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London: Sklaven-Familie wechselte mehrmals die Adresse

Noch immer sind viele Rätsel ungelöst im Sklaven-Drama von London. Die beiden Verdächtigen haben offenbar ein regelrechtes Nomaden-Leben geführt. Nun sind auch Briefe des jüngsten Opfers aufgetaucht.

Der Häuserblock, in dem die beiden verdächtigen Eheleute die drei Frauen als Sklaven gehalten haben sollen, wird Tag und Nacht von der Polizei bewacht

Der Häuserblock, in dem die beiden verdächtigen Eheleute die drei Frauen als Sklaven gehalten haben sollen, wird Tag und Nacht von der Polizei bewacht

Die mutmaßlichen Täter im Fall von moderner Sklaverei in London haben in den vergangenen Jahrzehnten offenbar mehrmals die Adresse gewechselt. Die Ehepartner im Alter von 67 Jahren aus Indien und Tansania hatten Verbindungen zu 13 Adressen in ganz London, berichtete der "Guardian" am Montag. Vermutlich sei das Paar mit den drei Frauen mehrmals umgezogen. Die jüngste Wohnung am Peckford Place im Süden Londons war nach Medienberichten erst 2005 errichtet worden.

Der "Guardian" berichtet auch über mehr als 500 Briefe, die das jüngste Opfer binnen sieben Jahren einem Nachbarn geschrieben habe. Laut Angaben von dessen Partner sei sie in den 26-Jährigen verliebt gewesen, die Briefe seien zum Teil parfümiert und mit Küssen bedeckt gewesen. Verzweifelt habe die 30-Jährige darin auch Andeutungen über ihr Schicksal gemacht. Sie fühle sich "wie eine Fliege gefangen in einem Spinnennetz" heißt es in einem der Schreiben. Sie müsse "unaussprechliche Torturen" über sich ergehen lassen von ihren Aufsehern, "die es wagen, sich meine Verwandten zu nennen".

Sektenähnlicher Hintergrund

Die beiden älteren Opfer im Alter von 57 und 69 Jahren sollen den Mann durch eine Art politische Sekte mit stark linker Ausrichtung kennengelernt haben. Die 30-Jährige, möglicherweise die Tochter des Mannes und der 57-Jährigen, soll bereits in der Gemeinschaft geboren sein. Laut Polizei gibt es für sie eine amtliche Geburtsurkunde.

Die drei Frauen waren am 25. Oktober mit Hilfe einer Organisation zum Schutz von Frauen befreit worden. Sie gaben an, mehr als 30 Jahre lang in einer physischen und psychischen Abhängigkeit und in moderner Sklaverei gelebt zu haben.

Sozialamt wusste offenbar Bescheid

Am Sonntag hatte die britische Zeitung "The Observer" darüber berichtet, dass das örtliche Sozialamt womöglich über die Verhältnisse in dem Haushalt informiert gewesen sei. Die Beamten konnten demnach jedoch nicht eingreifen, weil die Opfer dies ablehnten, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Quellen aus den Behörden. Nach Darstellung von Zeugen soll es zu "Gewaltexplosionen" gekommen sein. Auch über einen früheren Fluchtversuch wurde berichtet.

Ferner sollen die beiden mutmaßlichen Sklavenhalter in den 1970er Jahren mehrmals festgenommen worden sein. Damals sei es um ihre Beteiligung an einer linksextremen politischen Bewegung in Brixton gegangen, die Polizei machte jedoch keine Angaben über die konkreten Hintergründe.

kng/DPA / DPA