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Kindesmissbrauch: Urteil im Lügde-Prozess: Lange Haft und Sicherungsverwahrung für Angeklagte

Im Prozess um den jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat das Landgericht Detmold gegen zwei Männer hohe Haftstrafen verhängt und anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.

Landgericht Detmold: Missbrauchsskandal von Lügde: Lange Haftstrafen für Andreas V. und Mario S.

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat das Gericht gegen zwei Männer hohe Haftstrafen verhängt und anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Das Landgericht Detmold verurteilte den 56-jährigen früheren Dauercamper Andreas V. zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren, den 34-jährigen Mario S. zu zwölf Jahren.

V. und S. gelten als Haupttäter der jahrelang unentdeckt gebliebenen Missbrauchsserie, die nach ihrem Bekanntwerden Ende Januar bundesweit Entsetzen auslöste. Nach Gerichtsangaben wurde V. wegen 223-fachen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und 62-fachen Kindesmissbrauchs verurteilt. Die Strafe gegen V. erging wegen 48-fachen schweren Kindesmissbrauchs und 99-fachen sexuellen Missbrauchs. Dazu kamen jeweils einige andere Delikte wie die Herstellung kinderpornografischer Schriften und sexuell Nötigung.

Opfer sollen zum Teil im Kindergartenalter gewesen sein

Einige Opfer sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein: Der Großteil der Opfer war zu den Tatzeiten zwischen drei und 14 Jahre alt. Die meisten Taten sollen die Männer in der heruntergekommenen Unterkunft von Andreas V. auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Andreas V. 14 Jahre, für Mario S. zwölfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert sowie für beide die anschließende Sicherungsverwahrung. Der Verteidiger von Andreas V. hatte auf zwölf Jahre plädiert, der Verteidiger von Mario S. ein "möglichst großes vertretbares Entgegenkommen" für seinen Mandanten erbeten. Auch er rechnete mit einem Urteil "im zweistelligen Bereich". Beide hatten am letzten Verhandlungstag auf die frühen Geständnisse ihrer Mandanten verwiesen.

Der Angeklagte Andreas V. wird in den Saal des Landgerichtes geführt. Links sein Anwalt Johannes Salmen

Der Angeklagte Andreas V. wird von einem Justizmitarbeiter in den Saal des Landgerichtes geführt. Links sein Anwalt Johannes Salmen (Archiv)

DPA

Polizei und Jugendämter in der Kritik

Der Prozess hatte vor zehn Wochen Ende Juni begonnen. Aus Opferschutzgründen fand er in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am Rande des Prozesses hatten Nebenklägervertreter von schweren Traumata ihrer Mandanten berichtet. Die Detmolder Jugendschutzkammer hatte 33 Zeugen, darunter 16 Opfer und zwölf Angehörige, vernommen.

In dem Fall stehen auch Polizei und Jugendämter in der Kritik, weil sie Hinweisen auf den Hauptverdächtigen zunächst nicht nachgegangen sein sollen. Auch bei den Ermittlungen gab es Pannen, unter anderem verschwanden Beweismittel. Der nordrhein-westfälische Landtag hat deshalb einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Er soll die drei Themenbereiche Polizei und Staatsanwaltschaft, Jugendämter sowie den Umgang der Landesregierung mit dem Fall genauer beleuchten. Die nächste Sitzung ist für den 13. September geplant.

rw / DPA / AFP