 bis 400 Personen zu überprüfen gewesen, so der Ermittlungsleiter.

DPA/AP / AP / DPA