Liverpool Mord wegen Streit um ein Mädchen?


Der elfjährige Rhys Jones stand zur falschen Zeit am falschen Ort: Der Junge aus Liverpool ist wohl aus Versehen in die Schussbahn seines Mörders geraten. Die tödlichen Schüsse könnten wegen des Streits um ein Mädchen gefallen sein, berichtet eine britische Zeitung.

Auch vier Tage nach den tödlichen Schüssen auf einen elf Jahre alten Jungen in Liverpool sucht die Polizei noch immer nach dem Täter. Obwohl es viele Zeugen der Tat gab, gingen bisher nur wenige Hinweise bei der Polizei ein. Britische Medien sprachen von einer "Mauer des Schweigens" - vermutlich aus Angst rivalisierenden Jugendgangs. Insgesamt wurden bisher neun Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren festgenommen, drei kamen gegen Kaution wieder frei. Am Sonntag waren damit noch sechs Jugendliche in Gewahrsam, darunter zwei Mädchen.

Die Polizei zeigte sich dennoch optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Verbrechen aufklären werden, und wir wollen das so schnell wie möglich tun", sagte Superintendent Chris Armitt. "Wir werden den Killer überführen." Doch die Anwohner müssten "sich erheben" und gegen "die Banden-Kultur" aufstehen. Es gebe mehr Menschen, die etwas über den Fall wissen, kritisierte er. "Wir wollen diese Informationen so schnell wie möglich." Die Zeugen würden anonym und geschützt bleiben. Nach Medienangaben hatten mindestens 15 Kinder und Jugendliche die Tat und den Mörder gesehen.

Applaus im Fußballstadion

Am Samstagabend würdigten bei einem Fußballspiel des Premier- League-Clubs FC Everton rund 40 000 Zuschauer den toten Jungen mit einminütigem Applaus. Die Spieler beider Mannschaften trugen schwarze Armbänder. Rhys war glühender Everton-Fan gewesen. Seine Eltern Melanie und Stephen Jones sowie sein Bruder Owen waren auch bei dem Spiel. Statt einer Schweigeminute hatten sie sich Applaus gewünscht.

Rhys Jones war am Mittwoch auf dem Heimweg vom Fußballspielen in dem Viertel Croxteth nahe eines Pubs erschossen worden. Wie die Polizei mitteilte, war er alleine unterwegs. Der Täter habe von einem BMX-Fahrrad aus - offenbar mit einem Revolver - drei Mal abgedrückt, ein Schuss traf Rhys in den Hals. Der Junge starb auf dem Weg ins Krankenhaus in den Armen seiner Mutter. Bei den Festgenommenen handelt es sich um Jungen im Alter von 15 und 16 Jahren, zwei junge Männer von 19 Jahren sowie zwei 15- und 18-jährige Mädchen.

Eine Theorie der Polizei ist, dass Rhys aus Versehen in die Schusslinie des Killers geraten ist. "Es gibt keine Annahme, dass Rhys das Ziel war. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Es war ein großes Unglück", sagte der Ermittlungsleiter David Kelly nach Angaben der "Sunday Mail". Die Zeitung "News of the World" berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, zu den Schüssen könne es gekommen sein, weil sich zwei Teenager um ein Mädchen stritten.

In der Gegend herrscht nach Angaben von mehreren Zeitungen ein "Bandenkrieg" unter den Teenagern der Sozialbau-Siedlungen Croxteth und Norris Green. Dabei gehe es vor allem um Drogengeschäfte und Fragen von Respekt und Ehre. Rhys’ Mord fiel zudem mit dem Jahrestag eines weiteren Mordes zusammen: Ein 19 Jahre alter Gangboss aus Norris Green wurde exakt vor einem Jahr einem Kopfschuss niedergestreckt. Inwiefern ein Zusammenhang besteht, war unklar.

Die Ermittler suchten am Wochenende noch eine Schlüsselzeugin, die einen Kinderwagen in der Nähe des Tatorts geschoben hatte. Die Polizei bekam auch die Erlaubnis, Menschen auf den Straßen in und um Croxteth zu durchsuchen. Auch Material von Überwachungskameras wurde angeblich ausgewertet. Die Zeitung "The Sun" schrieb 100 000 Pfund (150 000 Euro) für Hinweise auf den Täter aus.

Um das Gewaltproblem in den Griff zu bekommen, kündigte Innenministerin Jacqui Smith eine so genannte "Drop-Off-Zone" für Waffen in Problemgegenden an. Dort könnten Menschen anonym Waffen abgeben ohne zur Polizei gehen zu müssen.

Unterdessen erschütterte eine weitere Bluttat die Stadt. Zwei Türsteher in Liverpool wurden in der Nacht zum Samstag in der durch die Beatles berühmten Penny Lane angeschossen und schwer verletzt. Die Tat steht nach Angaben der Polizei jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Mord an Rhys.

DPA DPA

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