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Mord an Georgier Bericht: Neue Hinweise, dass russischer Geheimdienst hinter Hinrichtung in Berlin steckt

Der Tatverdächtige im Mordfall in Berlin heißt nach offiziellen Angaben Vadim Sokolov
Der Tatverdächtige im Mordfall in Berlin heißt nach offiziellen Angaben Vadim Sokolov
© Polizei Berlin / DPA
Nach dem Mord an einem Georgier in einem Berliner Park verdichten sich nach einem Medienbericht die Anzeichen, dass der russische Staat hinter dem Verbrechen steckt.

Im Fall des in Berlin im Kleinen Tiergarten ermordeten Georgiers verdichten sich die Hinweise auf eine Beteiligung russischer Geheimdienste. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf gemeinsamen Recherchen mit den investigativen Webseiten "Bellingcat" und "The Insider" sowie des Londoner "Dossier Center". Demnach müssen staatliche russische Stellen so aktiv bei der Schaffung der falschen Identität des mutmaßlichen Mörders mitgewirkt haben, dass kaum ein anderer Rückschluss möglich sei.

"Die Tat scheint erhebliche und klare politische Fingerabdrücke zu tragen", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Norbert Röttgen (CDU), dem "Spiegel". Röttgen wundere sich, dass die Ermittlungen nicht beim Generalbundesanwalt liegen, weil nichts auf einen Mord aus persönlichen Motiven oder eine Tat aus der organisierten Kriminalität hinweise.

Identität des Tatverdächtigen frisch erschaffen?

Bei den neuen Rechercheergebnissen geht es um die wahrscheinlich gefälschte Identität des in Berlin festgenommenen Tatverdächtigen, einem russischen Staatsbürger namens Vadim Sokolov. Laut "Spiegel" gibt es in russischen Datenbanken Spuren, die auf eine kurzfristige "Erschaffung" von "Sokolovs" Identität vor dem Mord am 23. August in Berlin schließen lassen.

So berichtet der "Spiegel", die Identität von "Sokolov" sei in der aktuellen Datenbank für nationale russische Ausweispapiere mit einem Sperrvermerk versehen: "Vom Gesetz geschützte Person ... kontaktieren Sie einen Administrator, um die Akte zu erhalten." Solche Vermerke hätten nach der Enttarnung der mutmaßlichen Attentäter des russischen Ex-Agenten Sergej Skripal auch die Personalien anderer russischer Geheimdienstmitarbeiter getragen.

Erster Job mit 49?

Ein weiteres Indiz sei, dass "Sokolov" erstmals am 16. Juni 2019, im Alter von 49 Jahren, in der russischen Steuerdatenbank auftauche. Das würde bedeuten, dass er mit fast 50 Jahren das erste Mal gearbeitet hätte. Wenige Tage nach Erhalt einer Steuernummer habe er mit einem neuen Reisepass ein Visum für den Schengen-Raum beantragt.

Das alles lege nahe, dass die Identität "Vadim Sokolov" mit beträchtlichem Aufwand erst wenige Wochen vor dem Mord in Berlin angelegt wurde, berichtet der "Spiegel". Obwohl sein nationales russisches Ausweisdokument angeblich bereits 2015 ausgestellt wurde, sei es in früheren Offline-Versionen von Datenbanken mit Ausweisdokumenten nicht auffindbar.

Mord am helllichten Tag in Berlin

Der 40-jährige Georgier war am 23. August mittags im Kleinen Tiergarten im Berliner Stadtteil Moabit erschossen worden. Als Tatverdächtiger wurde ein 49-jähriger Russe festgenommen. Die Tatwaffe und das mutmaßliche Fluchtfahrrad des Täters wurden beschlagnahmt. Nach Angaben der georgischen Bürgerrechtsorganisation EMC handelt es sich bei dem Opfer um Selimchan Changoschwili, der im zweiten Tschetschenien-Krieg (1999-2009) gegen die Russen kämpfte. Laut der "Frankfurter Allgemeinen" kam er Ende 2016 als Asylbewerber nach Deutschland, nachdem er mehrfach Mordanschläge überlebt hatte.

Quellen:"Der Spiegel", "Bellingcat", "Dossier Center" (russisch), faz.net.

tkr / mit AFP

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