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Nach Messerattacke: Entwarnung in München - Täter war wohl psychisch krank

Der Täter der Messerattacke, bei der acht Menschen verletzt wurden, ist gefasst. Er ist polizeibekannt, die Ermittler schließen terroristische Hintergründe aus. Die Opfer wurden nur leicht verletzt.

Von Felix Hutt

Es wurden unangenehme Erinnerungen wach, als heute Morgen um kurz vor neun Uhr die Polizeiwagen mit Sirenengeheul durch die Münchener Innenstadt rasten, Helikopter aufstiegen und SEK-Kräfte durch die Straßen kämmten. Erinnerungen an den Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum vor über einem Jahr, bei dem neun Menschen getötet und die ganze Stadt in Panik versetzt wurde. Doch dieses Mal sollte ohne Tote davon kommen. Und ohne Panik.

Um 8.34 Uhr stach ein dunkelblonder Mann beim Rosenheimer Platz, nicht weit von der Isar und dem Deutschen Museum, mit einem Messer auf sein erstes Opfer ein. Laut bewegte er sich danach zwischen den Stadtvierteln Haidhausen und Unterer Au und attackierte dabei sieben weitere Personen. Seine acht Opfer waren eine Frau und sieben Männer, darunter ein zwölfjähriger Junge. Sechs Deutsche, ein Rumäne, ein Italiener. Scheinbar willkürlich suchte der Täter seine Opfer aus und traf sie nur oberflächlich. Ihre Schnittwunden konnten ambulant behandelt und die Opfer schon bald danach vernommen werden.

Der Täter ist mehrfach vorbestraft und polizeibekannt

Der 33-jährige Täter floh auf einem schwarzen Fahrrad. Über 500 Einsatzkräfte waren ihm auf der Spur. Die Einsatzleitung teilte das Fahndungsgebiet in Zonen ein, die mit Einsatzteams bestückt wurden. Etwa drei Kilometer vom ersten Tatort entfernt entdeckten Zivilfahnder einen Mann in der Ottobrunner Straße im Stadtteil Perlach, der auf die Täterbeschreibung passte. Nach kurzem Widerstand, er versuchte zu fliehen, nahmen sie ihn um 11.44 Uhr fest. Er trug ein Messer bei sich. Es gab und gibt keine Zweifel, dass es sich bei ihm um den Täter handelt.

Der Täter, das gab die Polizei gerade bekannt, ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung. Er verweigert momentan die Aussage. Ihm wird Blut entnommen, um eine eventuelle Alkoholisierung oder Drogen in seinem Körper festzustellen. Über sein Motiv ist noch nichts bekannt, aber Polizeipräsident Hubertus Andrä sagt, dass nichts für einen terroristsichen Hintergrund spräche. Er vermutet, dass der Täter psychische Probleme haben könnte. Der Täter ist in München gemeldet, zur Zeit wird sein Wohnsitz untersucht.

München bleibt ruhig

Im Gegensatz zum am 22. Juli 2016 brach dieses Mal keine Panik aus. Es gab laut der Polizei ein erhöhtes Aufkommen an Notrufen, aber weder Schaulustige noch übermäßig viel Spekulationshysterie in den sozialen Medien, die die Arbeit der Einsatzkräfte behindert hätte. Es scheint, als habe sich auch das idyllische München an die Sirenen und die ständig präsente Gefahr gewöhnt.

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