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Polizei vermutet "Trophäensammlung" Die grausamen Details der Morde des Manfred Seel

Mindestens fünf Frauen soll Manfred Seel ermordet haben, möglicherweise auch einen kleinen Jungen. Allen Opfern fehlten Körperteile - der Täter soll sie als Trophäen mitgenommen haben. Doch wo könnten die Überreste versteckt sein?

Letzte Sicherheit wird es nie geben, nicht für die Familie von Manfred Seel, nicht für die Hinterbliebenen seiner möglicherweise zahlreichen Opfer. Doch die Polizei sieht ihn "höchst wahrscheinlich" als Mörder von mindestens fünf Frauen. Viele weitere Fälle werden untersucht. Unter den fünf "wahrscheinlichen" Opfern hängen die Porträts von einer Handvoll weiterer Frauen - und von Tristan. Der 13-jährige Jungen wurde 1998 ermordet und schlimm zugerichtet aufgefunden. Zwar passe er nicht ins Opferprofil. Die Tat sei aber so ähnlich ausgeführt, dass die Ermittler eine Verbindung sehen. Weil Seel bereits seit 2014 tot ist, wird es nie einen Prozess geben, in dem das letztlich geklärt werden könnte. Doch die Polizei begibt sich auf die Spur von Seels grausamen Geheimnis.

Das wahrscheinlichste Opfer, eine seit 2004 vermisste Prostituierte, wurde zerteilt in einer blauen Tonne in seiner Garage gefunden, teilweise bei lebendigem Leib zerstückelt. Einen "ausgeprägten sexuellen Sadismus" attestieren die Ermittler Manfred Seel. Wer so töte, tue das meist nicht zum ersten Mal, heitß es. Mindestens vier weitere Frauen bringen sie in direkte Verbindung mit Seel. Zwei im Jahr 1971 ermordete Frauen, zwei weitere - wie das Opfer aus der Tonne Prostituierte - aus den Jahren 1991 und 1993. Wichtigste Übereinstimmung: Von allen Opfern wurde mindestens ein Körperteil oder Organ nie gefunden. Der Täter soll sie als Trophäe mitgenommen haben. Auch von der Toten in Seels Garage fehlt ein Arm. Laut Polizei besonders auffällig: Von allen "wahrscheinlichen" Opfern fehlt ein anderes Körperteil. Mal sei es ein rechtes Bein, mal ein linker Arm - "wenn Sie das zusammenrechnen, könnten Sie sich tatsächlich dadurch einen neuen Körper herstellen".

In den vier Fällen aus den 70ern und 90ern deuten noch weitere Indizien auf Seel als Täter hin. So hatte er seine Ausbildungsstätte direkt neben dem Altersheim, in dem beide Frauen 1971 arbeiteten, er soll dort auch Haushaltsauflösungen gemacht haben. Die beiden Prostituierten Anfang der 90er stammten demnach aus demselben Stadtteil, wie die Tote in der Tonne.

Fall Manfred Seel: Ermittler wenden sich an Öffentlichkeit

Die Ermittler gehen auch mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit. Seels starb im Alter von 67 Jahren, er besaß eine Firma für Garten- und Landschaftsbau sowie Haushaltsauflösungen. Vielleicht bekam er so Zugang zu weiteren Lagerstätten. Vielleicht liegen dort seine Trophäen. Die Ermittler machten nicht den Eindruck, konkrete Hinweise auf den Ort zu haben, wo Seel die Leichenteile versteckt haben könnte. 

Auf seinem Computer fand die Polizei 32.000 Bilder, die als "Gewaltpornografie" beschrieben werden - inklusive Kannibalismus. Manche der Verletzungsmuster habe man bei seinen Opfern wiedererkannt. Seel soll sich auf Bildern Inspiration geholt und seine Fantasien dann später sadistisch ausgelebt haben. "Einsatz scharfer Gewalt in sexuell relevanten Zonen", heißt das dann, wenn es ein Polizist vorträgt. Details wolle man nicht nennen.

Polizei: "Häufung von Leichenfunden im Raum Frankfurt"

Zwischen den untersuchten Fällen klafft eine große Lücke von 1971 bis in die späten 80er-Jahre. Die Ermittler erklären das mit "geänderten Lebensumständen". Seel habe geheiratet, eine Familie gegründet und so womöglich den Drang zu töten länger unter Kontrolle gehabt. Später könnte ihn dieser dann wieder übermannt haben.

Die meisten möglichen Morde Seels stammen aus den späten 80er und den 90er Jahren. Es gebe eine "Häufung" von Leichen- und Leichenteilfunden im Raum Frankfurt in dieser Zeit, berichtet die Polizei. Auch das Verletzungsbild zeige Übereinstimmungen. Unter anderem zwei einzelne Schädel seien gefunden worden. Nachweisen kann man Seel aber wohl weder diese, noch die "wahrscheinlichen" Fälle. Auch weil die Taten weit zurückliegen und sich die Beweislage daher laut Polizei als "schwierig" darstellt. Bei der Exhumierung Seels habe man nur sechs von zehn Fingern so rekonstruieren können, dass man taugliche Fingerabdrücke nutzen kann. "Eine eindeutige Zuordnung, aber auch ein eindeutiger Ausschluss sind so schwer möglich", heißt es auf der Pressekonferenz des LKA.

Die Ermittler beschreiben Seel als "ganz normalen, in die Gesellschaft integrierten Familienvater". Im Jahr 1996/97 machte er einen Alkoholentzug, war seitdem trocken. Er sei durchgehend berufstätig und musisch begabt gewesen, habe in einer Band gespielt. Das Fazit der Polizei: "Den hätten wir ohne den Fund sicher niemals in unsere Ermittlungen einbezogen."

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