Ludwigshafen Schwierige Suche nach der Brandursache


Im Unglückshaus von Ludwigshafen suchen Spürhunde nach der Ursache für den verheerenden Brand. Dabei waren neun Menschen ums Leben gekommen und 60 verletzt worden. Zwei Mädchen hatten von einem unbekannten Mann berichtet, der gezündelt habe.

Sorgenvolle Gesichter am Brandort: Eigentlich wollten die Ermittler bereits in aller Frühe mit der Spurensuche beginnen. Doch dann fing es in Ludwigshafen an, wie aus Gießkannen zu regnen. Schlecht für die Spurensicherung. Der Leiter der für den Fall zuständigen Frankenthaler Staatsanwaltschaft, Lothar Liebig, hatte jüngst befürchtet, dass das Feuer und das Löschwasser womöglich Spuren in dem Gebäude zerstört haben könnten. Jetzt noch der Regen. Ein echtes Problem.

Stunden später gehen die Experten trotzdem ins Haus. Sie wollen nichts unversucht lassen, um die Ursache der Feuerkatastrophe zu finden, der kurz nach dem großen Faschingsumzug neun Menschen, darunter fünf Kinder, zum Opfer fielen. Vorsicht bei der Spurensuche ist allerdings angesagt. Polizeisprecherin Simone Eisenbarth berichtet, dass an dem Gebäude, in dem vorwiegend Türken lebten, noch Sicherungsarbeiten notwendig seien. In den Einsatz der Hunde setze die Polizei große Hoffnungen: Diese seien darauf dressiert, Brandbeschleuniger ausfindig zu machen. Die Ermittler gehen nach der Aussage zweier Mädchen auch Hinweisen auf Brandstiftung nach. Die türkischen Kinder wollen einen Fremden beim Zündeln im Treppenhaus gesehen haben.

Polizei hofft auf Phantombild

Polizeisprecher Volker Klein sagte zu stern.de, prüfen die Ermittler derzeit die Aussagen der beiden acht und neun Jahre alten Mädchen. "Sollte sich das Ganze als belastbar erweisen, werden wir heute noch ein Phantombild des mutmaßlichen Brandstifters anfertigen lassen und veröffentlichen." Klein sagte, die Polizei nehme jeden Hinweis ernst, der zur Aufklärung der Brandursache beitragen könne. Zugleich wird bereits über politische Motive spekuliert, weil im Sommer 2006 zwei Brandsätze in das Gebäude geworfen worden waren. Die damaligen Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden.

Im Laufe des Tages will der türkische Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu, der für die im Ausland lebenden Türken zuständig ist, zum Ort der Brandkatastrophe kommen. Er wird von türkischen Brandexperten begleitet. Ein heikler Besuch. Denn der Wunsch der türkischen Regierung, dass sich an den Untersuchungen auch Experten aus der Türkei beteiligen sollen, sorgte bei der Bundesregierung zunächst für Irritationen.

Schäuble kritisiert "türkisches Misstrauen"

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte gestern in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" das "türkische Misstrauen gegenüber unserer Polizei" kritisiert. Er bezeichnete Berichte in türkischen Zeitungen über einen möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund des Brandes als "haltlose Spekulation". Er erklärte: "Das ist eine Diskriminierung der Deutschen. Wir sind nicht ein Volk, das Brandsätze wirft auf Türken." Es gebe "Idioten und Extremisten", die würden allerdings bekämpft- und zwar "nicht nur mit Lichterketten."

Der Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, ruft derweil zur Besonnenheit auf. Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hatte gefordert, die Behörden sollten die Ermittlungen in alle Richtungen fortführen.

Manuela Pfohl mit AP/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker