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Machetenmord Die mutige Mutter von London


Kurz nach der Bluttat von London konfrontiert eine Frau die Attentäter. Sie verwickelt sie in ein Gespräch, bis die Polizei da ist. Der britische Premier Cameron lobt die 48-Jährige für ihre Courage.
Von Matthias Brügge

Wenige Augenblicke nach dem bestialischen Machetenmord von Woolwich kommt Ingrid Loyau-Kennett an den Ort der Terrortat. Die 48-Jährige will Erste Hilfe für das Opfer leisten, erkennt aber, dass der Mann schon tot ist, wie sie dem "Daily Telegraph" erzählte. Die mutige Mutter zweier Kinder konfrontiert die beiden Täter - und gewinnt so wertvolle Zeit bis zum Eintreffen der Polizei. Auf Fotos vom Ort des Geschehens ist die couragierte Frau zu sehen, wie sie mit einem der Täter spricht, der vor ihr steht, ein Messer in der gesenkten Hand.

Als Pfadfinderin ist die aus Cornwall stammende Frau ausgebildete Ersthelferin. Als sie im 53er-Bus am Ort der Tat vorbekommt, sieht sie den am Boden liegenden Mann. Sie geht von einem Unfall aus, als sie das hinter ihm stehende, zerstörte Auto sieht. Sie steigt aus, um dem Mann zu helfen. Sie fühlt den Puls des Opfers und stellt fest, dass es tot ist.

Dem "Daily Telegraph" berichtete sie, was dann geschah:

"Plötzlich stand der schwarze Typ vor mir mit einem Küchenmesser in der Hand. Es sah aus wie ein Schlachtermesser, so ein kleines Beil zum Durchtrennen von Knochen, und er hatte zwei große Messer. Er sagte zu mir: 'Geh von der Leiche weg.' Er war voller Blut, und ich dachte mir, ich sollte lieber mit ihm reden, bevor er weitere Leute angreift. Solche Leute haben meist eine Botschaft, also fragte ich: 'Was wollt Ihr?'

Ich fragte ihn, ob er das war. Er sagte ja. Und ich fragte, warum hast Du das getan? Und er sagte, weil der Mann Muslime in muslimischen Ländern umgebracht habe, der sei britischer Soldat. Ich sagte, wirklich? Und er sagte: 'Ich habe ihn umgebracht, weil er Muslime tötet, und ich habe die Schnauze voll davon, dass die in Afghanistan Muslime umbringen, die haben da nichts zu suchen.'"

"Du wirst verlieren, was machst Du jetzt?"

Inzwischen treffen immer mehr Leute ein, die Szene wirkt irreal, berichtete die 48-Jährige. Der Täter hätte nicht den Eindruck gemacht, als würde er unter Drogen stehen, als wäre er high. Er stand aber unter wahnsinnigem Druck und wäre er zu allem fähig gewesen. Loyau-Kennett weiter: "Ich sagte: 'Jetzt stehst Du allein gegen eine Menge Leute, Du wirst verlieren, was machst Du jetzt?' Er antwortete: 'ich will bleiben und kämpfen.'"

Dann dreht er sich weg und spricht mit anderen Passanten. Während mehr und mehr Menschen hinzukommen, spricht die tapfere Frau mit dem anderen Täter: "Der war viel ruhiger. Ich fragte ihn: 'Was ist mit Dir, könntest Du mir das geben, was Du in der Hand hast?' Ich wollte nicht von Waffen reden, aber ich dachte mir, besser er richtet sie auf jemanden wie mich anstatt auf irgendjemand anderen, da waren ja auch Kinder, die aus der Schule kamen."

Der britische Premierminister David Cameron lobte Ingrid Loyau-Kennett in der Onlineausgabe der "Times" als "leuchtendes Beispiel für Courage und Widerstand."


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