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Macheten-Mord in London Angreifer sollen einen islamistischen Hintergrund haben


Entsetzen in London. Zwei Männer haben auf offener Straße einen britischen Soldaten zerstückelt und Hassparolen in Kameras gebrüllt. Sie sollen zu einer radikalen Islamform konvertiert sein.

Die beiden Männer, die einen britischen Soldaten in London brutal getötet haben, sollen Verbindungen nach Nigeria und zum Islamismus haben. Das verlautete aus dem Umfeld der britischen Regierung. Es soll sich um junge Leute handeln, die zu einer radikalisierten Form des Islam konvertiert sind, hieß es. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass sie Kontakt zu radikalen, islamistischen Terrorgruppen wie Boko Haram in Nigeria gehabt hätten.

Beide sollen noch am Donnerstag von Anti-Terror-Experten der Polizei verhört werden. Die Täter, die Medienberichten zufolge den muslimischen Ruf "Gott ist groß" ertönen ließen, zerstückelten ihr Opfer am helllichten Tage mit Messern und Macheten. Sie wurden von der Polizei gestellt und niedergeschossen. Nach Angaben eines Polizeisprechers werden sie in unterschiedlichen Krankenhäusern behandelt und dort von bewaffneten Polizisten bewacht.

Polizei meldet weitere Festnahme

Unterdessen nahmen die Ermittler einen weiteren Verdächtigen fest. In der Grafschaft Lincolnshire sei am Morgen von Scotland Yard ein Haftbefehl durchgesetzt worden, bestätigte ein Sprecher der Polizei in Lincolnshire. Der Haftbefehl stehe in Zusammenhang mit dem Mord in Woolwich. Nähere Angaben machte die Polizei zunächst nicht.

Premierminister David Cameron und der Londoner Bürgermeister Boris Johnson gehen von einem terroristischen Hintergrund der Tat aus. Cameron berief den Krisenstab ein, der dann tätig wird, wenn Fragen der nationalen Sicherheit berührt sind.

Mit blutbeschmierten Händen vor die Kamera

Der britische Fernsehsender ITV strahlte am Abend Amateuraufnahmen mit einem jungen Mann aus, der in seinen blutverschmierten Händen zwei Messer hielt. "Auge um Auge, Zahn um Zahn", rief der Schwarze und forderte zum Sturz der Regierung auf: "Wir schwören bei Allah dem Allmächtigen, wir werden niemals aufhören, euch zu bekämpfen." Er bedauerte, dass Frauen die Tat ansehen mussten. "Aber in unserem Land müssen unsere Frauen dasselbe ansehen."

Das Video scheint kurz nach der Tat aufgenommen worden zu sein - wirft aber viele Fragen auf: Es bleibt zum Beispiel unklar, warum der Gefilmte den Tatort nicht verlässt. Offen bleibt zudem, wer das Video gedreht hat.

Mann dringt mit Messer in Moschee ein

Der Anschlag wurde im Woolwich im Südosten der britischen Hauptstadt in der Nähe einer Kaserne verübt. Dort war das Opfer wahrscheinlich stationiert. Medienberichten zufolge versuchten die Angreifer auch, den Mann zu enthaupten. Der Soldat habe ein T-Shirt getragen, auf dem zur Unterstützung von Kriegsveteranen aufgerufen wurde.

Unmittelbar nach dem Anschlag ist es in Großbritannien zu islamfeindlichen Aktionen gekommen. Ein 43-Jähriger wurde festgenommen, als er mit einem Messer in eine Moschee in der Hauptstadt eindrang. Ein zweiter Mann wurde wegen Verdachts auf rassistisch motivierte Sachbeschädigung im Südosten des Landes festgenommen.

Sondersitzung des Nationalen Sicherheitskabinetts

Premierminister David Cameron hatte noch für den Abend eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheitskabinetts einberufen und sich umgehend auf den Rückweg von einem Besuch in Paris gemacht. Es gebe "starke Anzeichen", dass es sich um einen terroristischen Anschlag handele, sagte er. Großbritannien werde vor Terroristen "niemals einknicken". Cameron wird am Morgen eine zweite Sitzung des Sicherheitskabinetts leiten. Die Terrorwarnstufe in Großbritannien wurde jedoch nicht angehoben.

Die britische Innenministerin Theresa May sagte nach der ersten Sitzung des Sicherheitskabinetts, es sei ein Anschlag "auf alle in Großbritannien" gewesen. Londons Bürgermeister Johnson sagte, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handele es sich um einen Terroranschlag, wie ihn die Millionenmetropole schon mehrfach erlebt habe. Königin Elizabeth, die der Londoner Kaserne Ende Mai einen Besuch abstatten wollte, äußerte sich "besorgt" über den Angriff, wie ein Palastsprecher mitteilte.

"Das hat nichts mit Gott zu tun"

Die Polizei räumte den Tatort voller Blutlachen weiträumig ab. Die Sicherheitsvorkehrungen an Kasernen wurden verschärft. Zuletzt hatten im Juli 2005 vier Selbstmordattentäter in U-Bahnen und Bussen Anschläge verübt. Sie rissen 52 Menschen mit in den Tod und verletzten Hunderte andere Personen.

Die Menschen in Woolwich reagierten entsetzt. "Dass dies in einer lebendigen Großstadt passieren kann, ist schockierend", sagte eine Frau. Ein junger Muslim legte in der Nähe des Tatorts Blumen nieder. "Das hat nichts mit Gott zu tun. Es zerbricht einem das Herz", sagte er.

Terrorexperten warnen vor "einsamen Wölfen"

Terrorismusexperten hatten unlängst vor Anschlägen radikalisierter Einzelpersonen gewarnt. Solche "einsamen Wölfe" stellten ein großes Risiko dar, selbst wenn sie keine direkten Kontakte zur Al-Kaida hätten. Zu diesem Kreis werden auch die Attentäter von Boston vom April gezählt, die bei einem Bombenanschlag auf den Stadt-Marathon drei Menschen töten und mehr als 250 verletzten.

Unklar ist derzeit, ob die allgemeine Sicherheitslage in London von dem Vorfall beeinträchtigt ist. Am Wochenende werden Zehntausende Besucher aus Deutschland in der Stadt erwartet, wenn im Wembleystadion die Mannschaften von Borussia Dortmund und Bayern München im Finale der Fußball-Champions-League aufeinandertreffen.

kng/lin/Reuters/DPA DPA Reuters

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