HOME

Madeleine McCann: Eine Tragödie - so oder so

Das Kind verschwunden, die Eltern verzweifelt: Seit vier Monaten erschüttert das Schicksal der Familie McCann die Menschen. Nun stehen die Eltern selbst unter Verdacht. Haben sie die ganze Welt getäuscht?

Von Cornelia Fuchs und Bernd Volland

Am Samstag fehlte etwas, hier am Kirchenplatz, als das Meer unten am Strand sanft den Sand leckte, als von der Promenade eine Sängerin Schlager trällerte und die Touristen in Wind und Rhythmen schaukelten. Als man Raketen in den Himmel feuerte, blaue, rote und grüne. Grün, das ist die Farbe der Hoffnung, und diese "Findet Madeleine"- Armbänder hatten die McCanns und ihre Freunde ja auch in Grün machen und verteilen lassen, damit die Menschen zeigen konnten: Wir fühlen mit euch, wir suchen mit. Aber die McCanns fehlten heute.

Die McCanns, deren Sorge sich wie ein schweres Tuch über dieses kleine Dorf gelegt hat. Die schöne Kate und der entschlossene Gerry waren nicht zum Fest zu Ehren von "Nossa Senhora da Luz" gekommen. Sie waren auch nicht wie geplant in der Kapelle "Unserer heiligen Dame des Lichts" erschienen, wo die Leute neben dem Altar einen eigenen kleinen Schrein für die McCanns und deren kleine blonde Tochter mit dem außergewöhnlichen Mal im Auge errichtet hatten. Wo die Devotionalien an der schweren Holzpforte hängen, die Bildchen, die Schleifen, die von Kinderhand gekrakelten Kärtchen: "Madeleine, wir vergessen dich nicht!" Man hat das meiste inzwischen weggeräumt. Aber Madeleine wird nicht vergessen werden. Auch nicht die McCanns. Wie stehen diese Eltern das durch? Diesen Schmerz? Diese Ungewissheit? Den Druck und die üblen Verdächtigungen? Das haben die Menschen sich gefragt und damit alle Zweifel betäubt, hier in Praia da Luz, Algarve, Portugal, 5000 Einwohner, dazu in der Hochsaison doppelt so viele Touristen. Das haben sich die Menschen in der ganzen Welt gefragt, und das Wort ist nicht zu groß: die ganze Welt!

"Sie haben sie geholt!"

Oder: Wie kann jemand die ganze Welt um den Finger wickeln, um ein Verbrechen zu vertuschen? Lautet die Frage vielleicht so? Am 3. Mai des Jahres 2007 um 18 Uhr hatten Kate und Gerry McCann, beide 39, beide Ärzte aus Rothley, Leicestershire, England, ihre Kinder aus dem Kinderhort des Ocean Clubs in Praia da Luz geholt. Ein Ort für Familien, keine dieser englischen Sauf-Enklaven wie Albufeira ein paar Kilometer östlich. Sie gehen in ihr Appartement, bringen um 19.30 Uhr die zweijährigen Zwillinge Sean und Amelie und die Tochter Madeleine, die ein paar Tage darauf vier Jahre alt werden würde, zu Bett. Madeleine kuschelt sich an ihre kleine rosa Schmusekatze. Die Eltern schlendern um 20.30 Uhr in die Tapasbar des Ocean Clubs, es ist Urlaub, hier strahlt die Sonne den ganzen Tag, aber der Wind kühlt, hier toben Kinder am Strand, hier lauert bestimmt nichts Böses, Urlaub halt, wer macht sich da Sorgen? So werden es die McCanns später erklären. Man sitzt zu neunt bei Tisch, isst, trinkt Wein, nicht zu viel, nur drei Flaschen, sagt Kate McCann später. Von der Bar blickt man auf die Terrassenfenster des Appartements. Die Eingangstür liegt auf der Rückseite, davor ein Parkplatz und eine kleine Gasse, dann der nächste Wohnkomplex, vor dem Oleanderbüsche stehen, die duften, aber auch so dicht sind, dass man nicht hindurchblicken kann.

Die McCanns haben kein Babyfon bei sich. Aber die Freunde bei Tisch, die meisten Ärzte, kontrollieren abwechselnd die Appartements. Um 21.05 Uhr ist Gerry dran, die Kinder schlafen tief, eine Tür steht offen, aber er denkt sich nichts dabei. Um 21.30 Uhr lauscht ein Freund noch mal ins Zimmer, alles ist still. Um 22 Uhr schaut Kate Mc- Cann nach, kurz darauf kehrt sie an den Tisch zurück und schreit: "Sie haben sie geholt!" Madeleine ist weg. So wird die Version der Eltern und ihrer Freunde gehen, so wird der Abend in Interviews und Vernehmungen geschildert. Man wird die Tage zählen, nach Madeleines Verschwinden, ein Spendenfonds wird gegründet, der über 1,5 Millionen Euro zur Unterstützung der Suche sammelt. An Tag 10 spricht David Beckham im Fernsehen für Madeleine. An Tag 27 besuchen die McCanns den Papst. An Tag 100 wird in Praia da Luz ein Ehrengottesdienst gehalten und eine weltweite Internetsuchplattform für vermisste Kinder gestartet. Und an Tag 128 wird Kate McCann in einem silbernen Renault vor das Gebäude der Kriminalpolizei in Portimão gefahren, einen schmalen grauen Bau, vier Stockwerke hoch, hier wird versucht, einen der weltweit meistbeachteten Kriminalfälle der vergangenen Jahre zu klären. Kate Mc- Cann wird vorbei an Hunderten von Journalisten und Hunderten von Schaulustigen geführt, von denen einige sie auspfeifen, weil die Zeitungen schon geschrieben haben, um was es heute geht, am Tag davor war sie schon elf Stunden verhört worden.

Die Eltern im Visier der Ermittler

Sie und Ihr Mann seien "Arguidos", werden ihr die Polizisten erklären, "Verdächtige". Verdächtigt der fahrlässigen Tötung ihrer Tochter und des heimlichen Entsorgens der Leiche. Die Beamten stellen scharfe Fragen. Es sind Männer, die nicht als zimperlich gelten. Gonçalo Amaral, der Leiter der "Polícia Judiciária", der Kripo in Portimão, gilt als harter Hund. Wildes schwarzes Haar, die Statur eines Metzgers, eigentlich ist er Spezialist für Drogenfahndung, einer, der Dealer auseinandernimmt, viel raucht, literweise Kaffee trinkt und flucht. Auch einer, der etwas zu beweisen hat. Vor drei Jahren war hier schon mal ein Kind spurlos verschwunden, Joana, ein Mädchen aus einem Bauerndorf. Es ging um Inzest und die Möglichkeit, dass die Leiche an die Schweine verfüttert worden war. Erst als die Spezialisten aus Lissabon anreisten, kam Fahrt in den Fall, und damals wurden die Beamten von der Algarve stark kritisiert. Die Mutter und ihr Bruder wurden wegen Mordes verurteilt, aber es hieß auch, das Geständnis sei unter Prügel entstanden, was nie bewiesen wurde.

Schon damals fluchte Amaral über die Journalisten, die einem bei "jedem Scheiß" an den Fersen klebten. Jetzt haben die sich vervielfacht und schreiben, wie schusselig seine Ermittler seien. Und die Quelle der Pannengeschichten dürfte nicht selten im Kreis der McCanns gelegen haben. Heute fehlt wieder ein Kind, heute haben sie wieder die Mutter vor sich, fragen: Haben Sie Ihren Kindern Beruhigungsmittel gegeben an jenem Abend? Nein. Gab es eine Spritze in Ihrem Appartement? Unfug. Die Polizisten führen ihr ein Video vor, das zeigt, wie Leichenhunde ihre Kleider und ihren Mietwagen beschnüffeln und wie sie dabei anschlagen. Woher kommt der Leichengeruch Ihrer Kleidung? Sie sei Ärztin, da komme man mit Toten in Kontakt. Haben Sie die Leiche Ihrer Tochter in Ihrem Wagen wegtransportiert? Man müsse verrückt sein zu glauben, sie hätten etwas damit zu tun. Gestehen Sie, wenn wir Ihnen versprechen, dass Sie nur zwei Jahre bekommen? Es gebe nichts zu gestehen, sagt Kate. Genau wie Gerry, der auch verhört wird.

Der Wind hat sich gedreht

Bei einer Untersuchung waren vor mehr als einem Monat von englischen Hunden Spuren gefunden worden, im Appartement und im Auto der McCanns, analysiert wurden sie in Birmingham, wo es bessere technische Möglichkeiten gibt, und nun liegen erste Ergebnisse vor. Amaral und seine Männer sollen jetzt ein anderes Bild von jenem Abend haben, denn auch die Zeugenaussagen sollen widersprüchlich sein. So soll die Geschichte gehen, an die die Ermittler glauben: Noch bevor die McCanns zum Abendessen mit den Freunden gehen, stirbt Madeleine, wahrscheinlich ein Unfall, vielleicht durch Beruhigungsmittel. Und noch vor dem Essen wird sie aus der Wohnung geschafft. Versteckt, verscharrt, was auch immer. Und Wochen später weggebracht, eben in jenem Mietwagen, in dem die Hunde Spuren gefunden haben sollen. Am Tatabend wird danach diniert, gelacht und getrunken, angeblich mehr, als die McCanns zugeben. Man sieht auch nicht so häufig nach den Kindern wie behauptet. Und dann kommt Kate McCann gegen 22 Uhr zum Tisch zurück und berichtet von einer Entführung.

Sie sei erstaunlich gefasst gewesen, als sie aus der Wohnung zurückkehrte, behaupten Zeugen angeblich, kein entsetztes Kreischen aus der Wohnung sei zu hören gewesen. Kate sagt später, ihr sei sofort klar gewesen, dass Madeleine entführt worden sei: Habe sie doch Madeleines Plüschtier in einem Regal in unerreichbarer Höhe für ein Kind entdeckt. Ein Erwachsener muss es dort hingelegt haben. Ein Kidnapper, der ein Kind aus einer Wohnung stiehlt, aber noch ordentlich Sachen in Regale räumt? Und warum lehnte sie angeblich das Angebot einer Nachbarin ab, die Polizei zu rufen, und behauptete, das sei schon geschehen? Dabei sei der Anruf erst 40 Minuten später erfolgt. Warum lässt sie nach Entdeckung der Entführung ihre beiden anderen Kinder allein in der Wohnung zurück? Die beide tief weiter geschlafen haben sollen trotz des Rummels. Wie betäubt? Im Ort erzählt man sich, das Kind sei sehr aufgeweckt gewesen, aufgedreht, beinahe anstrengend, da kann schon mal was schiefgehen beim Versuch, es ruhig zu stellen. Gerry rastete neulich beim Interview vor laufenden Kameras aus, ein Choleriker? Kate werde von den Ermittlern angeblich als "mental unausgeglichen" eingestuft.

McCanns standen von Anfang an unter hochprofessioneller Betreuung

Warum gaben die McCanns an, bereits um 20.30 Uhr in die Bar gekommen zu sein, obwohl es erst eine knappe halbe Stunde später gewesen sein soll? Hat man einfach nicht auf die Uhr geschaut, oder hatten sie eine halbe Stunde mehr Zeit, das Kind verschwinden zu lassen? Und: Warum schlugen Leichenspürhunde in der Wohnung an? Und auf dem Weg Richtung Strand? Warum, als sie an Kates Kleidern, im Wagen, am Stofftier schnüffelten? Wo das Kind doch lebend entführt worden sei? Und was ist mit den Spuren, die im Appartement und vor allem angeblich auch in einem Wagen der McCanns gefunden wurden? Er wurde erst angemietet, als Madeleine schon lange verschwunden war. Wie kommen dann die Spuren dorthin? Es könnte eine Schlinge sein, die sich nun zuzieht. Oder nur ein verhedderter Knoten in den Ermittlungen. Die McCanns konnten sich in diesen Tagen nicht mehr aus dem Haus wagen, aus der Vila "Vista Mar" an einem Hang oberhalb des Dorfes.Mehr als 50 Journalisten belagerten sie, in und vor der schmalen gepflasterten Zufahrt, unter ihnen auch viele Engländer, die das Lauern der Portugiesen auf die McCanns bisher immer als rücksichtslos beschimpften.

Mehr als ein Dutzend Fernsehkameras visierten das grüne Tor an, hinter dem die Familie sich verschanzte. Geschützt von zwei portugiesischen Polizisten - vor den Geistern, die das Paar selbst gerufen hatte. Die McCanns standen unter hochprofessioneller Betreuung, von Anfang an. Bald nach dem Verschwinden des Kindes reiste der Direktor der regierungseigenen Media Monitoring Unit aus England an, ein Mann, der direkt dem Kabinett untersteht: Clarence Mitchell, ein renommierter Spindoktor, ein Medientrickser. Der angehende Premierminister Gordon Brown telefonierte mehrmals mit Gerry McCann. Er höchstpersönlich soll Beamte im Außenministerium gedrängt haben, Druck auf die portugiesischen Behörden auszuüben, mehr Informationen an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Der Kardinal der Londoner Diözese Westminster setzte sich persönlich für eine Audienz der McCanns beim Papst ein. "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling, der Virgin-Boss Richard Branson, die Fußballer Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney versprachen Geld für Hinweise auf den Verbleib von Madeleine, über 2,5 Millionen Pfund kamen so zusammen.

Und David Beckham hielt Madeleines Bild in die Kameras. Er war von Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson angesprochen worden, den ein ehemaliger Vorgesetzter von Gerry McCann kannte. Ein Team aus Freunden und Familienmitgliedern steht hinter den McCanns, und sie haben das ganz große Rad angeschoben. Gerry und Kate McCann kommen aus der britischen Arbeiterklasse, aus einer Welt, in der die Eltern sagen, dass die Kinder es einmal besser haben sollen. Gerrys Familie ist aus Irland nach Schottland eingewandert. Der Vater war Schreiner, die Mutter arbeitete in einer Keksfabrik, sie schufteten für ihre fünf Kinder, die es später tatsächlich besser hatten. Vor allem Gerry, schottischer Champion im 1500- Meter-Lauf für unter 19-Jährige, dann Medizinstudent und heute Herzspezialist. Während seiner Ausbildung in Glasgow lernte er Kate kennen, das einzige Kind eines Schreiners aus Liverpool. Ausgezeichnetes Examen, danach Gynäkologin, bevor sie Anästhesistin wurde und schließlich Allgemeinärztin, weil man so mehr Zeit für die Familie hat. Aber erst nach zahlreichen Versuchen mit künstlicher Befruchtung klappte es 2002 mit einer Schwangerschaft: Madeleine. Ein wildes Mädchen, hatte Koliken und schrie bis zu 18 Stunden am Tag. Aber ein Geschenk, sagen die Eltern, die gelernt haben zu kämpfen.

Verdächtige mit außergewöhnlicher Macht

Ob schuldig oder nicht: Die McCanns sind dank der Kampagne Verdächtige mit außergewöhnlicher Macht geworden. Bei jedem kritischen Ton in der portugiesischen Presse wurde auf der Insel aus den Rohren des Boulevards eine patriotisch munitionierte Empörungskanonade gen Portugal gefeuert: "Widerliche Schmutzkampagne", "Gefühllose Ermittler". Und hinter vorgehaltener Hand klagen die portugiesischen Polizisten auch über den enormen politischen Druck aus Großbritannien. Wenn die Verdächtigungen berechtigt sind, wäre der Fall Madeleine eine Art Medien- Verbrechen, eine paradoxe Form von "Big Brother", in dem die öffentliche Aufmerksamkeit nicht bloßstellend, sondern als Tarnung wirkt. Mit dem perfiden Nebeneffekt, dass Abertausende mitfühlende Menschen Geld spendeten, mit dem die Täter auch ihre mediale Verteidigungsstrategie finanziert haben. Vielleicht ist es das perfekte Verbrechen oder zumindest das perfekte Vertuschen. Vielleicht aber auch werden die McCanns nun von einer Welle erdrückt, die doch nur die Erinnerung an ihre vermisste Tochter erhalten sollte. Vielleicht war es aufrichtig, als Kate McCann noch vor der Vernehmung sagte: "Bitte vergesst nicht, weiter nach ihr zu suchen, auch wenn gerade alles auf uns, die Eltern, blickt!"

Es war jedenfalls in all den Monaten in England kein Bekannter der McCanns zu finden, der Zweifel an ihnen geäußert hat. Und es gibt auch Zweifel an den Zweifeln. Der Mietwagen mit den verdächtigen Spuren wurde erst 25 Tage nach Madeleines Verschwinden angemietet. Wie sollen die Eltern die Leiche 25 Tage versteckt haben, an diesem Ort der Spürhunde und Polizeitrupps, die noch in der Nacht des Verschwindens die Suche begannen? Wie sie unbemerkt weggebracht haben zu einer Zeit, als permanent Dutzende Journalisten auf sie schauten? Wie könnte ein Mensch über hundert Tage lang ein solches Schauspiel veranstalten? Und ist mit dem angeblich verdächtigen Beruhigungsmittel einfach nur das Kinderschmerzmittel Calpol gemeint, von dem Gerry zugibt, es den Kindern manchmal zu geben, eine Art Paracetamol, harmlos? Die 78,95-prozentige Madeleine-DNA-Probe, von der portugiesische Zeitungen geraunt haben, stamme jedenfalls nicht aus dem Auto, schreibt die englische Zeitung "Observer" unter Berufung auf Quellen aus dem Birminghamer Labor. Und wie aussagekräftig sind Spuren, die man erst Wochen nach der Tat suchte, nachdem bereits neue Gäste im Appartement wohnten?

Die umstrittene Abreise der McCanns

Auch die perfekt organisierte Medienkampagne, die die McCanns jetzt suspekt macht, war keineswegs so von ihnen gesteuert, wie es nun wirkt. Sie war ein Selbstläufer, der vor allem von Freunden angeschoben wurde. Und Premierminister Gordon Brown musste sicher nicht allzu sehr gedrängt werden, sich für das offenbar tragischste Paar des Jahres einzusetzen. Tappen die portugiesischen Ermittler nur im Dunkeln, und versuchen sie auf gut Glück, bei den Eltern an den Daumenschrauben zu drehen? Rund 70 Prozent aller Gewalttaten an Kindern werden von Angehörigen oder Bekannten begangen. "Man macht jemanden nur zum Arguido, wenn man wirklich glaubt, etwas gegen ihn in der Hand zu haben", sagt Paulo Pereira Cristóvão. Er war im Fall Joana einer der Ermittlerstars aus Lissabon, die anreisten, um Kommissar Amaral und seinen Kollegen an der Algarve zu helfen. Die Algarvios hätten gelernt seitdem, und es gebe in Portugal dieselben kriminalistischen Möglichkeiten wie überall in Europa. Aber da Polizisten hier laut Gesetz nichts an die Öffentlichkeit geben dürfen, sieht es oft so aus, als wüssten sie nichts. "Heute leisten die Kollegen perfekte Arbeit", sagt Cristóvão. Mehr dürfe er nicht sagen, auch wenn er nicht mehr im Polizeidienst steht, sondern freiberuflicher Berater ist. Die Lösung sei ein Mosaik, aber der entscheidende Stein, sagt er, seien die Spuren im Auto. "Und ich sage nicht, dass es Blut war."

Tag 129. Die Polizei schiebt die Meute zur Seite. Zwei Wagen drängen aus der Einfahrt der Vila "Vista Mar". Im ersten sitzt der anglikanische Pfarrer Haynes Hubbert, seine Frau und ihr Kind. "Findet Madeleine"- Aufkleber pappen an den Fenstern, die Blitze leuchten den Wagen aus, und Journalistenhandys klingeln in witzigen Tönen. Hubbert gilt als die größte Stütze der Mc- Canns vor Ort. Sie hatten gleich seelischen Beistand gesucht, hier in der "Nossa Senhora da Luz". Nun könnte auch das nur Teil einer eiskalten Strategie gewesen sein: Selbst Gottes Segen haben sie missbraucht, um ihre Lügen glaubhafter erscheinen zu lassen. Oder aber mit genau dieser Unterstellung wäre zwei Menschen, die aufrecht um ihr Kind bangen, das Wichtigste in Abrede gestellt, das ihnen bleibt: ihr Glaube. Am nächsten Tag in aller Frühe drängt sich wieder ein Wagen aus der Einfahrt, er wird verfolgt von Kamerateams, seine Fahrt wird live auf SIC-Portugal und Sky News England übertragen. Die McCanns fahren zum VIP-Eingang des Flughafens Faro, wo sie an einer Schranke ihre Verfolger hinter sich lassen, die Außenwelt, wenn auch nur kurz. Sie besteigen den Easy-Jet-Flieger 6552, zurück in die East Midlands, England. Sie sind geflohen, vielleicht vor dem Druck, der ihre Lügen bald auffliegen lassen könnte, oder vielleicht vor der gnadenlosen Belagerung und dieser herzzerreißenden Ungerechtigkeit. Vielleicht. Einzig sie selbst wissen genau, wovor nun wirklich.

print
VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?