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Medienspektakel: Rockerbanden schließen demonstrativ Frieden

Die seit Jahren verfeindeten Rockerbanden Hells Angels und Bandidos haben in einer Anwaltskanzlei in Hannover demonstrativ Frieden geschlossen. Je drei führende Club-Mitglieder unterzeichneten am Mittwoch eine Vereinbarung, die Einflussgebiete abgrenzt.

Die seit Jahren verfeindeten Rockerbanden Hells Angels und Bandidos haben in einer Anwaltskanzlei in Hannover demonstrativ Frieden geschlossen. Je drei führende Club-Mitglieder unterzeichneten am Mittwoch eine Vereinbarung, die Einflussgebiete abgrenzt. Demnach dürfen beide Banden nicht mehr in Städte der Konkurrenz gehen, dürfen keine Mitglieder oder Ex-Mitglieder des anderen Clubs aufnehmen und ein Jahr keine neuen Ableger gründen. Mehrere Innenminister kündigten weiter entschiedenes Vorgehen gegen die Clubs an.

Hells Angels und Bandidos erklärten, man wolle "zukünftig in friedlicher Koexistenz miteinander leben". Man wolle sich gegenseitig achten, "ohne dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt". Die Vereinbarung habe nichts mit der Konferenz der Innenminister in Hamburg zu tun, auf der unter anderem über ein Verbot der beiden Banden diskutiert werden soll.

Die sechs Rocker, darunter der sich nur "Peter" nennende Europa-Vizechef der Bandidos und der hannoversche Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth, erschienen ins Vereinskluft zur Unterzeichnung der Vereinbarung. Sie besiegelten ihren Friedenschluss per Händedruck für die Fotografen.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) nannte den öffentlichen Friedensschluss ein reines Medienspektakel, das weder die Innenministerkonferenz noch die Polizei beeindrucke. Der CDU-Politiker befürwortete zudem ein Verbot der beiden Gruppen. "Wenn entsprechende Fakten vorliegen, wird man auf jeden Fall verbieten", sagte er der Nachrichtenagentur DAPD. Öffentliche Diskussionen vor einem Verbot seien aber nicht hilfreich. Man dürfe nichts medienwirksam ankündigen, was man später nicht halten könne.

Die Polizei werde die Rocker unvermindert beobachten. Es gehe nicht nur um den Zwist zwischen zwei Gruppen. "Das ganze hat mit organisierter Kriminalität zu tun", betonte Schünemann. Beide Banden hätten bereits vor zwei Jahren einen Frieden geschlossen, der aber nur wenige Wochen gehalten habe.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch, erklärte, man müsse den Fahndungs- und Ermittlungsdruck gegen die Rockerbanden erhöhen. Ein Verbot sei der Clubs nach dem Vereinsgesetz sei zusätzliche Überlegung. Die Hürden für ein Verbot seien aber hoch. Grundlage für ein Verbot könnten nur polizeiliche Erkenntnisse sein. "Ich befürworte ein Verbot, wenn es sich bundesweit umsetzen lässt", erklärte er.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete den Friedensvertrag der Rocker als "Blendwerk, mit dem sie ihre Gewalttätigkeiten und kriminellen Machenschaften tarnen wollen". Die Banden hätten begriffen, dass zu viele negative Schlagzeilen über Konkurrenzkämpfe ihren illegalen Geschäften schadeten.

Die Rockerclubs wiesen beim Friedensschluss den Vorwurf zurück, ihre Vereinbarung solle Gebiete für illegale Geschäfte abgrenzen. "Es gibt keine Konkurrenz um illegale Geschäfte", erklärten sie. Abgesehen von Straftaten einzelner Mitglieder fänden illegale Geschäft in größeren Umfang nicht statt.

Die Rocker versicherten zudem, keine Gewalt auszuüben. Wenn künftig ein Clubmitglied anfange, gegen die Konkurrenz zu stänkern, "rufen wir an und sagen, ihr sollt den ruhig stellen", umschrieben sie ihre neue Strategie.

APN / APN