Messerangriff auf ehemaligen Polizeichef Ermittler bestreiten Pannen im Fall Mannichl


Ein Jahr nach der Messerangriff auf den damaligen Passauer Polizeichef Alois Mannichl haben die Staatsanwaltschaft und das bayerische Landeskriminalamt Ermittlungspannen bestritten.

Ein Jahr nach der Messerangriff auf den damaligen Passauer Polizeichef Alois Mannichl haben die Staatsanwaltschaft und das bayerische Landeskriminalamt Ermittlungspannen bestritten. Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch kritisierte zugleich Interviews von Mannichl: "Man ist schon betroffen, wenn ein Insider so wenig Verständnis für unsere Arbeit aufbringt", sagte Walch am Montag der Nachrichtenagentur AP.

Mannichl war vor einem Jahr von einem Unbekannten vor seinem Privathaus niedergestochen worden. Nach Mannichls Aussagen hatte sich die Fahndung auf einen Täter aus der Neonazi-Szene konzentriert, später war zeitweise seine Familie ins Visier der Fahnder geraten.

Mannichl sagte der AP: "Es steht mir nicht zu, die Ermittlungen zu kommentieren. Ich kenne auch die Akten nicht. Aber wenn es Fehler gegeben hat, muss man das untersuchen und klären." Empört sei er gewesen, dass die entlastenden Erkenntnisse erst Mitte Februar bekanntgegeben wurden. Aber inzwischen "finde ich es gut, dass die Ermittler trotz des enormen Drucks von verschiedenen Seiten sich nicht beeinflussen ließen", sagte Mannichl.

Walch versicherte: "Mir sind keine Pannen bekannt!" Der Leiter der LKA-Sonderkommission, Gerhard Zintl, sagte: "Hätten wir vom LKA die Ermittlungen nicht erst am 30. Dezember, sondern sofort von der Passauer Kripo übernommen, hätten wir alles genauso oder ganz ähnlich gemacht." Er fügte hinzu: "Jedes Opfer steht unter einem Rechtfertigungszwang, insbesondere bei einer so öffentlichen Diskussion." Die inzwischen auf zehn Beamte verkleinerte SoKo des Landeskriminalamts ermittle weiter.

Der 53-Jährige Mannichl, seit Juni Niederbayerns ranghöchster Kriminalpolizist, war am 13. Dezember 2008 an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell bei Passau niedergestochen worden. Den kräftigen Täter mit Glatze oder kurzem Haar ordnete Mannichl selbst aufgrund dessen hasserfüllter Äußerungen der rechtsextremen Szene zu.

Das LKA übernahm die Ermittlungen am 30. Dezember. Obwohl Mannichl nach eigener Aussage mit dem Angreifer gerungen hatte, wurden seine Fingernägel nicht auf DNS oder Fasern untersucht. Zintl erklärte, das Opfer sei vom Notarzt behandelt und ins Klinikum zur Operation gebracht worden. "Das Leben des Opfers geht Spurensicherung vor", sagt Walch. Auch Mannichl als erfahrener Polizist hat es nie für erforderlich gehalten, seine Fingernägel zu sichern.

AP AP

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