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Medien bei großen Prozessen: Viel Interesse, wenig Platz

Bei spektakulären Prozessen ist das öffentliche Interesse oft so groß, dass nicht für alle Journalisten Platz im Gericht ist. In verschiedenen Ländern löste die Justiz das Problem unterschiedlich.

BREIVIK 2012

Der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik wurde als der größte in der Geschichte des Landes eingeordnet. Mehr als 800 Medienvertreter von mehr als 220 Redaktionen waren akkreditiert. Für Journalisten und für Angehörige der Opfer wurde das Verfahren live in 17 Gerichtssäle im ganzen Land übertragen. Anders als in Deutschland sind in Norwegen Radio- und Fernsehübertragungen von Gerichtsverhandlungen mit Ausnahmen erlaubt.

DEMJANJUK 2009

Zu Beginn des Münchner Prozesses gegen den NS-Verbrecher John Demjanjuk protestierten Journalisten aus aller Welt gegen die Beschränkung der Berichterstattung. Im Gericht gab es nur 68 Plätze für Berichterstatter, mehr als 200 Medienvertreter hatten sich aber akkreditiert. Der Gerichtspräsident hatte erklärt, für das Verfahren werde ohnehin der größte Schwurgerichtssaal genutzt: "Mit Blick auf die Menschenwürde des Angeklagten sowie die Unschuldsvermutung ist es unzulässig, strafgerichtliche Hauptverhandlungen in möglicherweise größeren Sälen anderer Gebäude (zum Beispiel Stadthallen) abzuhalten."

MOUSSAOUI 2006

In Alexandria bei Washington stand Zacarias Moussaoui vor Gericht, der nach eigenen Angaben am 11. September 2001 ein Flugzeug ins Weiße Haus steuern wollte. Nur wenige Medienvertreter waren im Gerichtssaal zugelassen. Weitere Journalisten und Angehörige der Terror-Opfer konnten das Verfahren via Satellitenübertragung live verfolgen. In Gerichtsgebäuden in fünf US-Städten - so neben New York auch Boston und Philadelphia - wurden dazu Bildschirme aufgestellt.

DUTROUX 2004

Beim Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux standen im Verhandlungssaal des Gerichts der Stadt Arlon selbst nur 15 Plätze zur Verfügung. 220 weitere Plätze für Journalisten wurden in Nebenräumen eingerichtet, wo der Prozess über drei fest installierte Fernsehkameras verfolgt werden konnte.

LOCKERBIE 2000

Mehr als elf Jahre nach dem Bombenanschlag auf ein US- Passagierflugzeug über dem schottischen Lockerbie begann im niederländischen Kamp Zeist der Prozess gegen zwei libysche Agenten. Wenige Journalisten konnten der Verhandlung im Gerichtssaal über Kopfhörer folgen - durch eine schussfeste Glaswand von Richtern, Angeklagten, Verteidigern und Staatsanwälten getrennt. Für den größten Teil der mehr als 400 akkreditierten Journalisten wurde einige hundert Meter vom Gerichtsgebäude entfernt ein Medienzentrum mit Live-Fernsehübertragung eingerichtet.

kng/DPA / DPA