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Michigan Mann saß 38 Jahre unschuldig im Gefängnis – Zeugin gibt Falschaussage zu

Walter Forbes
Walter Forbes aus Michigan saß fast vier Jahrzehnte lang im Gefängnis 
© TNS/ABACA / Picture Alliance
Walter Forbes soll 1982 einen Brand gelegt haben, bei dem ein Mann starb. So erzählte es damals jedenfalls eine Zeugin vor Gericht. Jetzt ist klar: Die Frau hat gelogen – und Forbes kommt nach 38 Jahren Haft frei.

 25 Jahre war Walter Forbes alt, als er 1982 nach einem Brand festgenommen wurde. Ein Mann war bei dem Feuer in seiner Wohnung gestorben, ein Mann, der bei einer Kneipenschlägerei kurz zuvor auf Forbes geschossen hatte. Dem damaligen Studenten wurde Brandstiftung vorgeworfen. Eine Jury sah es als erwiesen an, dass Forbes aus Rache das Feuer gelegt hatte – und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft.

Grundlage für das Urteil war vor allem die Aussage einer 19-jährigen Zeugin. Sie gab an, gesehen zu haben, wie Forbes mit zwei anderen Männern die Wohnung angezündet habe. Die beiden anderen Verdächtigen wurden freigesprochen, Forbes musste in Gefängnis. Dort hat er die vergangenen 38 Jahre verbracht – unschuldig, wie sich viel später herausstellte. 2017 gab die Zeugin zu, vor Gericht falsch ausgesagt zu haben. Nun hat ein Richter in Michigan entschieden, Forbes freizulassen. Auch die Staatsanwaltschaft will den Fall nicht noch einmal aufrollen, berichtet die Zeitung "The Detroit Free Press".

Zeugin soll bedroht worden sein

Die Michigan Innocence Clinic, eine Organisation von Anwälten, die sich für zu Unrecht verurteilte Häftlinge einsetzt, hatte die Zeugin aus dem Prozess mit Unstimmigkeiten in ihrer Aussage konfrontiert. Schließlich gestand die Frau, vor Gericht gelogen zu haben. Sie sei damals von zwei Männern bedroht worden: "Sie sagten, dass sie meine Kinder, meine Eltern, meine Geschwister und mich töten werden, wenn ich bei der Polizei und vor Gericht nicht aussage, dass ich Walter und zwei andere Männer das Feuer habe legen sehen."

Alles, was sie im Prozess ausgesagt habe, sei eine "Erfindung" gewesen, gab die Zeugin unter Eid an. Warum die Männer sie zu der Lüge gezwungen hätten, sei ihr nicht klar. Dennoch dauerte es noch einige Zeit, bis Walter Forbes tatsächlich das Gefängnis verlassen konnte. Richter und Staatsanwaltschaft sahen die Unstimmigkeiten zwischen den Aussagen der Zeugin und den Funden am Tatort zunächst als "nicht signifikant" an. Am 20. November wurde Forbes, heute 63 Jahre alt, entlassen.

Forbes vermutet Versicherungsbetrug

"Auch wenn es ewig gedauert hat, bin ich froh, dass sie das Richtige getan hat und endlich die Wahrheit gesagt hat", sagte Forbes. Er hat den Verdacht, dass der damalige Wohnungsbesitzer das Feuer gelegt und ihm angehängt hat, um die Versicherungssumme – mehr als 50.000 US-Dollar – zu kassieren. Gegen die Zeugin hegt er keinen Groll mehr – trotz der Lüge, die ihn fast vier Jahrzehnte seines Lebens in Freiheit gekostet hat. Er habe ihr vergeben, sagte Forbes der "Detroit Free Press", aus einem einfachen Grund: "Ich wollte ihr nicht erlauben, mich zu zerstören."

"Es hat zehn Jahre gedauert, an diesen Punkt zu kommen", sagte Forbes' Anwalt Imran Syed, nachdem klar war, dass sein Mandant künftig in Freiheit würde leben können. Syed übte Kritik am amerikanischen Justizsystem: "Es dauert 38 Jahre, etwas richtigzustellen, was nicht besonders kompliziert ist." Auch Forbes hat längst den Glauben an die Justiz verloren: Das System sei nicht gerecht, sagt er der "Detroit Free Press". "Bis ich verurteilt wurde, dachte ich, dass das System funktionieren würde, dass es sich selbst korrigieren würde. Im Rückblick war ich einfach naiv."

Quellen: "The Detroit Free Press" / CNN / "The New York Times"

epp

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