HOME

Die Tortur von Khadija: Mädchen vergewaltigt und tätowiert: Eltern der Verdächtigen geben dem Opfer die Schuld

Der Fall von Khadija schockiert Marokko. Das Mädchen wurde offenbar über Monate hinweg vergewaltigt, gefoltert und mit Tattoos gebrandmarkt. Grausame Details werden nach und nach bekannt. Doch die Eltern der Verdächtigen nehmen ihre Söhne in Schutz. 

Marokko: Die 17-jährige Khadija wurde gewaltsam am ganzen Körper tätowiert

Marokko: Die 17-jährige Khadija zeigt die Tattoos, die ihre Entführer ihr offenbar gewaltsam zugefügt haben

AFP

Der Horror, den die 17-jährige Khadija aus Marokko ertragen musste, lässt sich kaum in Worte fassen: Über zwei Monate hinweg wurde sie offenbar von mindestens 15 Männern vergewaltigt und gefoltert. Aber das war den Sadisten noch nicht genug. Sie tätowierten gewaltsam das Mädchen am ganzen Körper.  Hakenkreuze, pornografische Darstellungen, Beleidigungen und Schmierereien brandmarken die 17-Jährige nun für den Rest ihres Lebens. Beine, Arme, Hände, Rücken - es gibt kaum einen Körperteil, der nicht mit den zutiefst erniedrigenden Tätowierungen bedeckt wurde.

Zwölf der Tatverdächtigen konnten bereits festgenommen werden. Nach drei weiteren wird noch gefahndet. Am 6. September soll der Prozess beginnen. Unterdessen haben sich die Eltern von mehreren Beschuldigten zu Wort gemeldet und ihre Söhne in Schutz genommen. Die Mutter von zwei Festgenommen breitete im marokkanischen Fernsehen dabei eine krude Argumentation aus: Sie gab dem Mädchen die Schuld an ihrer Tortur. "Khadija wollte es so", sagte sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Soltana. "Sie hat einen schlechten Ruf in Oulad Ayad, jeder weiß, dass sie trinkt. Sie raucht und sie verbrennt sich sogar sogar selbst mit Zigaretten", behauptete die Frau. 

Tatsächlich bedecken zahlreiche Brandwunden den Körper des Mädchens. Zigaretten auf ihrem Körper auszudrücken, sei eine Art der Folter gewesen, die ihre Peiniger angewandt hätten, sagte die 17-Jährige aus. 

Seltsame Erklärung für die Tätowierungen 

Die Mutter der zwei Tatverdächtigen ging aber sogar noch weiter und behauptete, nicht nur die Brandverletzungen habe sich Khadija selbst zugefügt, sondern sich auch die Tätowierungen gewünscht. Niemand habe sie dazu gezwungen. Dass sich aber ein junges Mädchen freiwillig die übelsten Beleidigungen, Hakenkreuze oder auch eine nackte Frau mit einer riesigen Zigarette um Mund eintätowieren lässt, ist nur schwer zu glauben.

Der Vater eines der Verdächtigen schloss sich dennoch dieser abstrusen Darstellung an. Ein Tattoo-Künstler habe sie tätowiert, behauptete er. 

Gepostet von ‎عبد الوحد السعدي‎ am Montag, 20. August 2018

Eltern der Verdächtigen werfen dem Mädchen Prostitution vor 

Vergewaltigungen habe es auch nicht gegeben, so die Eltern der Tatverdächtigen. Die Mutter von Khadija sei eine Prostituierte und habe auch ihre Tochter dazu gezwungen, sagte die Mutter der zwei festgenommen Brüder aus. Das Mädchen selbst habe immer herum erzählt, dass wenn "sie erst mit den Single-Männern durch sei, sie sich die verheirateten vornehmen würde." "Wenn sie wirklich ein Opfer wäre, dann würde ich meine Söhne selbst zur Polizei bringen. Aber sie wollte es selbst. Sie kam immer zu uns und hat sich erkundigt, ob meine Söhne zu Hause sind", so die Frau weiter.

Der Vater eines anderen Verdächtigen bemerkte, dass er das Verhalten des Vaters von Khadija seltsam finde. "Ich kann nicht verstehen, warum er ruhig geblieben ist, wenn seine Tochter zwei Monate lang vermisst wurde."

Öffentlicher Aufschrei in Marokko

Khadija hatte ausgesagt, dass die Täter sie entführt hätten, als sie während des Ramadan ihre Tante besucht habe. Zwei Monate lang hätten sie sie gefangen gehalten, vergewaltigt, gefoltert und gegen Drogen an andere Männer verkauft. Erst als ihr Vater ein Abkommen mit ihren Entführern aushandeln konnte, habe man sie freigelassen. Mit einem Motorrad sei sie nach Hause gebracht und vor der Tür "abgeladen" worden. Damit sie freigelassen wird, hätte ihre Familie zusichern müssen, sich nicht an die Polizei zu wenden. 

Die Mutter des Mädchens hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP erzählt, dass sich die Familie tatsächlich zunächst wegen der Stigmatisierung der Opfer sexueller Gewalt in der Region nicht an die Polizei wenden wollte. "Aber sie hat darauf bestanden", sagte sie über ihre Tochter. Sie ist einfach zu der Polizei gegangen. Und ich folgte ihr."

Der Fall löst in Marokko einen öffentlichen Aufschrei aus. Entsetzt über die Tortur von Khadija haben zahlreiche Menschen Online-Petitionen gestartet. Eine von ihnen ruft den König von Marokko, Mohammed VI., dazu auf, die psychologische und medizinische Versorgung des Mädchens zu übernehmen. Unter dem Slogan "Wir sind alle Khadija" fordert eine andere Petition Gerechtigkeit ein. tausende Menschen haben bereits unterschrieben.

ivi
Themen in diesem Artikel