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Mannichl-Attentat: Polizeichef weist Spekulationen zurück

Das Messer-Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl gibt den Ermittlern Rätsel auf. Inzwischen sind erste Zweifel an Mannichls-Version eines Täters aus dem rechtsradikalen Spektrums aufgetaucht. Der Staatsanwalt spricht von "Merkwürdigkeiten", das Landeskriminalamt ermittelt inzwischen auch im persönlichen Umfeld des Polizisten.

Der bei einem Mordanschlag schwer verletzte Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat Spekulationen um den Hintergrund des Verbrechens zurückgewiesen. In einem Interview der Münchner "Abendzeitung" betonte der Polizeidirektor, dass er den Täter nicht erkannt habe. Die "Süddeutsche Zeitung" und andere Medien hatten zuvor berichtet, es gebe erhebliche Zweifel, dass die Bluttat - wie bisher vermutet - von einem unbekannten Neonazi begangen wurde.

So wird kritisiert, dass sich Mannichl als erfahrener Polizist nur vage an den Messerstecher erinnert. "Da kann ich nur lachen", sagte Mannichl dazu. "Wenn es ums blanke Überleben geht, denkt man nicht darüber nach, welche Schuhgröße der Täter hat." Der Angreifer habe ihn nach dem Öffnen der Haustür binnen Sekunden niedergestochen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" spricht inzwischen auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft von "Merkwürdigkeiten". Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch sagte dem Blatt, es sei "merkwürdig", dass für den Angriff auf den Polizeichef ein Messer aus dessen Haushalt benutzt worden sei und bisher keine Fremdspuren auf diesem Messer gefunden worden seien.

Phantombilder "unbrauchbar"

Zugleich erklärte Walch, die bundesweit verbreiteten Phantombilder, die zwei mögliche Täter aus der rechtsradikalen Szene zeigten, seien unbrauchbar. Er klagte über das Schweigen der Nachbarn, die Angaben zu dem Attentat machen könnten. Viele von ihnen seien erst auf eine "scharfe zweite Befragung" hin zu Aussagen bereit gewesen.

Ursprünglich war ein Racheakt aus der rechten Szene hinter dem Verbrechen vermutet worden, weil Mannichl regelmäßig mit seinen Beamten gegen Neonazi-Aufmärsche vorgegangen war und nach eigener Aussage von dem Messerstecher mit einem rechtsextremistischen Spruch beleidigt wurde. Die "SZ" zitierte am Freitag allerdings einen namentlich nicht genannten Polizisten, der darauf hinwies, dass die Umstände des Anschlags auf "eine Beziehungstat" deuten würden. Nach dem Messerangriff sei anfangs nicht - wie sonst üblich - in der Familie ermittelt worden. Erst spät seien Mannichls Ehefrau und die beiden Kinder befragt worden.

Mannichl hat Verständnis für neue Ermittlungen

Mannichl sagte dazu, es sei nur "professionelle Polizeiarbeit", wenn nach einem Verbrechen nun auch das Opfer genau unter die Lupe genommen werde. Es sei ihm aber nicht bekannt, dass gegen seine Frau ermittelt werde. "Aber es ist normal, dass, wenn der Täter nicht schnell ermittelt wird, auch die andere Seite genau beleuchtet wird. Zum privaten Umfeld gehört alles dazu", erklärte der 52-Jährige laut "Abendzeitung".

Mannichl erläuterte auch noch einmal, wie es dazu kam, dass er mit dem eigenen Küchenmesser von dem Täter schwer verletzt wurde. Drei Tage vor der Tat seien 60 bis 70 Nachbarn bei einer Adventsaktion vor seinem Reihenhaus gewesen. Dabei seien im Freien Punsch und Lebkuchen serviert worden. Beim Aufräumen sei das dabei verwendete Messer heruntergefallen. "Ich habe es auf die nächstbeste Ablage gelegt, das war die Fensterbank." Dort könne der Täter dann das liegengebliebene Küchenmesser weggenommen haben.

DPA / DPA