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Massaker an Studenten in Mexiko Die geraubten Söhne


43 in Mexiko verschleppte Studenten sind allem Anschein nach tot. Ihre Eltern sind verzweifelt, ihre Kommilitonen geschockt. Sie wissen: Dahinter stecken finstere Kräfte - aus Mafia, Polizei, Politik.
Von Jan-Christoph Wiechmann, Iguala

Das Geständnis von drei mutmaßlichen Kriminellen versetzte Mexiko in Schock. Die vor sechs Wochen verschleppten Studenten sind tot. Nun macht sich Wut, Trauer und Empörung im Land breit. Demonstranten attackierten den Regierungspalast. Der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, soll hinter dem Verschwinden der Studenten stecken. Er und seine Frau María de los Ángeles Pineda wurden mittlerweile verhaftet. Doch bis Mexiko wieder zur Ruhe kommt, wird es noch lange dauern.

Dieser Text stammt aus dem stern, Ausgabe 45 vom 30. Oktober 2014:

Sie waren drei Freunde. José, Eduardo und Julio, den sie Chilango nannten. Sie kamen vom Land und waren Kinder armer Bauern, wie die meisten ihrer Mitschüler. Sie mochten Fußball und Countrymusic und ihre Schule in den Bergen, die sie zu Lehrern ausbildete. Dann fuhren sie gemeinsam zu einer Protestaktion in die Kleinstadt Iguala. Einer verschwand. Einerstarb. Nur einer kam zurück. Um die Tragik ihrer Geschichte zuverstehen, reicht eine Zigarette mit José. Er sitzt vor einem Che-Guevara-Wandbild seiner Fachschule in dem Bergdorf Ayotzinapa im Bundesstaat Guerrero. Ein kräftiger Kerl mit rundem Gesicht, in dem spärlich die ersten Barthaare sprießen. José nennt sich Überlebender, aber er ist sich nicht sicher, ob er das wollte.

"Ich wünschte, ich wäre tot anstelle von Chilango", sagt er. Es folgt längere Stille. Warum sagst du das? "Ich bekomme seine Bilder nicht aus dem Kopf. Auf dem einen ist er noch lächelnd zu sehen, mit seiner kleinen Tochter Melissa. Und dann das andere." Welches andere? "Das Bild seiner Leiche. Es ist überall im Internet. Die Mörder zogen ihm die Gesichtshaut ab. Sie stachen ihm die Augen aus. Dann warfen sie ihn in den Dreck." José vergräbt nun seinen Kopf zwischen kräftigen Armen. Durch die Maisfelder um ihn herum weht der warme Wind vom Pazifik. In der Ferne singt jemand Balladen der Revolution. Irgendwann fährt José fort: "Oder ich wünschte, ich wäre verschwundenden anstelle von Eduardo. Er hatte es am schwersten von uns allen. Seine Mutter hat Krebs, er war kurz vorher noch bei ihr. Sein Vater sitzt dahinten, unter dem Blechdach. Schau dir diese Eltern an. Ihr Anblick zerreißt mein Herz."

Eltern warten seit mehr als 30 Tagen

Nur 50 Meter entfernt, auf einem Basketballfeld, sitzen die Eltern der 43 verschwundenen Studenten. Sie warten dort gemeinsam auf ein Lebenszeichen ihrer Söhne, seit mehr als 30 Tagen schon. Die meisten sind indianischer Abstammung, sie sind arme Bauern vom Land. Sie sitzen stundenlang nur unter dem Blechdach und warten. Sie schlafen in den Klassenräumen ihrer Jungen und warten. Sie erfahren von der Entdeckung neuer Massengräber und bangen und zittern - und warten. Sie wollen so lange hierbleiben, bis sie wissen, was Polizei und Drogengangster mit ihren Söhnen gemacht haben. Das kann Jahre dauern. Dies ist Mexiko.

Die Geschichte von Iguala klingt wie der Stoff eines dystopischen Romans, das Szenario einer degenerierten Welt: Da wäre der brutale Bürgermeister der Kleinstadt Iguala, der Gegner mit Kopfschüssen hinrichtet und den Befehl erteilt, Studenten zu beseitigen. Da wäre die selbstherrliche Frau dieses Bürgermeisters, deren Brüder die örtliche Drogenbande anführen. Da wären Polizisten, die für die Mafia arbeiten, und Mafiosi, die ihrerseits die Polizei infiltrieren. Und dann wären da die Hinrichtungskommandos. Die töten die unliebsamen Studenten nicht nur. Sie verstümmeln sie und werfen die Leichen auf die Straße - als Warnung, als Trophäe, als Markenzeichen.

Mexiko, das Land der Straflosigkeit

Aber das Ganze ist keine dunkle Romanfantasie und auch nicht die Steigerungsform islamistischer Barbarei. Es ist: Mexiko. Es ist so etwas wie die Essenz des Staates Mexiko im Jahr 2014. Es ist eine Art nationale Identität. Ein Way of Life. Es ist das Land, wo es Morde zum Billigtarif gibt.

Auch einen Monat nach ihrem Verschwinden gibt es keine Hinweise auf das Schicksal der 43 Studenten. Der Bürgermeister und seine Frau, die den Auftrag gaben, sind untergetaucht. 22 Polizisten, die beteiligt waren, sitzen in Haft und schweigen. Die Henker, die diese Taten verübten, sind längst auf neuen Missionen. Und die Suche nach den Vermissten bringt nichts hervor außer einem Massengrab nach dem anderen, bisher schon zehn mit 38 Leichen. Doch in keinem befinden sich die Studenten.

Das ist die zweite Seite Mexikos, ohne die seine erste nicht funktioniert: Es ist das Land der Straflosigkeit, in dem nicht nur Opfer verschwinden, sondern auch Täter, Zeugen, Leichen, Beweise. Es ist das Land, in dem Politik, Polizei und Mafia eine große Koalition eingehen. Das Land, in dem Schweigen und Vertuschen eine Art Staatsräson bilden.

Schule ist der Regierung Dorn im Auge

Dennoch sickern Tag für Tag neue Details durch, und fasst man Recherchen und Zeugenaussagen zusammen, so ereignete sich folgende Geschichte: Am 26. September, einem Freitag, machten sich etwa 120 Studenten aus Ayotzinapa auf den Weg in die Kreisstadt Iguala, unter ihnen auch die drei Freunde José, 21, José Eduardo Bartolo, 19, und Julio César Mondragón, 22. Es war der letzte Tag vor den Ferien, sie freuten sich auf ihre Rückkehr zu den Familien. Zunächst jedoch, so sah es der Lehrplan vor, mussten sie eine "actividad de lucha" erfüllen, einen mutigen Akt sozialen Widerstands. Sie beschlossen Busse zu kapern für eine Demonstration in der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Außerdem wollten sie protestieren - gegen korrupte Politiker wie Igualas Bürgermeister José Luis Abarca, 53, von dem bekannt ist, dass er mit der Drogenmafia zusammenarbeitet.

Erst seit Juli waren die drei Freunde auf der Schule, einer sozialistischen Akademie, wo junge Lehrer ausgebildet werden, um in den ärmsten Regionen des Landes zu dienen. Es ist eine Revolutionsschmiede wie in den 70er Jahren, idyllisch gelegen am Ende eines Tals, zwischen Maisfeldern und Blumenwiesen. An den Wänden hängen Bilder von Marx, Lenin und Trotzki und Sprüche wie: "Was bedeutet das Leben eines Menschen, wenn die Zukunft der Menschheit in Gefahr ist." Schon seit Langem ist die Schule der Regierung des Bundesstaates Guerrero ein Dorn im Auge. Sie gilt als Rekrutierungsbasis für Linksradikale und Guerilleros.

Eine eher harmlose Aktion. So dachten sie

Die drei Freunde wurden ausgewählt als die Besten ihres Bezirks und entdeckten in Ayotzinapa schnell Gemeinsamkeiten. Sie verehrten Che Guevara und Subcomandante Marcos, aber wichtiger als der Sozialismus war ihnen eine Karriere, die Sicherheit versprach. Alle drei kamen aus einfachen Verhältnissen und hatten familiäre Verpflichtungen. José arbeitete seit Langem auf der Farm seiner Eltern, er hütete Tiere und erntete Mais. Eduardo jobbte als Maurer, um seiner Familie zu helfen, oft fehlte das Geld. Und Julio pendelte nach Mexiko-Stadt, er hatte dort eine junge Frau und seine Tochter Melissa, erst zwei Monate alt.

In Iguala angekommen, trieben die Studenten Spenden ein und "beschlagnahmten" drei Busse eines lokalen Transportunternehmens. "Das ist in Mexiko nicht weiter ungewöhnlich", erklärt José, "es ist eine allseits bekannte Protestform.“ Außerdem planten sie, eine Veranstaltung zu stören, auf der die Frau des Bürgermeisters, die sich gern im Scheinwerferlicht präsentiert, soziales Engagement zur Schau stellen wollte. Eine eher harmlose Aktion. So dachten sie.

Maskierte Männer kreisten die Studenten ein

Schon lange hielten sich in Guerrero Gerüchte um das Ehepaar Abarca. Mitglieder der eigenen Partei beobachteten, dass die beiden eng mit dem Drogenkartell Guerreros Unidos zusammenarbeiteten und erbaten die Hilfe der Strafbehörden. Sie berichteten weiter, dass die Ehefrau, María de los Ángeles Pineda, eine Schwester des Kartellanführers "El Molón" war und jeden Deal mit ihm absprach, aber auch das führte zu keinen Ermittlungen. Im Jahr zuvor soll der Bürgermeister einen politischen Rivalen eigenhändig ermordet haben. Ein Zeuge sagte unter Eid aus, Abarca habe dem Mann einen Kopfschuss verpasst und ihn in eine Grube geworfen. Doch nichts geschah.

Als María de los Ángeles Pineda, als eitle Prinzessin verschrien, von der Ankunft der Studenten in der Stadt erfuhr, soll sie ihren Mann gebeten haben, den Störenfrieden eine Lektion zu erteilen. Laut Generalstaatsanwalt José Murillo Karam gab der Bürgermeister gegen 21 Uhr den verhängnisvollen Befehl zum Angriff. Polizisten der Stadt und maskierte Männer kreisten die Studenten ein und, so berichteten Zeugen, eröffneten kurz vor Mitternacht ohne jede Vorwarnung das Feuer auf die Busse.

Polizei und Drogenmafia hatten freie Bahn

Zu diesem Zeitpunkt saß José vorn im Bus, in der dritten Reihe, zusammen mit Eduardo und Julio. Als die Kugeln den Bus durchsiebten, versteckten sie sich zunächst unter den Sitzen und stürmten dann hinaus. José sah Blutlachen und hörte Schreie und vermutete, dass sie in einen Hinterhalt rivalisierender Gangs geraten waren. Er warf sich unter ein parkendes Auto. Er sah noch, wie Eduardo und einige andere festgenommen wurden und wie Julio auf der Straße stürzte. Er erkannte ihn an seinem roten Polohemd und dem braunen Halstuch. "Ich sah, wie eine Patrouille der Polizei ihn aufsammelte. Ich dachte, sie bringen ihn ins Krankenhaus. Eduardo und die anderen wähnte ich auf der Wache."

José flüchtete nun weiter durch die dunklen Straßen. Er versteckte sich in Hauseingängen und stieß schon bald auf eine Militäreinheit, von der er sich Hilfe versprach. Die Soldaten aber griffen nicht ein. Stattdessen machten sie abwertende Kommentare über die Studenten. Da ahnte er, dass es sich um einen gezielten Angriff der örtlichen Machthaber handelte, um einen groß angelegten Plan. Er wusste da noch nicht, dass der Militärkommandeur nur wenige Stunden zuvor mit dem Bürgermeister zusammengesessen und das Vorgehen abgesprochen hatte. Lokale Polizei und Drogenmafia hatten freie Bahn.

Studenten mussten eigene Gräber schaufeln

Wenn man den Aussagen des ermittelnden Generalstaatsanwalts glauben darf, übergaben die Polizisten eine Busladung Studenten noch in der Nacht an Mitglieder der Guerreros Unidos. Diese luden die Studenten auf Trucks und fuhren sie in den Ort Pueblo Viejo, in die Berge. Angeblich hielten sie die Studenten für Kämpfer der rivalisierenden Gang Los Rojos. Dort in den Bergen, gegen 2 Uhr morgens, verlor sich ihre Spur.

Mexikos bekanntester Menschenrechtler, Priester Alejandro Solalinde, sagt, man dürfe den Eltern keine Hoffnung machen. Ein Zeuge habe ihm gegenüber gestanden, dass die Studenten ihre eigenen Gräber schaufeln mussten. Man habe sie exekutiert, mit Benzin übergossen, auf Holz gestapelt und angezündet. Einige seien bei lebendigem Leib verbrannt.

So wie Eduardo und seine Kameraden sind in Mexiko in den vergangenen Jahren mehr als 26.000 Menschen verschwunden. Nur die allerwenigsten tauchen wieder auf. Und so wie Julio wurden allein 2013 16.000 Menschen im Drogenkrieg getötet, davon 2300 im Staat Guerrero, dem gefährlichsten des Landes. Die Mörder überbieten sich dabei in ihren sadistischen Ritualen. Sie köpfen ihre Opfer und zerstückeln ihre Gliedmaßen. Sie ziehen die Haut ab und lösen die Körper in Salzsäure auf.

Mehr Hinrichtungen als in Syrien

Das ist so etwas wie die dritte Definition Mexikos: Es ist das Land, wo es nicht allein ums Töten geht, sondern um die Art des Tötens, ums Massakrieren. Das Land, wo Banden aus dem Morden eine Art Marketingkampagne machen, ähnlich der von IS. Im Industriestaat Mexiko werden mehr Menschen hingerichtet als in Syrien. Es verschwinden mehr als in Afghanistan. Es herrscht ein Krieg der anderen Art, aber er ist deswegen nicht weniger grausam. Er wird nicht im Namen Allahs geführt, sondern im Namen der Profitquelle Kokain.

Eduardos Vater ist ein herzlicher Mann mit offenem, freundlichem Gesicht. Cornelio Bartolo sitzt in der Mittagshitze unter dem Blechdach der Schule - und wartet. Er ist allein hier, seine Frau liegt zu Hause, mit Gebärmutterkrebs. Cornelio berichtet ihr jeden Abend über die Fortschritte bei der Suche nach ihrem Sohn. Er sagt ihr, man komme ihm Tag für Tag näher.

Sie glauben, dass er lebt, fragt man ihn. - "Natürlich", antwortet er. Warum sind Sie sich so sicher? - "Weil die Regierung es sich nicht leisten kann, 43 Studenten einfach töten zu lassen. Dann gibt es einen Volksaufstand."

Machten ihm zum menschlichen Warnschild

Wo könnte Eduardo sein? - "Irgendwo, im Hochland, im Dschungel, in einem guten Versteck." Auch alle anderen Eltern, mit denen wir sprechen, wähnen ihre Jungen am Leben. Sie glauben: Sollten der flüchtige Bürgermeister und seine Frau erst geschnappt sein, werden sie die Wahrheit erfahren. Nur José ist sich da nicht so sicher. "Ich möchte ja daran glauben", sagt er. "Aber ich habe ihre kaltblütige Brutalität aus der Nähe erlebt."

Gewissheit hat José nur über das Schicksal seines Freundes Julio. Er wurde am Tag danach in einem Industrieviertel Igualas gefunden, einer von sechs Toten des Massakers. Aber während die anderen Opfer nur mit Schüssen durchsiebt wurden, haben die Mörder seine Leiche verstümmelt. Sie wollten damit eine Botschaft senden an alle Studenten des Landes. Sie machten Julio zu einem menschlichen Warnschild. José sagt: zu einem Instrument ihres Terrors.

Julios Ehefrau Marissa Mendoza, 24, lebt vier Autostunden von Iguala entfernt in Mexiko-Stadt. Sie ist eine zierliche Frau, der die Trauer die letzten Reserven nahm. Weil sie nichts von Julio hörte, fuhr sie zwei Tage nach dem Protestzug selbst nach Iguala. In der Forensik fragte man sie: "Sind Sie sicher, dass Sie ihn sehen wollen? Sie müssen sehr stark sein." "Ich glaubte, ich müsse Klarheit haben", sagt Marissa. "Im Internet und auf Facebook zirkulierten Fotos von Julio."

Julios Leichenfoto hängt heute überall

Aber als sie ihn dann so zugerichtet sah, bereute sie es. "Ich kannte seine Kleidung, ich wusste: Er war es. Mir kommen seitdem viele Bilder. Wie sie sein Gesicht aufreißen, lebend, wie sie ihn auf schlimmste Weise folterten. Er hatte noch nicht mal Schusswunden, nur die Hämatome der Schläge auf Brust, Lende, Händen."

Julios Leichenfoto hängt heute überall, auch auf dem Marktplatz der Stadt Chilpancingo, nahe der Schule. Der Platz ist zu einem Wallfahrtsort geworden. Hier campieren Studenten und verbreiten die Fotos der 43 Verschwundenen. Sie organisieren Plünderungen, sie blockieren Fernstraßen, sie organisieren einen Generalstreik. Auch UN und EU haben sich inzwischen eingeschaltet, weil keiner der mexikanischen Zentralregierung traut.

Vor allem kleine Kinder bleiben vor Julios Foto stehen. Sie stieren auf seine grausam entstellte Leiche. Sie blicken auch auf einen Schriftzug: "Mexiko - Land der Sicherheit", steht dort. "Mit Sicherheit schlagen sie uns. Mit Sicherheit berauben sie uns. Mit Sicherheit vergewaltigen sie uns. Mit Sicherheit töten sie uns."

Lernten viel über Karl Marx und Widerstand

Es könnte das Staatsmotto sein. Und dann ist da noch eine andere Botschaft. Sie steht auf einigen Bannern in Iguala. Sie stammt vom Drogenkartell Guerreros Unidos: "Wenn die 22 Polizisten nicht freigelassen werden, werden Unschuldige ermordet."

José denkt oft an seine beiden Freunde Eduardo und Julio. Er denkt auch an die anderen 42. Sie waren alle eng verbunden. Sie lernten viel über Karl Marx und den Widerstand, aber mehr noch über Solidarität und Freundschaft. Er macht sich keine Illusionen, dass sie den Mächtigen im Weg waren. Er sagt: "Der wahre Grund für das Massaker ist unser Protest. Der Anlass war die Eitelkeit einer einzigen Frau."

Was kommt jetzt?, will man von ihm wissen. "Wir suchen weiter. Wir bilden gerade eine eigene Polizei. Wir trauen keiner anderen mehr." Und wenn man die 43 nicht findet?

"Wähle seine Nummer hundertmal am Tag"

"Dann könnten Menschen wieder zu Waffen greifen, wie in Zeiten der Guerillakriege." José geht hinüber zu den Eltern unters Blechdach. Er ist dort häufiger. Er findet dort Trost. Ganz am Rand sitzt Eduardos Vater Cornelio, den weißen Cowboyhut tief ins Gesicht gezogen. Sie reden miteinander. Sie haben jetzt nur noch sich. Sie sind das, was von Eduardo blieb.

"Und?", fragt José. "Gibt's was Neues?" "Bisher nicht", sagt Cornelio. Er holt sein Handy hervor. "Ich wähle Eduardos Nummer hundertmal am Tag", sagt er. "Aber ich komme nicht durch." Er versucht es jetzt noch mal. Keine Antwort.


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