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Manipulationen in Kliniken Skandale erschüttern Vertrauen in Organspende


Nicht nur in Göttingen, auch im Uniklinikum Regensburg sollen Krankenakten manipuliert worden sein. Das Vertrauen in die Transplantationsmedizin in Deutschland schwindet.

In der riesigen Glasfront der Uniklinik Regensburg spiegelt sich am Donnerstag die Sonne. Im Innern zieht mit dem Organspende-Skandal jedoch ein Gewitter an, dessen Ausmaß noch niemand abschätzen kann. Zum zweiten Mal ist das Klinikum ins Visier der Ermittler geraten, wegen des Verdachts der Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen. Gerade als es nach dem Skandal im Göttinger Klinikum wieder etwas ruhiger wurde, belastet die Nachricht über die Missstände in Regensburg erneut das Vertrauen in die deutsche Transplantationsmedizin.

Die Auswirkungen sind schon spürbar. Bislang haben Angehörige in fünf Fällen mit Verweis auf die Vorgänge an der Universitätsmedizin in Göttingen eine Organentnahme abgelehnt. Das berichtet der "Tagesspiegel (Freitag) und beruft sich auf die geschäftsführende Ärztin bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Ulrike Wirges. "Auf jeden Fall ist es die letzte Bewährungsprobe für die Deutsche Stiftung Organtransplantation und die Ärztekammern, mit diesem sensiblen Thema endlich angemessen umzugehen", sagt der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn.

Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen

Der stellvertretende Ärztliche Direktor der Uniklinik München, Prof. Karl-Walter Jauch, regt an, die Zahl der Transplantationszentren zu überdenken. "Eventuell wäre es besser, weniger Zentren zu haben, die dafür noch stärker kontrolliert werden." Heute seien an der Entscheidung immer mehrere Experten beteiligt, so dass Manipulationen nicht möglich seien.

2005 war möglicherweise die Kontrolle in Regensburg nicht scharf genug. Doch als erstmals die Vorwürfe vor Jahren aufkamen und mehrere Ministerien, die Bundesärztekammer und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurden, passierte nicht viel. "Die damaligen Ermittlungen hatten ergeben, dass das Verhalten des Arztes nicht strafbar, sondern möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit gewesen ist", sagt Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl. Der damals schon in Verdacht geratene Oberarzt "Doktor O." arbeitete weiter in Regensburg im Transplantationszentrum und wechselte 2008 nach Göttingen - mit den bekannten Folgen.

Transplantationsmedizin nicht pauschal verurteilen

Jetzt, gut sieben Jahre nach den ersten Vorwürfen, muss ein Verantwortlicher vorerst seinen Hut nehmen. Der Direktor der chirurgischen Klinik, Prof. Hans J. Schlitt, wurde mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) beteuert am Donnerstag zwar, Schlitt habe sich keiner Manipulationen verdächtig gemacht. "Die Universität und die Fakultät prüfen, ob er seine Aufsichtspflicht verletzt hat", sagt Heubisch.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) betont, dass es sich um Einzelfälle handelt. Die Tatsache, dass sowohl in Göttingen wie auch in Regensburg derselbe Oberarzt verdächtigt wird, scheint ihr Recht zu geben. Daher appelliert sie an die Menschen, die Transplantationsmedizin in Deutschland nicht pauschal zu verurteilen. Um Vertrauen zurückzugewinnen fordert sie härtere Strafen. Ein Strafmaß von bis zu fünf Jahren Haft für den Handel mit Organen sei "irritierend und relativ gering".

val/André Jahnke,DPA DPA

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