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Mutmaßlicher Serienmörder: Polizei sucht überlebendes Opfer von Manfred Seel

Den Verdächtigen Manfred Seel können die Fahnder nicht mehr befragen. Sein privates Umfeld ahnte nichts von einem Doppelleben. Daher suchen die hessischen Ermittler nach Zeugen für die dunkle "andere Seite" des 67-Jährigen.

Die Ermittler auf der Pressekonferenz zum mutmaßlichen Serienmörder Manfred Seel. An der Wand seine vermuteten Opfer.

Die Ermittler im Falle des maßlichen Serienmörders Manfred Seel wenden sich mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit

Im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred Seel sind nach einem großen Zeugenaufruf erste "möglicherweise erfolgversprechende" Hinweise bei der Polizei eingegangen. Eine heiße Spur sei jedoch bislang nicht dabei, sagte der leitende Ermittler der Sonderkommission "Alaska", Frank Herrmann, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Wiesbaden. Es gebe Hinweise, die "einigermaßen konkret" seien. Die Zahl der Zeugen, die sich meldeten, sei "nicht schlecht", aber "nicht überwältigend".

Die Polizei bringt den 2014 gestorbenen Manfred Seel aus Schwalbach am Taunus mit bis zu zehn Tötungsdelikten in Verbindung, darunter auch mit dem Mord an dem Jungen Tristan aus Frankfurt-Höchst 1998. Als ziemlich sicher gilt, dass Seel die Prostituierte Britta D. tötete. Die Tochter hatte deren zerstückelte Leiche in einem Fass in der Garage des Vaters entdeckt, als sie nach dessen Tod aufräumte. Die Frau war vermutlich seit zehn Jahren tot.

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Der Serienmörder Karl Denke

Karl Denke ("Papa Denke", "Kannibale von Münsterberg") ermordete zwischen 1903 und 1924 in seiner Wohnung in Münsterberg (heute: Ziebice in Polen) mindestens 30 Menschen, zumeist Landstreicher. Er tötete seine Opfer, verarbeitete und aß ihr Fleisch, das er zudem – in Pökelsalz haltbar gemacht – auf dem Wochenmarkt in Breslau verkaufte. Über seine Taten führte er Buch. Sein 31. Opfer, das schwer verletzt fliehen konnte, war bereits vermerkt. Denke beging in der Haft Selbstmord. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei Hinterlassenschaften, die auf 42 Opfer schließen lassen – darunter Hosenträger und Schnürsenkel aus Menschenhaut.


Manfred Seel führte perfektes Doppelleben

Die Vernehmungen aus dem persönlichen Umfeld des 67-Jährigen hätten nahezu nichts ergeben, da er wahrscheinlich ein perfektes Doppelleben geführt habe, sagte Herrmann. "Wir wollen und müssen jetzt Leute finden, die möglicherweise die andere Seite im Leben von Manfred Seel kennen und nicht die Heile-Welt-Seite."

Denkbar sei etwa, dass sich Frauen meldeten, die als Prostituierte mit ihm in Kontakt kamen - aber eventuell gar nicht ahnten, in welcher Gefahr sie sind. "Wir gehen davon aus, dass es bei all diesen Fällen zumindest ein überlebendes Opfer gibt", sagte der Ermittler. Es gebe solchen Tätern oft einen besonderen Kick, sich dann doch - aus welchen Gründen auch immer - gegen den Mord zu entscheiden. "Dieses Machtspielchen versuchen Täter auszuleben."

Der mutmaßliche Serienmörder Manfred Seel

Der mutmaßliche Serienmörder Manfred Seel in den 60er-Jahren auf einem von der Polizei veröffentlichten Foto


Ermittler gehen von letztem Mord 2004 aus

Der Fall Manfred Seel sei wegen vieler Aspekte schwierig, etwa weil die Taten sehr weit zurückliegen, sagte Herrmann. Zudem könne ja der Verdächtige nicht mehr befragt werden. Nach der Exhumierung der Leiche konnten nur noch von sechs Fingern Abdrucke genommen werden - bislang ohne Spur.

Da gegen Tote nicht ermittelt werde, sei die ungeklärte Frage nach einem möglichen Mittäter der Grund, warum die Soko noch einmal so groß einsteige, sagte Herrmann. Die Fahnder gehen jedoch davon aus, dass der Fall der vermutlich 2004 getöteten Britta D. der letzte der Serie war. 

fin / DPA