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Vermisstes Mädchen: Ex-Chefermittler: Eltern vertuschen Unfalltod von Maddie McCann

Madeleine McCann wurde nicht entführt, sondern ist tot - und ihre Eltern vertuschen das. Das glaubt der frühere Chefermittler Gonçalo Amaral. Seit Jahren ist er deswegen im Rechtsstreit mit den McCanns. 

Gonçalo Amaral vermutet, dass Maddie McCann bei einem Unfall starb

Gonçalo Amaral vermutet, dass Maddie McCann bei einem Unfall starb

Am 3. Mai 2007, kurz vor ihrem vierten Geburtstag, verschwindet Madeleine McCann aus ihrem Zimmer in einer Ferienwohnung in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve. Die Eltern Gary und Kate McCann, Ärzte aus dem britischen Rothley, starten eine aufwändige Medienkampagne auf der Suche nach ihrer Tochter. Bilder des kleinen, blonden Mädchens gehen um die ganze Welt. Doch Maddie bleibt verschwunden. Seit mittlerweile neun Jahren.

Gary und Kate McCann sind sich sicher, dass Maddie damals entführt wurde - und noch leben könnte. Was wirklich mit dem kleinen Mädchen geschehen ist, weiß niemand. Doch ein Mann meint, die Wahrheit zu kennen: Gonçalo Amaral, der frühere portugiesische Chefermittler in dem Fall. Er glaubt nicht an eine Entführung. Maddie sei gestorben und ihr Tod vertuscht worden, behauptet er bis heute - und ist deshalb seit Jahren in einem unerbitterlichen Rechtsstreit mit den McCanns.

Starb Maddie McCann bei einem Unfall?

Amaral hatte die Eltern zu Verdächtigen erklärt, bevor er überraschend aus seinem Amt abgezogen wurde. Im Jahr 2008 erschien sein Buch "Die Wahrheit über die Lüge", in dem er mutmaßt, das Kind sei bei einem Unfall ums Leben gekommen und die Eltern hätten dies geheim gehalten. Dafür will er zahlreiche Indizien gesammelt haben.

"Was ich weiß, sagt mir, dass Madeleine im Apartment 5A starb", schreibt er auf seiner Internetseite. Eine Entführung hält Amaral für unwahrscheinlich. Das Appartement der Familie sah seiner Meinung nach nicht danach aus, als habe ein Fremder die Wohnung betreten. Es seien keine Fußabdrücke gefunden worden. Auch am Fenster habe es keine Spuren eines Eindringlings gegeben - lediglich Fingerabdrücke von Kate McCann seien gefunden worden. 

Nach Angaben von Amaral wirkte das Bett von Maddie unbenutzt: Das Stofftier des Mädchens und die Bettdecke hätten nicht den Eindruck erweckt, als habe an dem Abend jemand darin gelegen. 

Leichengeruch im Appartement

Die portugiesischen Ermittler setzten auch Spürhunde ein, die Blut- und Leichengeruch erschnüffeln können. Sie sollen im Appartement sowie im Mietwagen der Familie angeschlagen haben. Das Auto hatten die Eltern erst nach Maddies Verschwinden angemietet. Auch an Kate McCanns Hose fanden die Hunde angeblich Leichengeruch.

Amaral vermutet, dass die Eltern ihren drei Kindern Beruhigungsmittel gegeben haben könnten, bevor sie die Wohnung am besagten Abend verließen, um sich mit Freunden in einem Restaurant zu treffen. "Die Zwillinge schliefen bis zwei Uhr nachts, obwohl ständig Menschen durch die Wohnung gingen und Lichter ein- und ausgeschaltet wurden. Selbst als sie in ein anderes Apartment getragen wurden, schliefen sie weiter. So ein Schlaf ist nicht normal", sagte er in einem Interview.

Die portugiesische Polizei mutmaßte damals, dass die Eltern das Medikament im Falle von Maddie möglicherweise zu hoch dosiert hatten und das Mädchen daraufhin starb. Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass die McCanns ihren Kindern tatsächlich Medikamente verabreicht hatten.

Amaral gewinnt Berufungsprozess

Fünf Monate lang ermittelte Amaral in dem Fall. Dann wurde er entlassen. Den britischen Behörden warf Amaral wiederholt vor, seine Ermittlungen nicht ernst zu nehmen und lediglich der Entführungsthese nachzugehen.

Die McCanns verklagten Amaral wegen Verleumdung und forderten eine Entschädigung in Millionenhöhe. Im April 2015 war der Portugiese in erster Instanz unter anderem zur Zahlung von 500.000 Euro an die Eltern verurteilt worden. Amaral ging in Berufung - und gewann den Prozess. Das Urteil sprach ein Gericht in Lissabon am Dienstag. Damit wurde auch das Verkaufsverbot für das Buch von Amaral aufgehoben.

Doch ein Ende des Streits ist nicht in Sicht: Die McCanns überlegen ihrerseits, Berufung gegen das Urteil vor dem Obersten Gerichtshof Portugals einzulegen. Das Paar beteuert bis heute seine Unschuld.

kis