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Mann mit Kopf gegen Fassade geschubst Empörung über Polizeieinsatz in Magdeburg: "Unfassbarer Akt roher Gewalt"

Polizei in Magdeburg
Die Polizei war in Magdeburg mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz – der Vorfall ereignete sich an einem Wohnblock in der Jakobstraße
© Privat, Peter Gercke / DPA
Mit dem Kopf voran gegen eine Hausfassade gestoßen? Das Vorgehen der Polizei gegen einen jungen Mann in Magdeburg sorgt für entsetzte Reaktionen und dürfte ein Nachspiel haben. Die Polizei schweigt zu Einzelheiten.

In Magdeburg sorgt das Vorgehen der Polizei am Rande einer Demonstration am Wochenende für heftige Kritik – und für Ermittlungen.

Auf einem 18-sekündigen Video, das unter anderem das Bündnis "Solidarisches Magdeburg" bei Twitter verbreitet hat, ist die zumindest vorübergehende Festnahme eines jungen Mannes durch zwei Polizeibeamte am Samstag dokumentiert.

Polizeivorgehen in Magdeburg wird untersucht

Es ist zu sehen, wie einer der Polizisten den Mann offenbar von hinten am Kragen oder Nacken packt und diesen mit dem Gesicht voran gegen die Fassade eines Wohnblocks in der Magdeburger Jakobstraße stößt. Teile der Fassadenverkleidung gehen durch die Wucht des Aufpralls zu Bruch, der Mann wird wenig später zu Boden gebracht und abgeführt. 

"Solidarisches Magdeburg" äußerte sich entsetzt über das Vorgehen der Polizei und bezeichnete es in einem Statement als einen "unfassbaren, durch nichts zu rechtfertigenden Akt roher Gewalt" seitens der Beamten. "Das wird Konsequenzen haben", kündigte das Bündnis an.

Polizei will keine Auskunft geben

Auch der Magdeburger Polizei ist die Aufnahme bekannt, es steht der Vorwurf unrechtmäßiger Polizeigewalt im Raum. "Es wurden zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet", teilte ein Sprecher der Polizeiinspektion Magdeburg auf Anfrage mit. Nach stern-Informationen geht es bei mindestens einem der Verfahren um den Verdacht der Körperverletzung im Amt.

Weitere Stellungnahmen wollte die Pressestelle der Polizei nicht abgeben. Da die Videosequenz weder etwaige Vorfälle vor der Festnahme noch das Geschehen danach zeigen, wurde durch den stern unter anderem um eine Bewertung der Szene und möglicher vorangehender Ereignisse durch die Polizei gebeten. "Da es sich hierbei um laufende Verfahren handelt, können wir keine Auskünfte zum Verfahrensstand geben oder Fragen, die die Ermittlungen berühren, beantworten", hieß es.

Auch zur Frage, ob die Identität der Beamten, von denen mindestens einer kein Landeswappen an der Uniform trug, bekannt sei, machte die Polizei keinerlei Angaben. Gleiches gilt für den Gesundheitszustand des Festgenommenen. 

Ein Zeuge, der am Samstagnachmittag nach eigenem Bekunden in der Jakobstraße vor Ort war, schilderte dem stern eine Knieverletzung und blutende Wunden im Bereich der Augen des kurzzeitig Festgenommenen. Der junge Mann sei von freiwilligen Sanitätern versorgt und anschließend wieder von der Polizei entlassen worden. Gegen ihn laufe ebenfalls ein Ermittlungsverfahren. Es handele sich um einen 17-Jährigen aus Magdeburg, so der Zeuge. Die Polizei machte zur Identität und zum Tatvorwurf keine Angaben.

Der innenpolitische Sprecher der in Sachsen-Anhalt mitregierenden Grünen, Sebastian Striegel, hat nach eigenen Angaben das Innenministerium aufgefordert, "Informationen zum Sachverhalt, den Begleitumständen und zu etwaigen Konsequenzen" zu liefern. Auch die Linksfraktion kündigte an, den Einsatz im Innenausschuss zu thematisieren und forderte eine "umfassende Aufarbeitung".

Der Vorfall spielte sich am Rande zahlreicher Demonstrationen und Kundgebungen in Magdeburg ab. Unter anderem demonstrierten nach Polizeiangaben rund 100 Neonazis in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Etwa 500 Menschen sollen sich an Gegenprotesten beteiligt haben, zu denen auch das Bündnis "Solidarisches Magdeburg" aufgerufen hatte. "In Anbetracht der Vielzahl der Veranstaltungen verlief der Einsatz weitestgehend störungsfrei", teilte die Polizei nach Abschluss ihres Einsatzes mit mehreren Hundertschaften aus sechs Bundesländern am Samstag mit. Fest- oder Ingewahrsamnahmen habe es keine gegeben.

Quellen: "Solidarisches Magdeburg", Strafgesetzbuch, Sebastian Striegel, Linken-Fraktion Sachsen-Anhalt, Polizeiinspektion Magdeburg


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