Litwinenko-Mord Mordanklage gegen Kontaktmann Lugowoi


Dem früheren KGB-Agenten Lugowoi soll wegen Mordes an dem russischen Ex-Spion Litwinenko der Prozess gemacht werden. Russland will ihn nicht ausliefern. Einem Freund zufolge schwebt der Ex-Agent jetzt in Lebensgefahr.

Die Staatsanwaltschaft in London kündigte am Dienstag an, Anklage zu erheben, und forderte von den russischen Behörden die Auslieferung des Geschäftsmanns. Die russische Justiz lehnte des Gesuch ab. Lugowoi bezeichnete die Vorwürfe als politisch motiviert. Die Ankündigung sorgte für erneute Irritationen in den diplomatischen Beziehungen beider Staaten.

Großbritannien bestellte den russischen Botschafter ins Außenministerium und machte ihm klar, dass die Regierung von den russischen Behörden uneingeschränkte Unterstützung erwarte. Die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau erklärte jedoch, Lugowoi werde den Briten nicht überstellt, da dies die russische Verfassung nicht erlaube. Möglicherweise könnte Lugowoi jedoch in seinem Heimatland vor Gericht gestellt werden, sagte eine Sprecherin vor Journalisten.

Britische Regierung verlangt Auslieferung

Die britische Regierung konterte, ihr Auslieferungsgesuch sei legal. Sie werde nicht davor zurückschrecken, internationales Recht durchzusetzen. Daran änderten auch die wichtigen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland nichts. "Niemand sollte auch nur im Geringsten daran zweifeln, wie ernst wir diesen Fall nehmen. Mord ist Mord", sagte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair.

Die Staatsanwaltschaft in London erklärte, ihr lägen ausreichend Beweise für eine Mordanklage vor. Lugowoi habe Litwinenko absichtlich vergiftet und damit ein "außerordentlich schweres Verbrechen begangen", sagte der Chef der Staatsanwaltschaft, Ken Macdonald. Eine Anklage sei eindeutig im Interesse der Öffentlichkeit. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, einen Haftbefehl für Lugowoi zu beantragen und diesen an die russischen Behörden weiterzuleiten. "Der Ball ist jetzt in Russlands Hälfte", sagte eine Sprecherin.

Lugowoi bestritt erneut, Litwinenko getötet zu haben. Er könne belegen, dass die Beweise der britischen Justiz falsch seien, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Itar-Tass. "Ich habe nichts mit seinem Tod zu tun kann mein Misstrauen gegenüber den so genannten Beweisen, die das britische Rechtssystem gesammelt hat, mit Fakten untermauern."

Mord auf Befehl der Führung

Einem Freund zufolge schwebt der Ex-Agent in Lebensgefahr, da er die Auftraggeber des Mordes kenne. "Lugowoi wird wahrscheinlich schon bald tot sein. Wenn er redet, wird es schlecht um ihn stehen", sagte Lugowois Gefährte Alexander Goldfarb. Seiner Ansicht nach habe Lugowoi auf Befehl russischer Führungskräfte gehandelt.

Lugowoi und der Geschäftsmann Dimitri Kowtun hatten Litwinenko am 1. November 2006 in einem Londoner Hotel getroffen. Litwinenko erkrankte noch am selben Tag und starb drei Wochen später an einer Vergiftung mit der radioaktiven Substanz Polonium 210.

Von seinem Sterbebett aus hatte er Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Brief für seine Ermordung verantwortlich gemacht. Die Regierung in Moskau wies den Vorwurf als lächerlich zurück. Sie leitete ihre eigene Untersuchung ein und kam zu dem Schluss, dass russische Geheimdienste keine Rolle in der wohl spektakulärsten Spionage-Affäre seit Ende des Kalten Krieges spielten.

Litwinenkos Witwe Marina begrüßte den Vorstoß der britischen Staatsanwaltschaft. Sie hoffe sehr, dass Lugowoi ausgeliefert und vor ein Gericht in Großbritannien gestellt werde.


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