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Neue Beweise im Fall Frederike 30 Jahre nach Mord an Tochter kämpft Vater für neuen Prozess

Hans von Möhlmann geht es um Gerechtigkeit. Seine Tochter wurde 1981 ermordet, ein Tatverdächtiger später aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Mehr als drei Jahrzehnte später gibt es neues Beweismaterial, aber keinen neuen Mordprozess.

Der ungesühnte Mord an einer Schülerin vor mehr als drei Jahrzehnten beschäftigt das Landgericht Lüneburg. Dabei wird es am Mittwoch um die Forderung des Vaters nach Schmerzensgeld gehen. In einem Zivilprozess fordert der Mann für die erlittenen physischen und psychischen Leiden zunächst 7000 Euro.

Die 17-jährige Frederike aus Hambühren in Niedersachsen war am 4.
November 1981 bei Celle vergewaltigt und erstochen worden, die junge
Frau war auf dem Heimweg von einer Chorprobe als Anhalterin in ein
Auto gestiegen. Grausam zugerichtet wurde die Tote in einem Wald
unweit ihres Heimatortes gefunden. Mehr als 30 Jahre später konnten
Experten des Landeskriminalamtes in Hannover dann 2012 mit neuen
Methoden DNA-Spuren sichern, die einen mittlerweile 56-Jährigen
schwer belasten sollen. Weil der aber in dem Mordfall bereits 1983
freigesprochen wurde, ist die Wiederaufnahme des Verfahrens nur
möglich, falls der Mann gesteht - neue Beweise sind kein Grund.

Frederikes Vater Hans von Möhlmann will mit der Zivilklage auf den
ungesühnten Tod der Tochter aufmerksam machen und den Tatverdächtigen dazu auffordern, etwas zu den Vorwürfen zu sagen. "Für mich ist es nicht zumutbar, dass er frei herumläuft", sagte der frühere Sozialarbeiter im Mai. Ein persönliches Erscheinen des Beklagten hat das Landgericht für Mittwoch aber nicht angeordnet.

35.000 Unterstützer im Internet

Eine am 1. Juli 1982 vom Landgericht Lüneburg verhängte lebenslange
Freiheitsstrafe hob der Bundesgerichtshof im Januar 1983 auf. Am 13.
Mai 1983 sprach das Landgericht Stade den Mann frei, die 2.
Schwurgerichtskammer hielt die Indizien - Reifenspuren und
Textilfasern - für nicht ausreichend.

Hans von Möhlmann kämpft dennoch gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Wolfram Schädler für eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Mitte Juli hat er eine Petition ins Netz gestellt, die Rechtslage zu überdenken und zu diskutieren. Erdrückende neue Beweismittel müssten berücksichtigt werden, fordert  Möhlmann unter dem Motto "Gerechtigkeit für meine ermordete Tochter  Frederike: Der Mord muss gesühnt werden können". Der Appell hat bereits rund 35.000 Unterstützer.

"Deshalb fordere ich Justizminister Heiko Maas auf, Paragraf 362 der
Strafprozessordnung zu ergänzen", heißt es da. "Es muss möglich sein,
ein Verfahren wieder zu eröffnen, wenn neue, vom Bundesgerichtshof
anerkannte wissenschaftliche Methoden einen freigesprochenen Täter
überführen."

Anwalt will Klage abweisen

Der Rechtsanwalt des 56-Jährigen, Matthias Waldraff, hat beantragt,
die Klage abzuweisen. Die Ansprüche seien verjährt, argumentiert
Waldraff. Der Freispruch sei zudem unverändert gültig, betont er.
"Auch wenn das an alle Beteiligten emotional höchste Ansprüche
stellt, so müssen wir dennoch gewährleisten, dass derjenige, der sich
zu seinen Gunsten auf eine aktuell bestehende Rechtslage beruft,
nicht geächtet wird", erklärte der Jurist. "Das gilt auch für seine
Familie." Waldraff verwies darauf, dass es sich bei der DNA-Spur nur
um einen neuen Verdacht handele.

Mit einem Urteil ist bei dem Prozess am Mittwoch nicht zu rechnen.
Voraussichtlich werde am Ende der Verhandlung noch am Mittwoch ein Verkündungstermin mitgeteilt, an dem die Entscheidung dann
bekanntgegeben wird, sagte ein Sprecher des Landgerichts. Das könne
in einem Zivilverfahren durchaus mehrere Wochen dauern.

jek DPA

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