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Washington Mann tötet im Gefängnis den Vergewaltiger seiner Schwester – 24 Jahre Haft

Gefängnis in den USA
Eigentlich hätten die beiden Männer nie in einer Zelle untergebracht werden dürfen (Symbolbild)
© txking / Getty Images
Zufällig saß ein Mann im US-Bundesstaat Washington in einer Gefängniszelle mit dem Vergewaltiger seiner Schwester. Aus Rache tötete er ihn – jetzt fiel das Urteil.

Shane Goldsby und Robert Munger lernten sich im Juni 2020 im Gefängnis kennen: Sie teilten sich eine Zelle. Der 70 Jahre alte Munger verbüßte in der Justizvollzugsanstalt im US-Bundesstaat Washington eine 43-jährige Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs und des Besitzes von kinderpornografischem Material. Gegenüber seinem Zellengenossen prahlte er immer wieder mit seinen Taten – bis der 26-jährige Goldsby sich sicher war: Munger war der Mann, der seine eigene minderjährige Schwester vergewaltigt hatte.

Aus Rache tötete Goldsby seinen Zellennachbarn: Er schlug ihn von hinten nieder und trat ihm mehrere Male auf den Kopf, heißt es in einem Polizeibericht. Munger erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Goldsby wurde nun von Geschworenen im Bundesstaat Washington wegen Totschlags zu 25 Jahren Haft verurteilt. Da seine bisherige Haftzeit angerechnet wird, muss er noch 24 Jahre im Gefängnis verbringen.

Täter bekennt sich schuldig

Vor Gericht hatte Goldsby sich schuldig bekannt. "Ich schäme mich für meine Taten. Ich befand mich in einer Lage, die ich niemandem wünsche", heißt es in einem Statement, das sein Anwalt im Namen seines Mandanten während der Verhandlung verlas. "Ich muss vieles wiedergutmachen." Der Vergewaltiger seiner Schwester habe ihm von Details seiner Tat erzählt, das habe seine Wut immer mehr angestachelt, hatte Goldsby zuvor in einem Interview erzählt.

Neben der Gefängnisstrafe wurde Goldsby zu einer Entschädigung verurteilt, die er an die Familie des Toten zahlen muss. Über die Höhe muss noch entschieden werden. 

Die Verbindung der beiden Männer wurde nicht erkannt

Offen bleibt die Frage, ob die Tat hätte verhindert werden können. Normalerweise gibt es Regularien, die dafür sorgen sollen, dass in Gefängnissen Täter und Opfer oder deren Angehörige nicht direkt aufeinandertreffen. Laut "Washington Post" wirft Goldsby den Vollzugsbeamten vor, ihn absichtlich mit dem Vergewaltiger seiner Schwester in einer Zelle untergebracht haben, da er einmal die Polizei "blamiert" habe. Damals sei er den Polizisten in einer Verfolgungsjagd entkommen. Zudem wurden seine Anträge, die Zelle zu wechseln, abgelehnt.

Eine offizielle Untersuchung in Washington kam aber zu dem Schluss, dass alle Vorschriften eingehalten worden seien. Die Verantwortlichen im Gefängnis hätten wenig tun können, um die Eskalation zu verhindern, in den Dokumenten habe es "keine Hinweise" auf die Verbindung zwischen den beiden Männern gegeben, sagte eine Sprecherin. Da Goldsby und seine Schwester unterschiedliche Nachnamen haben, fiel die Verbindung erst nach dem Mord auf.

Quelle: "Washington Post"

epp

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