Maddy´s Vater Besuch im Heimatort


"Sobald wir alle zusammen nach Hause gekommen sind, wird es eine große Party geben", sagte Gerry McCann, Vater der verschwundenen Maddy, den Einwohnern seines Heimatorts Rothley. Die portugiesische Polizei bekannte, dass die Hoffnung, Madeleine noch zu finden, allmählich schwindet.

Der 38jährige Brite war zu einem Kurzbesuch nach Großbritannien zurückgekehrt und nahm sichtlich gerührt zur Kenntnis, wie sehr sich Freunde und Nachbarn um die kleine Madeleine sorgen. Die Einwohner des britischen Dorfes haben das Kriegerdenkmal in einen "Maddy-Schrein" verwandelt. Knapp 23 Kilometer gelbes Band wickelten sie um Parkbänke, Straßenlaternen und Häuser. Unzählige Briefe und ein Berg von Plüschtieren sollen die McCanns daran erinnern, dass sie in ihrem Unglück nicht allein sind: "Das hilft uns wirklich – es ist einfach unglaublich und gibt uns allen Kraft", freute sich Madeleines Vater, der – umgeben von zahlreichen Dorfbewohnern – etwa 15 Minuten andächtig an dem "Schrein" verbrachte, um so viele Grußbotschaften wie möglich zu lesen.

McCann war nach Großbritannien gekommen, um sich über den Stand der Ermittlungen der britischen Polizei zu informieren. Außerdem traf sich der Herzspezialist mit Kollegen vom nahegelegenen Glenfield Hospital und führte Gespräche mit den Rechtsanwälten, die die Stiftung verwalten, die zum Auffinden von Madeleine eingerichtet wurde. Maddys Vater übernachtete allerdings bei Freunden, da er es nicht übers Herz brachte, ohne seine Familie in das nur einen Katzensprung entfernte Haus der McCanns zurückzukehren.

Opfer eines Pädophilen-Rings

Wie die Tageszeitung "The Guardian" schreibt, wendet die britische Polizei inzwischen auf der verzweifelten Suche nach Maddy eine neue Strategie an. Zwei Spezialisten der britischen Sondereinheit Ceop – child exploitation and online protection agency – die zur Verstärkung nach Portugal geschickt wurden, appellieren an alle Urlauber Fotos der Ferienanlage Ocean Club – aus der Maddy am 3. Mai verschwunden war – auf einer speziell für diesen Zweck eingerichteten Website hochzuladen (www.madeleine.ceopupload.com). Diese Vorgehensweise legt nahe, dass die Polizei inzwischen davon ausgeht, Maddy könnte das Opfer eines Pädophilen-Rings geworden sein, der das Mädchen nach der Entführung fotografieren und die Bilder ins Internet stellen wollte.

"Mit den Urlaubsfotos können wir die Ermittlungen weiter vorantreiben", sagte Jim Gamble, Chief Executive von Ceop, dem "Guardian". "Wir werden nach Leuten Ausschau halten, die irgendwie nicht ins Bild passen oder sich auffällig verhalten. Es spielt dabei keine Rolle wie unscheinbar die Information zu sein scheint – vielleicht ist es der fehlende Teil des Puzzles." Mithilfe einer speziellen Technologie ist es möglich, rund 1000 Fotos pro Stunde einzuscannen und zu vergleichen. Die britischen Beamten gehen davon aus, dass die Täter den Nachwuchs der McCanns zunächst auf der Ferienanlage beobachteten und dabei vielleicht durch Zufall von einem Urlauber fotografiert wurden.

Wenig Hoffnung in Portugal

Die portugiesische Polizei konzentriert sich unterdessen vor allem auf Madeleines zweijährige Geschwister in der Hoffnung von den Zwillingen neue Informationen über die Täter zu bekommen, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Sean und Amelie sollen beide an der Seite von Maddy geschlafen haben als sie aus dem Hotelzimmer der McCanns entführt wurde. Es wird angenommen, dass die Zwillinge kurz aufwachten, während die Entführer zuschlugen, und so der Polizei wertvolle Hinweise für einen unverhofften Durchbruch in dem rätselhaften Fall liefern könnten. Die Portugiesen haben allerdings auch zum ersten Mal zugegeben, dass ihre Hoffnung, Madeleine noch zu finden, allmählich schwindet.

Gerry McCann kehrte nach seinem Abstecher in die Heimat wieder nach Praia da Luz zurück, wo ihn seine Frau Kate und die Zwillinge empfingen. Die McCanns wollen auch in absehbarer Zukunft in Portugal bleiben und dort mit Leibeskräften die Suche nach Maddy vorantreiben. Denn trotz der scheinbar aussichtslosen Lage – seit 19 Tagen fehlt von Maddy jede Spur – glauben die Eltern fest daran, dass ihre kleine Tochter noch am Leben ist.

Frank Diebel

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