London Brutale Morde an Austauschstudenten


Mit mehr als 200 Messerstichen sind zwei französische Studenten am Sonntagabend in Ostlondon ermordet worden, danach wurde das Appartement in Brand gesteckt. Doch erst am Mittwoch hat sich Scotland Yard bei der Suche nach Zeugen an die Öffentlichkeit gewandt.
Von Cornelia Fuchs, London

"Ich habe noch nie in meinem Leben solch furchtbaren Verletzungen gesehen", sagte der Leiter der Ermittlungen, Detective Chief Inspector Mick Duthie. 196 Mal war auf den Körper des 23-jährigen Laurent Bonomo eingestochen worden, in Nacken, Kopf und Rücken, mehr als 100 Mal muss das Messer den Studenten getroffen haben, als er schon tot war. Die Gerichtsmediziner fanden 47 Stiche in Rücken und Torso seines Freundes Gabriel Ferez, ebenfalls 23 Jahre alt.

Die beiden Leichen waren am Sonntagabend von der Feuerwehr in der angemieteten Wohnung im Ostlonder Bezirk New Cross gefunden worden. Zunächst ging die Polizei davon aus, dass sie in einem Brand in dem Appartement ums Leben gekommen waren. Doch Gerichtsmediziner entdeckten, dass beide Männer gefesselt, gefoltert und erstochen worden waren. Die Leichen wurden durch das anschließend gelegte Feuer so entstellt, dass erst ein DNA-Abgleich die Identitäten der beiden Franzosen bestätigte.

Bonomo und Ferez waren für drei Monate als Stipendiaten eines Forschungs-Projektes an das Imperial College in London gekommen. Ein Sprecher der Universität beschrieb sie als ausgesprochen intelligente und leistungsfähige Wissenschaftler. Bonomo untersuchte einen Parasiten, der von Katzen auf Menschen überspringen kann, Ferez erforschte Bakterien, die Ethanol produzieren.

"Brillante Studenten"

Beide kamen von Forschungs-Abteilungen der französischen Elite-Universität Ecole Polytechnique nach London, Bonomo war im Dorf Velaux in der Provence zu Hause, Ferez aus der Region Picardie in Nordfrankreich. Ihre Familien reisten am Mittwoch nach London, um ihre Söhne zu identifizieren. Ein Sprecher ihres französischen Colleges sagte: "Sie waren brillante Studenten mit großartigen Karrierenaussichten. Sie haben ihre Prüfungen mit Auszeichnungen bestanden."

Laurent Bonomo hatte die Wohnung in der ruhigen Sackgasse Clarence Gardens in New Cross zwei Monate zuvor gemietet, Gabriel Ferez besuchte ihn an dem Sonntagabend. Die beiden sollen vor ihrem Tod am Computer gespielt haben. Anwohner berichten von einem lauten Knall gegen zehn Uhr Abends, bevor erste Rauchwolken aus der Wohnung kamen und die Feuerwehr in der Wohnung die Leichen entdeckte. Ein Anwohner, der anonym bleiben wollte, sprach von einem sehr lauten und zwei leiseren Erschütterungen, die im gesamten Block zu spüren gewesen wären. Andere haben am früheren Abend zwei Männer mit Hüten an die Fenster des Ein-Zimmer-Appartements klopfen sehen, angeblich soll ein weißer Mann vor Eintreffen der Feuerwehr aus der Wohnung gelaufen und mit einem BMW weggefahren sein. Die Ermittler haben Feuerbeschleuniger am Tatort gefunden.

Scotland Yard hat auf seiner Pressekonferenz am Mittwoch erklärt, noch gebe es keine Hinweise auf Motiv oder Täter. Ein Hinweis, dem die Polizei nachgeht, ist ein Einbruch in dem Appartement sechs Tage vor dem Mord am Sonntag. Duthie sprach von einer "sehr komplexen Szenerie" in der Wohnung, die in großer Unordnung hinterlassen worden war: "Ich würde nicht sagen, dass dies der Angriff eines Profis war. Ich würde sagen, dass dies ein wilder, furchtbarer, unbegreiflicher Angriff war. Ich glaube, es würde eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, jemandem Verletzungen dieser Größenordnung zuzufügen."

Die Mehrzahl der Nachbarwohnungen wurde inzwischen evakuiert, die Polizei hat den ganzen Block eingerüstet und mit Plastikplanen verhängt. Duthie rief Freunde und Kollegen der Ermordeten auf, sich bei ihnen zu melden: "Das Ausmaß der Gewalt ist außergewöhnlich. Es war wie eine Szene aus einem Tarantino-Film."


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